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Hochklassig am Wind

Hochklassig am Wind

Segel-Bundesliga als Exportschlager in 18 Ländern unterwegs – Ideengeber Schwall: „Druck von unten ist enorm“ – 2017 sind vier Regionalligen und die U21-Liga am Start.

Oltmann Thyen klettert an der Stahlleiter die Nordermole hinunter, springt zu seinen Jungs ins Schlauchboot und ab geht’s. Um den grün-weißen Leuchtturm herum tuckert das Shuttle die Crew des Lübecker Yacht-Clubs 300 Meter vor den Travemünder Strand. Fliegender Crewwechsel auf offener See. Und keine zehn Minuten später kreuzen Thyen & Co. mit sechs weiteren Klubs auf ihren J70-Booten vor der Startlinie. Kurz, zackig, flott. Wie die Rennen. Es ist das Modell Segel-Bundesliga.

 

LN-Bild

Drei Siege in den ersten drei Rennen: Traumstart für die Seglervereinigung Itzehoe (vorn).

Quelle: Wolfgang Maxwitat

„In zehn Jahren haben wir eine World-Sailing-League.“ Bundesliga-Mitbegründer

Oliver Schwall

Segeln ist langweilig, teuer und kompliziert. Von wegen. Die Segel-Bundesliga ist der Gegenentwurf dazu. Die aus anderen Sportarten übertragene Idee des Vereinswettbewerbs ist seit ihrer Gründung vor drei Jahren auf Kurs Wachstum. Gesegelt wird jetzt einheitlich auf J70-Booten aus der Mittelmann’s-Werft in Kappeln. Sie werden zu jedem der sechs Events plus Relegation gestellt. Seit 2014 gibt es neben der ersten auch eine 2. Liga mit 18 Teams. „Die Liga ist deutlich professioneller geworden“, sagt Oliver Schwall, der mit seinem Team der Hamburger Agentur „Konzeptwerft“ die Idee auf Kiel gelegt hat. Er weiß: „Die Klubs haben in den Kader, das Training so viel investiert wie nie zuvor.“ In der Liga treffen Olympia- Schwergewichte auf Talente, die gerade erst aus dem Opti gestiegen sind. „Die Liga ist deutlich jünger geworden, die Meister vom Touring-Yacht-Club aus Tutzing sind im Schnitt 23“, weiß Schwall.

Und: Die Pyramide habe sich in einer unfassbaren Geschwindigkeit weiterentwickelt. Heißt: Mehr als 60 Boote drängen jährlich in die 2. Liga, doch es gibt nur sechs freie Plätze. Für Schwall steht fest: 2017 kommt die Regionalliga, aufgeteilt in Nord, Ost, West und Süd. „Sie muss definitiv kommen, der Druck von unten ist gewaltig.“ Die Liga sorgt zudem für ein neues Wir-Gefühl in den Vereinen.

Schwall nennt es stabile Klubkultur.

Seit diesem Jahr ist auch eine Junioren-Liga im Probelauf. „Die werden wir 2017 als U21-Liga etablieren. Der Ansturm ist auch hier gigantisch.“ Den Vorwurf, dass so das olympische Segeln kannibalisiert werde, wischt Schwall weg: „Quatsch. Wer auf der Olympia- Trasse unterwegs ist, wird sich doch durch die Liga nicht aufhalten lassen. Im Gegenteil: Wir sind das Auffangbecken für den Rest. Gerade bei Jugendlichen liegt die Aussteigerquote bei 90 Prozent.“

Die Segel-Bundesliga, die vor drei Jahren noch eine Art Klassentreffen war, ist längst eine „Segel-Fabrik“, ein Exportschlager. „Wir haben die Liga in 18 Ländern etabliert, Irland, die USA und Australien sind jetzt auch dabei.“ Eine Champions League ist ebenfalls unterwegs, „die schießt auch durch die Decke“. Allein 32 Klubs hätten für die Qualifikation in der Königsklasse gemeldet. Das Finale steigt im September vor Sardinien. „Das Prädikat Meister oder Champions-League-Sieger hat Strahlkraft“, sagt Schwall.

376 Millionen Medienkontakte zählte sein Team im Vorjahr, darunter 38 TV-Beiträge. „In diesem, Jahr werden es 70“, ist Schwall überzeugt, der jetzt auch einen Weltliga-Verband initiiert und den Weltverband World Sailing ins Boot geholt hat. „Wir verhandeln über den Status als Special Event.“ Der ehemalige Olympia-Segler, der mit „Konzeptwerft“ auch die Segel-Nationalmannschaft gegründet hat, ist sich sicher, dass er mit seiner Firma in zehn Jahren noch hochklassiger am Wind segeln wird: „Wir werden eine World-Sailing-League haben – mit Stationen in New York, Hongkong und vielleicht auch Travemünde.“

Jens Kürbis

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