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Rückenwind für Schleswig-Holstein

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Landestrainer Rein krempelt mit neuen Förderprojekten das Leistungssegeln um – und kämpft auch gegen Widerstände im DSV.

Thomas Rein jagt mit seinem Motorboot neben dem Opti-Feld her. Er will alles sehen. Es ist sein Job. Nicht der des Bundestrainers, der Erik Heil und Thomas Plößel, das 49er Duo, über vier Jahre 2016 zu Olympia-Bronze geführt hat. Das Kapitel ist abgehakt. Rein ist jetzt Landestrainer des schleswig-holsteinischen Verbandes. Und den will er vom Kopf auf die Füße stellen, speziell das Leistungssegeln. Club der 100, versteckte Champions, „Up to date“ – Rein hat Projekte angekurbelt, auch ein Vermarktungskonzept geschrieben.

Der Grund: das liebe Geld. Nach dem Wegfall der privaten Förderinitiative Sailing Team Germany (STG), die das deutsche Leistungssegeln per anno mit 1,8 Millionen Euro unterstützt hat, „ist das eine Riesen-Baustelle“, sagt Rein. Denn das Geld, das vom Landesverband und vom Land kommt, reicht gerade für die hauptamtlichen Trainer (neben Rein, noch Manuel Voigt), einen Honorarcoach und die Verwaltung. 58 Nachwuchssportler hat Rein im Landeskader. Fördergelder an die Sportler seien nicht drin. Im Gegenteil. Die Talente müssen eine Trainingsgebühr zahlen – 300 Euro im Jahr.

Nicht die einzige Baustelle, seit der Deutsche Segler-Verband (DSV) den Vertrag mit STG gekündigt, die Vermarktung selbst übernommen hat. Auch die Topsportler klagen. So habe STG das Perspektivteam des Flensburgers Jan-Hauke Erichsen mit 30000 Euro unterstützt, den Übergang vom Abi zum Studium erleichtert. Aktuell gebe es nichts. Selbst Heil/Plößel, die im Vorjahr für ihre Olympia-Kampagne 200000 Euro aufbringen mussten, sind nicht viel besser dran. „Die Bundeskader sind unsere ehemaligen Sportler“, sagt Rein, „sie fühlen sich im Stich gelassen. Deshalb helfen wir, wo wir können.“

Nicht finanziell, sondern organisatorisch, beim Coaching. Selbst in Schilksee, wo DSV und Landesverband Tür an Tür wohnen, gibt es ein Gegen- statt Miteinander.

So ist Reins Talenten der Zutritt zum Kraftraum der Bundeskader verwehrt, „obwohl der oft leer ist. Verstehen muss man das nicht“, schimpft Rein. Deshalb setzt er auf Eigeninitiative. Projekt Nummer eins ist der Club 100. „Die Idee ist, dass 100 Leute im Jahr 300 Euro spenden“, erklärt er. Eine Art Crowdfunding, 30000 Euro, durch die Trainer und auch Camps mitfinanziert werden sollen. „Wir sprechen in erster Linie Segeleltern an. Die wissen am besten, was die Kinder durch die Kaderzugehörigkeit erleben.“ Zehn Förderer hat Rein schon. Anke Siemsen, die bei STG „den Laden geschmissen hat“, hat er für das Projekt gewonnen. Sie soll Förderer finden und binden, einen Segel-Award planen.

Weniger ist mehr – das ist Schleswig-Holsteins Motto für die Klassenförderung. Optimist, 29er, als Unterbau für den 49er, 49er FX und den Mixed-Kat Nacra sowie Laser Radial/4.7 – das sind die geförderten Bootsklassen. „Alle zu haben, macht keinen Sinn. Wir haben auch nicht genügend Sportler. Wichtiger ist, dass wir erkennen, wer wohin am besten passt“, sagt Rein. So hat er zwei Optis im Blick, „die beste Anlagen fürs Surfen haben“. Nur: Das Surfen ist auf Tauchstation. „Wir haben keinen Etat dafür, ich möchte das Surfen aber wieder beleben“, sagt Rein. Noch ein neues Projekt.

Er hat noch viel mehr vor: Ein Projekt, in dem Sponsoren Sportler individuell fördern. Die Talentsichtung will er umkrempeln. „An der Schlei, in Plön, Neustadt, wir haben überall guten Nachwuchs. Was fehlt, sind Trainer.“ Deshalb sollen sie in Trainingsgruppen kooperieren. „Wir würden da einen neutralen Trainer hineingeben.“

„Hidden Champions“, versteckte Spitzensportler, will Rein zudem finden, „in dem wir Talente aus finanziell nicht so betuchten Familien unterstützen“. Mit „Up to date“, noch ein Projekt, sollen aktuelle Trends bedient werden – das Foil-Segeln. Der Verband hat deshalb in zwei „Motten“ investiert. Die Zusammenarbeit mit der FH Kiel und der Kunsthochschule, der Erwerb einer Drohne, das Thema Mobilität („Wir brauchen ein drittes Fahrzeug“) – Rein hat noch viel mehr Ideen. Nur: Im Moment sind sie nicht bezahlbar.

Jens Kürbis

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