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Lübeck Trotz klammer Kassen: Lübeck hat einen neuen Kämmerer
Lokales Lübeck Trotz klammer Kassen: Lübeck hat einen neuen Kämmerer
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21:15 11.05.2016

Viele Schulden, viele Defizite, viele Minuszeichen. Niemand wollte den Job des lübschen Kämmerers haben. Denn er hat es vor allem mit einer leeren Stadtkasse zu tun:

Der neue Mann der Zahlen: Manfred Uhlig (49) wird Kämmerer.

1,5 Milliarden Schulden – und jedes Jahr kommt ein Defizit von zehn, 20, 30 oder gar 70 Millionen Euro hinzu. Fast ein Jahr lang war die Stelle vakant. Die Stadt hatte sogar einen Headhunter engagiert – doch unter den fünf Kandidaten gab es keine geeigneten Bewerber. Jetzt übernimmt Manfred Uhlig den Job – er arbeitet seit 30 Jahren in der Stadtverwaltung. Der 49-Jährige wird Bereichsleiter Haushalt und Steuerung. Das hat der Hauptausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung abgesegnet.

„Ich empfinde die vielen Zahlen nicht als dröge“, sagt Uhlig. „Man kann mit ihnen gestalten.“ Deshalb hat er sich auch um den Job beworben. Er musste dafür extra eine Prüfung absolvieren, um vom gehobenen Dienst in den höheren Dienst befördert zu werden. So sieht es die Verwaltungslaufbahn vor. Jetzt stellt Uhlig jedes Jahr den Finanzplan für die Hansestadt auf. Diesen Haushalt muss Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) als Finanzsenator verteidigen. Die Bürgerschaft entscheidet darüber jeweils in den November-Sitzungen. Die Kommunalaufsicht im Innenministerium prüft den Haushalt und muss ihn genehmigen. Das dauert meist bis zum Frühjahr des Folgejahres. Bis dahin gilt die vorläufige Haushaltsführung. Heißt: Es darf dann kein neues Projekt angefangen werden. Lediglich die laufenden Kosten und angefangenen Projekte können beglichen werden.

Stadtkämmerer in einer permanent klammen Stadt – klingt nicht nach einem Traumjob. Uhlig sieht das anders. „Da die Hansestadt wenig Geld hat, muss man damit gut wirtschaften und es vernünftig einsetzen“, sagt er. Doch was vernünftig ist und was nicht, entscheiden schlussendlich die Kommunalpolitiker – und der Grad der Vernunft orientiert sich immer auch am jeweiligen Parteibuch. Somit wird ein Haushalt selten so beschlossen, wie er in die Bürgerschaft eingebracht wird. Damit hat Uhlig schon Erfahrung, hat er doch den Finanzplan für dieses Jahr aufgestellt. Kommissarisch.

Denn der Finanzplan ist nicht nur ein Zahlen-Spiel, sondern vor allem auch ein politisches Spiel. Beispiel: Prognostiziert war das Defizit 2016 mit 61,3 Millionen Euro. Doch die Bürgerschaft hat im November 2015 noch 5,5 Millionen Euro extra beschlossen – damit das Gebäudemanagement die maroden Gebäude der Stadt wieder auf Vordermann bringt. Damit schnellt das Minus auf 66,8 Millionen Euro hoch. Allerdings hat die Bürgerschaft die Rechnung ohne das Land gemacht. Innenminister Stefan Studt (SPD) hat den Lübeckern daraufhin ein Stoppschild vor die Nase gesetzt – und die beschlossenen extra Millionen wieder einkassiert. Wenn auch an anderer Stelle. Studt hat den Lübeckern die Kredite um 4,8 Millionen Euro zusammengestrichen (siehe unten). Dadurch verringert sich zwar nicht das Defizit des laufenden Haushalts 2016, dafür aber die Höhe der Investitionen der Hansestadt. Denn nur an dieser Stellschraube darf der Innenminister drehen.

Damit ist Uhlig jetzt mittendrin im Gerangel zwischen Verwaltung, Kommunalpolitik und Land. Es ist eine komplizierte Ménage á trois in Sachen Finanzen. Immerhin: Die jüngste Steuerschätzung beschert Lübeck extra Geld vom Land. Drei Millionen Euro zusätzlich erhält die Hansestadt 2017. Eine recht überschaubare Summe – angesichts von jährlichen Einnahmen aus Steuern und Zuschüssen von rund 450 Millionen Euro. Aber es ist gleichwohl etwas mehr Geld.

Ein Lübecker kümmert sich ums Geld

65 Mitarbeiter sind im Bereich Haushalt und Steuerung beschäftigt. Manfred Uhlig (49) ist ihr neuer Chef. Geboren in Bad Schwartau, ist er in Lübeck aufgewachsen und hat die Oberschule zum Dom (OzD) besucht. Nach dem Abitur ging er direkt zur Stadtverwaltung und hat dort den Diplom-Verwaltungswirt absolviert – ein duales Fachhochschulstudium. Uhlig war zunächst im Rechtsamt tätig, wurde Abteilungsleiter der Straßenverkehrsbehörde, später arbeitete er als Controller im Baudezernat und wechselte ins zentrale Controlling des Bürgermeisters. Dort hat er mehrere Projekte geleitet – unter anderen war er eingestiegen in die Umstellung des Haushaltes von der kameralistischen auf die kaufmännische Buchführung.

Uhlig unterrichtet seit Jahren in der Berufsschule Kommunalverfassungsrecht. Er engagiert sich ehrenamtlich im Vorstand des Schulvereins der OzD und der Kirche. Uhlig ist verheiratet und hat einen Sohn.

Von Josephine von Zastrow

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