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„Keine Woche für schwache Nerven“

„Keine Woche für schwache Nerven“

Sportchef Jens Kath und Gesamtwettfahrtleiter Brian Schweder über ausgefallene Rennen, meuternde Piraten, bockige Seesegler und die Travemünder Woche der Jugend.

Sturm, ein Tag komplett abgesagt, Schwachwind, Gewitterwarnungen und immer wieder Regen. Klingt nach einer turbulenten Woche?

Brian Schweder (Gesamtwettfahrtleiter seit 2015): Das war keine TW für schwache Nerven. Gefühlt bin ich in den zehn Tagen zehn Jahre älter geworden – und einsam.

Wieso einsam?

Schweder: Wir haben zwar den Kontakt zu Wetterdiensten. Aber wenn es den ganzen Tag Gewitterwarnungen gibt, muss man sich selbst ein Bild machen. Ich war bis zu sieben Stunden auf dem Wasser. Durch die Jugendklassen waren wir besonders vorsichtig.

Und wie fällt ihr Gesamtfazit aus?

Schweder: Wir haben gute Entscheidungen getroffen, den Ausfall-Tag kompensiert. Bei den Jugend-Meisterschaften haben wir bis auf eine Bahn das volle Programm durchbekommen, inklusive Opti-Team-Race, von dem wir im übrigen erst drei Wochen vorher erfahren haben.

Jens Kath (sportlicher Leiter): Wir sind ja bekannt dafür, dass wir Dinge kurzfristig umsetzen können.

Schweder: Und wir hatten bei 380 Wettfahrten nur 23 Proteste. Wir hatten damit gerechnet, dass uns die Protestwelle umhaut, aber das war für die Jury die entspannteste TW seit Jahren. Das spricht für einen guten Job auf dem Wasser.

War wirklich alles gut? Die Piraten haben zum Finale gemeutert . . .

Schweder: Sie wollten nicht segeln, weil ihnen der Wind zu stark war. Doch ich war auf der Bahn, in Böen waren es nie mehr als 24 Knoten – und bei sechs Windstärken kann man segeln, gut sogar. Dass es für die Surfer zu viel war, davon habe ich mich überzeugen lassen.

Die Optis waren draußen . . .

Kath: Oh, ein Opti ist stabil, nicht so empfindlich. Den kann man auch noch bei acht Windstärken segeln. Wir haben die Entscheidung der Absagen einiger Klassen aber akzeptiert.

Auch die, dass die Mittelstrecken- Yachten nicht tracken wollten?

Schweder: Fehler von uns, da Steuermannsbesprechung und das Abholen der Tracker zeitlich parallel liefen. Aber es war auch Bockigkeit der Seesegler. Dass unser Partner SAP sauer war, dass das Tracking ausgefallen ist, ist nachvollziehbar. Wir mussten da viel reden.

SAP war sicher auch nicht glücklich darüber, dass viele Rennen auf der Medienbahn ausgefallen sind?

Kath: Der Wechsel von den üblichen Bahnen auf die Medienbahn war durch die großen Flotten eine Herausforderung, vor allem zeitlich. Das hat bei den Laser mehr als eine Stunde gedauert. Da wir auf allen Kursen nach dem Ausfalltag Nachholbedarf hatten, haben wir uns oft gegen einen Wechsel entschieden. Deshalb war auch das Bespielen der Trave ein Problem.

Vier von acht Rennen sind ausgefallen . . .

Schweder: Die Meisterschaften haben nun mal Priorität.

Kath: Diese Showrennen sind weiterhin wichtig. Sie sind unser Alleinstellungsmerkmal. So bringen wir unseren Sport nah ans Publikum.

Schweder: Deshalb brauchen wir für 2018 zwei Klassen als Alternative, wenn eine nicht kann.

Wieso finden keine Meisterschaftsrennen in der Trave statt?

Kath: Weil die Bedingungen nicht die fairsten sind. Wir hoffen aber, dass sich eine Klasse findet, die sich darauf einlässt. Eine Speed- Challenge ist auch in Planung.

Es war erstmals eine TW der Jugend. Bewerben Sie sich noch einmal um die Jugend-Meisterschaften?

Kath: Selbstverständlich. Nicht für 2021, da sie ja nur alle vier Jahre stattfinden, aber vielleicht 2025. Die TW der Jugend ist eine tolle Investition in die Zukunft, immer etwas Besonderes.

Einige Klassen, wie die Musto Skiffs, fühlten sich ausgeladen. Ist 2018 wirklich die Rückkehr zur Normalität?

Kath: Ja. Unser Programm ist mit um die 30 Klassen ohnehin schon pickepacke voll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass aufgrund der TW der Jugend Klassen absagen. Ohnehin fand ich schade, dass nur eine Klasse es begriffen hatte.

Was meinen Sie damit?

Kath: Alle Klassen beklagen Nachwuchssorgen, aber zur TW haben sich nur die 505er ins Schaufenster gestellt. Sie haben den Jugendlichen in Travemünde drei Boote zum Schnuppersegeln hingestellt. Das hätte ich mir auch von anderen Klassen gewünscht.

2018 gibt es in der TW die WM der Vaurien, die EM der Flying Junior, auch die Jugend-DM der Laser. Wofür bewerben Sie sich noch?

Kath: Für 2018 ist die WM-Bewerbung für eine weitere Jugendbootklasse raus, auch für weitere Titelkämpfe. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, da stehen wir in Konkurrenz zu Kiel und Warnemünde.

Ist denn eine IDM im Seesegeln nach 2005 mal wieder ein Thema?

Kath: Wir wollen das ja schon seit Jahren, das wird aber konsequent vom Seesegel-Ausschuss ignoriert. Seesegeln in Deutschland funktioniert nicht nur in Kiel, Helgoland und Flensburg.

Wenn es wirklich gefördert werden soll, müssen auch andere Reviere zum Zuge kommen. Gespräch: Jens Kürbis

LN

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