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Lübeck Trotz Landesgesetz: Nur zwei Top-Verdiener nennen ihr Gehalt
Lokales Lübeck Trotz Landesgesetz: Nur zwei Top-Verdiener nennen ihr Gehalt
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20:31 02.08.2016

Jetzt geht’s ums Geld. Wer verdient wie viel bei den Gesellschaften der Stadt? Nur zwei Top- Manager der Stadt haben kein Problem damit, dass jeder weiß, was sie verdienen. Das sind „Trave“-Geschäftsführer Matthias Rasch und Tourismus-Chef Christian Martin Lukas. Die anderen neun städtischen Gesellschaften haben die Gehälter ihrer Manager bislang verschwiegen. Doch spätestens im Herbst werden auch sie öffentlich. Denn die Bürgerschaft hat im Juni 2014 einen Transparenz-Kodex beschlossen. Der besagt: Die Gehälter müssen auf den Tisch. Im Herbst soll der Bericht der Stadt dazu erscheinen. Die Zahlen werden sich dann auch auf der Website des Finanzministeriums wiederfinden. Denn seit 2015 gibt es ein Landesgesetz, das ebenfalls die Veröffentlichung der Gehälter beinhaltet. Die Bezüge der Grundstücksgesellschaft „Trave“ und vom Lübeck und Travemünde Markting (LTM) sind dort bereits zu finden.

Name: Matthias Rasch

Tätigkeit: Geschäftsführer der Trave

Gehalt: 127669, 46 Euro brutto im Jahr

plus 20000 Euro erfolgsabhängige Leistungszulage

Name: Christian Martin Lukas

Tätigkeit: Geschäftsführer der LTM

Gehalt: 96 000 Euro brutto im Jahr

plus 14400 Euro erfolgsabhängige Leistungszulage

Name: Peter Reinhardt (SPD)

Tätigkeit: Aufsichtsratsvorsitzender der „Trave“

Aufwandsentschädigung: 1350 Euro

brutto im Jahr

Bezüge beim Lübeck und Travemünde Marketing (LTM)

Name: Lars Rottloff (CDU)

Tätigkeit: Aufsichtsratsvorsitzender der LTM

Aufwandsentschädigung: 412,50 Euro

brutto im Jahr

„Das ist ein guter Vorstoß dieser beiden Gesellschaften“, lobt Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt. Wenn Unternehmen transparent sein wollen, „dann gehört das Offenlegen der Manager-Gehälter dazu“. GAL-Fraktionschefin Antje Jansen stimmt zu: „Ich finde, dass alle ihre Gehälter offenlegen müssen.“ Sonst könne der Eindruck entstehen, dass die Chefs etwas verheimlichen wollten. „Die Offenlegung muss sein – dabei geht es auch um Steuergelder“, stimmt BfL-Vormann Marcel Niewöhner zu. „Das ist nicht verkehrt“, sagt auch CDU-Frontmann Andreas Zander. „Selbstverständlich müssen die Gehälter offengelegt werden“, sagt SPD- Fraktionschef Jan Lindenau. Er drängt darauf, dass auch Geschäftsführer ihren Verdienst nennen müssen, die Altverträge haben, in denen die Offenlegung nicht gefordert wird. Das sind Stadtverkehr-Geschäftsführer Willi Nibbe, Ulfbenno Krüger, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft, und Jörg Ullrich, Geschäftsführer der European Cargo Logistics.

Sie können aber nicht gezwungen werden.

Blick auf die „Trave“: Exakt 127669,46 Euro beträgt das Brutto- Jahresgehalt von Geschäftsführer Rasch. Zudem kann er 20000 Euro Boni kassieren – je nach Erfolg. Macht knapp 150000 Euro im Jahr. Rasch verantwortet ein Unternehmen mit 80 Mitarbeitern und hatte 2015 Umsatzerlöse von 41,5 Millionen Euro, zudem einen Überschuss von 3,55 Millionen Euro. Die „Trave“ ist die einzige städtische Gesellschaft, die Gewinne an die Stadt zahlt: 2015 waren es 645000 Euro.

Im Vergleich dazu ist die LTM eine kleine Gesellschaft. Das spiegelt sich auch im Gehalt von Geschäftsführer Lukas wieder – auch wenn er als Tourismus-Chef viel häufiger in der Öffentlichkeit auftritt als der „Trave“-Chef. Lukas verdient 96000 Euro im Jahr und kann 14400 Euro dazu erhalten – je nach Erfolg. Macht 110 000 Euro. Er ist Chef von rund 30 Mitarbeitern, das Budget beträgt 3,4 Millionen Euro – wovon die Stadt 1,8 Millionen Euro als Zuschuss bezahlt.

Von Bonus-Zahlungen für solche GmbHs hält Niewöhner nichts. „Das Ziel muss sein, dass städtische Gesellschaften ohne Zuschüsse auskommen.“ Nur dann könne es Boni geben.

Zum Vergleich: Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) kommt auf brutto 120000 Euro Jahresgehalt, bei Senatoren geht es bei 93000 Euro los. Dass Chefs von städtischen Gesellschaften oft mehr Geld erhalten, stört Saxe nicht. „Ihr Gehalt wird am Markt gebildet, während der Verdienst der Wahlbeamten in Gesetzen geregelt wird.“ Zudem: „Wenn wir bei der Suche nach Geschäftsführern weniger bieten als marktüblich, finden wir keinen.“

Aufwandsentschädigungen der Mitglieder des Aufsichtsrats der „Trave“ 2015: Dirk Freitag (900 Euro), Oliver Dedow (900 Euro), Birte Duggen (900 Euro), Carl Howe (900 Euro). Erst seit April 2015 im Aufsichtsrat: Antje Jansen (675 Euro) und Roswitha Kaske (675 Euro).

Aus dem Aufsichtsrat Ende März 2015 ausgeschieden: Rolf Klinkel (225 Euro) und Harald Quirder (225 Euro).

Aufwandsentschädigungen der Mitglieder des LTM-Aufsichtsrats 2015: Gabriele Schopenhauer (337,50 Euro), Michael Weiß (300 Euro), Silke Mählenhoff (300 Euro). Erst seit April 2015 im Aufsichtsrat: Jan Lindenau (225 Euro), Hauke Wegner (225 Euro), Katjana Zunft (225 Euro).

Aus dem Aufsichtsrat Ende März 2015 ausgeschieden: Jörg Hundertmark (75 Euro), Bruno Böhm (75 Euro), Dagmar Tartemann (75 Euro).

Josephine von Zastrow

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