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Lübeck Travepromenade: Wieder kein Gosch?
Lokales Lübeck Travepromenade: Wieder kein Gosch?
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09:43 10.01.2018
Der Platz für Gosch: Neben dem Restaurant Marina will der Sylter Nobel-Fisch-Imbiss eine Filiale eröffnen. Die Fläche an der Travepromenade gehört der Hansestadt. Doch der Gestaltungsbeirat will keine Neubauten auf der Travewiese – zum Ärger der Wirtschaftspolitiker. Quelle: Maxwitat (3)/neelsen
Travemünde

Empörung im Wirtschaftsausschuss: „Es ist eine Zumutung, was der Gestaltungsbeirat da beschlossen hat“, echauffiert sich Ulrich Krause, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU. Das sei „geradezu bizarr“. Keine Neubauten auf der Wiese. Das hat das Gremium im November beschlossen und damit die Pläne für die neue Travepromenade geschrumpft (LN berichteten).

 

Blick von der Travepromenade: So könnte das Gosch-Restaurant aussehen. Diese Pläne wurde vor einem Jahr öffentlich im Bauausschuss vorgestellt. GRAFIK: ARCHITEKT JAN GRÖPPER

Der Knackpunkt: Dadurch fällt der Gosch-Neubau weg. Der sollte direkt neben dem Restaurant Marina entstehen. „Wir sind weiter an diesem Standort interessiert“, macht Thomas Schmidt klar, Chef der WPS Betriebs GmbH. Das Unternehmen baut und betreibt Gosch-Restaurants, hat seine Pläne für Travemünde vor einem Jahr öffentlich vorgestellt. Das Investitionsvolumen beträgt 3,75 Millionen Euro. Das Grundstück misst 1100 Quadratmeter. Auf 500 Quadratmetern sollten zwei langgestreckte Gebäude entstehen, deren schmale Seiten zum Wasser und zur Trelleborgallee zeigen. Es geht dabei um 25 bis 45 neue Jobs. Die Eröffnung war für Frühjahr 2019 geplant. Seit 2009 will Gosch im Seebad Fuß fassen – und ist immer wieder gescheitert. Das ist nun der vierte Versuch.

Und diesmal hat der Gestaltungsbeirat den Daumen gesenkt. Denn die Wächter über die Baukultur wollen keine Neubauten auf der Travewiese, damit der Charakter der Wiese erhalten bleibt. „Es wurde ganz klar von den Bürgern eine ganzjährige Gastronomie gewünscht“, erinnert Andreas Zander (CDU), Vorsitzender des Wirtschaftsauschusses. Denn die Verwaltung hatte im April einen Workshop zur Umgestaltung der Travepromenade veranstaltet. Das stößt auch dem Seniorenbeirat sauer auf. „Der Beschluss des Gestaltungsbeirates geht an den Ergebnissen des Workshops vorbei“, kritisiert Jürgen Cladow. Er macht klar: „Das Gremium wirft die Bürgerwünsche komplett über den Haufen.“ Kurdirektor Uwe Kirchhoff stimmt zu: „Es gibt einen Bedarf in Travemünde nach einer Life-Style-Location, zu der man abends hingehen kann.“

Es reiche nicht aus, nur mehr Betten-Kapazitäten im Seebad zu schaffen. Aktuell werden dort zwei Großprojekte mit mehr als 2000 Betten hochgezogen. „Wir müssen den Gästen dann abends auch etwas bieten in Travemünde“, macht Kirchhoff klar. Unzufrieden ist ebenfalls die SPD. „Der Verkauf des Grundstücks sollte doch die Umgestaltung der Travepromenade refinanzieren“, sagt Jörg Hundertmark, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD. Ihn ärgert zudem, dass der Gestaltungsbeirat auch keine gepflasterte Terrasse auf der Travewiese haben möchte. „Überall an der Küste wollen die Leute doch draußen sitzen“, kritisiert Hundertmark. Zudem: Wenn vorhandene Gebäude ersetzt werden, dann sollen diese aussehen wie Schuppen und ebenerdig auf der Wiese stehen, hat der Gestaltungsbeirat beschlossen. „Das ist ein Überschwemmungsgebiet“, merkt Krause an. Man können einem Investor doch nicht zumuten, seinen Neubau direkt aufs Gras zu setzen. „Es sollen Schuppen auf die Wiese gebaut werden – und wir wissen, dass sie alle drei Jahre absäuft“, reagiert Krause sauer. „Das ist mir unbegreiflich“, ärgert sich auch Thomas Thalau (CDU). Kirchhoff gibt zu: „Es kann sein, dass der Beschluss des Gestaltungsbeirates rechtlich nicht umsetzbar ist.“ Thalau setzt nach: „Es muss doch nicht alles so gemacht werden, wie dieser Beirat es will.“

Doch die Stadtplanung hat die Vorschläge des Experten-Gremiums übernommen. Jetzt soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden – ohne einen Neubau für Gosch. „Der Gestaltungsbeirat ist doch nur ein Beirat“, stellt Krause klar. „Er soll doch der Bauverwaltung nicht das Denken abnehmen.“ Deshalb wollen die Wirtschaftsleute, dass der Bauausschuss sich mit dem Thema noch einmal beschäftigt – und fordern, dass der Gosch-Neubau auf der Travewiese errichtet wird.

 Von Josephine von Zastrow

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