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Lübeck Trinkwasserbrunnen für die Stadtschule
Lokales Lübeck Trinkwasserbrunnen für die Stadtschule
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06:49 14.11.2017
Brunnenexperte Thomas Ahlberg (v. l.), Hagen Goldbeck (Lions Club Travemünde), Professor Morten Schütt sowie Schulleiter Michael Cordes schauen Thure, Bent, Bosse und Lotte beim Wasserzapfen am neuen Trinkbrunnen in der Stadtschule Travemünde zu. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Travemünde

Finanziert hat das Pilotprojekt für Schleswig-Holstein der Lions Club Travemünde. Der Neuling ist anderthalb Meter groß, hat ein Stahlgehäuse und leuchtet in frischem Blau. Und obwohl er erst seit ein paar Wochen auf dem Schulflur steht, ist er schon komplett integriert.

Pünktlich zum heutigen Weltdiabetestag ist an der Stadtschule Travemünde ein Trinkwasserbrunnen aufgestellt worden. So soll es gelingen, zuckerhaltige Getränke ins Abseits zu stellen. Finanziert hat das Pilotprojekt für Schleswig-Holstein der Lions Club Travemünde.

Entsprechend wundert es nicht, dass in der Aula alle Hände nach oben schnellen, als Schulleiter Michael Cordes fragt, wer sich beim neuen „Schulkollegen“ oft Wasser abzapft, in drei Zubereitungsstufen, still, spritzig-prickelnd und mild-sprudelnd.

Es geht um das Präventions-Projekt „Diabetes verhindern“ – und zwar durch Wasser statt zuckerhaltiger Getränke an Schulen. Dazu Experte Professor Morten Schütt, der extra zur offiziellen Einweihung des „Soda-Jets“ zu einem kleinen Vortrag in die Schule gekommen ist: „Die Anzahl von Menschen mit einem Diabetes hat sich in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt, vor allem Kinder und Jugendliche entwickeln immer häufiger ein Diabetes-Risiko.“

Deshalb sollte es bereits in jungen Jahren Gewohnheit werden, eher Zucker zu meiden, als ihn täglich wie selbstverständlich in Form von zum Beispiel Limo, Cola oder Eistee zu sich zu nehmen. „Und leider haben wir inzwischen in vielen Schulen auch Kioske, die zuckerhaltige Getränke zum Kauf anbieten“, so Schütt. Dieser erste Lübecker Schultrinkbrunnen als Pilotprojekt für Schleswig-Holstein sei eine tolle Gegenstrategie.

Schütt ist niedergelassener Arzt und Spezialist für die Behandlung von Diabetes, der Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts. Das Krankheitsbild beschäftigt ihn schon schwerpunktmäßig seit Ende seines Medizinstudiums – und der frühere Uni-Dozent will Gesellschaft und Politik sensibilisieren. Deshalb hat er als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes im Sozialministerium bei der Aufstellung eines Aktionsplanes mitgewirkt.

„Und in diesem fordern wir als einen der wesentlichen Präventionsbausteine eine flächendeckende kostenfreie Trinkwasserversorgung für jede Schülerin und jeden Schüler als Qualitätsmerkmal an Schulen in Schleswig-Holstein“, erklärt er. Allerdings fehle es für die Umsetzung – „wie fast immer“ – an Geld. „Deshalb ist es hervorragend, dass der Lions Club Travemünde die Anschaffung des Wasserspenders in der Stadtschule ermöglicht hat“, freut sich Morten Schütt. Dass ein nüchterner Wasserhahn allein als Quelle zum Abzapfen des nassen Elements nicht ausreiche, sei ein Erfahrungswert. „Wasser muss für Kinder eine Art ,Coolheitsfaktor’ bekommen“, resümiert er.

In der Stadtschule jedenfalls mit ihren knapp 200 Schülerinnen und Schülern hat es schon funktioniert. Till, acht Jahre alt, wie auch James, neun Jahre alt, sind zum Beispiel Wasserfans geworden.

Mehrmals am Vormittag suchen sie den Spender, der rund 4000 Euro gekostet hat, auf. „Vor allem das Sprudelige mögen wir“, sagen beide. Und Schulleiter Michael Cordes weiß sogar von längeren Warteschlangen in den Pausen zu berichten.

„Wir sind überrascht, wie widerspruchslos die Kinder das annehmen. Denn wir haben ausgegeben, dass in unserer Schule bis 12 Uhr nur noch Wasser getrunken wird“, berichtet Cordes. Und von Elternseite habe es bisher nur eine einzige kritische Stimme gegeben. Für Hagen Goldbeck, Präsident des Lions Club Travemünde, sind das gute Nachrichten. „Denn der Kampf gegen Diabetes gehört seit Sommer zur Agenda unserer Lions-Bewegung. Deshalb ist es für uns ein wichtiges Anliegen gewesen, diesem Projekt auf die Beine geholfen zu haben.“ Heute zum Weltdiabetestag wird das Schulgebäude übrigens am Morgen blau angestrahlt.

Heute ist Weltdiabetestag

Der 14. November wurde als Weltdiabetestag ausgewählt, da dies der Geburtstag des Mediziners Frederick Banting ist. Er entdeckte 1922 mit dem Insulin den Stoff, der für die Therapie des Diabetes zentral ist. Jedes Jahr soll unter dem Titel „Blue Monument Challenge“ überall auf der Welt ein Zeichen gesetzt werden. Als einzige nicht-infektiöse Krankheit wurde Diabetes als eine „globale Bedrohung der Menschheit“ eingestuft. Bis 2030 soll sich die Zahl der Betroffenen, so die Prognose, weltweit von jetzt 400 Millionen noch verdoppeln.

 Michael Hollinde

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