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Oliver, der segelnde Japaner aus dem Allgäu

Oliver, der segelnde Japaner aus dem Allgäu

Der Grünstrand in Travemünde ist ein Schmelztiegel der Nationen. Die LN haben Sportler aus Brasilien, Costa Rica, Mexiko oder Dänemark getroffen.

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Helena Wolff aus Hamburg (13) startet für Dänemark. Sie liegt bei den Optis auf Kurs Bronze.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Kurz vorm Ziel legt Mic Mohr (13) noch einmal um. Wende. Vierter. „Lief ganz gut“, meint er trocken, schaut sich kurz um, wo sein Bruder geblieben ist. Doch der ist nicht zu sehen. Und weiter geht es direkt zu einem abseits ankernden Schlauchboot mit schwarzer Flagge am Heck. Vater Oliver wartet da schon, holt seinen Jungen ran, zeigt, erklärt, klopft ihm auf die Schulter. Er ist der Trainer. Kurze Zeit später docken auch seine Brüder Roko (14) und Bo an. Die Mohrs – im Opti-Segeln sind sie eine Institution, räumen bei Regatten rund um den Globus ab. Roko, in Marbella/Spanien geboren, war schon mit elf Deutschlands Bester. Mic ist aus Thailand als WM-Dritter nach Travemünde gereist. Nur: Zur Jüngsten-DM startet Mic für Costa Rica, Roko für Deutschland. Zu Hause sind sie in Stralsund, trainieren vor Altefähr (Rügen). Mic ist vor dem heutigen Finale Erster, Roko Zweiter. Deutsch-costa-ricanischer Bruder-Kampf bei den Optis. Verrückte Segelwelt. Die Erklärung: Ein Elternteil ist im Besitz eines Passes aus Costa Rica. Mic startet so unter „CRC“. Roko als Ranglistenerster in Deutschland für „GER“.

LN-Bild

Der Grünstrand in Travemünde ist ein Schmelztiegel der Nationen. Die LN haben Sportler aus Brasilien, Costa Rica, Mexiko oder Dänemark getroffen.

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Direkt hinter den Mohrs rangiert Helena Wolff. Die 13-Jährige führt „DEN“ für Dänemark im Segel, lebt und trainiert aber in Hamburg. Ihr Papa ist Däne, hat ihr die Staatsbürgerschaft vererbt und als ehemaliger X-99-Segler wohl auch das Talent an der Pinne.

Noch verrückter wird es bei den O’pen Bic. Auf Silberkurs: Ken Izuki (14) aus Japan. „Aber eigentlich heiße ich Oliver Sanders, bin in Düsseldorf geboren und wohne in Kempten im Allgäu “. Bitte?

Nicht möglich? Doch. „Ken-Oliver“ klärt auf: „Meine Mutter ist Japanerin, ich habe beide Staatsbürgerschaften, in Japan bin ich Ken, in meinem deutschen Pass steht Oliver.“ Seit er sechs ist, segelt er. Angefangen hat alles mit seinem Vater Dirk Sanders „in einem Faltboot“, dann kam der Opti. Vor drei Monaten ist er in den Bic umgestiegen. Nur: „In Bayern gibt es keine Regatten. Ich hatte mich zu einer angemeldet, war aber der einzige.“ Da er so keine Ranglistenpunkte sammeln konnte, „starte ich für Japan, da brauche ich das nicht“, gibt er zu. Sein Ziel heute? „Ich will Silber.“

Davon ist Emanuel Mayagoitia weit weg. Der Mexikaner ist am Ende des Feldes zu finden. „Ich bin hier, um zu lernen“, erzählt der 14-Jährige in brillantem Deutsch. Noch ein „Ken-Oliver“? Er winkt ab.

„Ich komme aus Guadalajara, besuche da die deutsche Schule.“ Seit Februar ist er als Austauschschüler in Frohnau, im Norden Berlins, trainiert beim Yacht-Club mit.

Der Grünstrand in Travemünde, er ist ein Schmelztiegel der Nationen. Hallo, Nicole Joop (13), Konstantin Wülfing (13) und Marina Formigoni (13)! „BRA“ auf ihrer Weste verrät ihre Herkunft. „Wir kommen aus São Paulo“, erzählen sie. Wieder in deutsch, akzentfrei. „Wir besuchen die deutsche Schule, unsere Eltern sind auch deutsch.“ Sie sind als Trainingsgruppe derzeit beim NRV in Hamburg zu Gast, „ist so ’ne Art Austauschprogramm“. In Travemünde waren sie noch nie. „Cool hier, wir können uns frei bewegen. Zu Hause werden wir von den Eltern abgeholt, immer nur gefahren.“

Segeln in Travemünde ist für sie ein seltenes Gefühl der Freiheit – auf dem Wasser und an Land.

Lübecker Chancen

Heute ist Finaltag der Meisterschaften. Ein Lübecker Quartett liegt gut im Rennen: die Optis Kjell Haschen (Platz 9) und Jesper Bahr (Rang 10). Bei den O’pen Bic ist Magnus Voß Sechster, Niclas Burdon Elfter. Chancen auf die Top 20 hat noch ein LYC-Duo im Laser: Justus Sauer (4.7) ist 19., Peer Heuer (Radial) liegt auf Rang 18.

Jens Kürbis

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