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22:02 15.04.2016
Gestern sind die letzten Flugzeuge von Wizz Air aus Blankensee gestartet. Damit gibt es keine Linienflüge vom Lübecker Flughafen aus. Ryanair hatte seinen Betrieb bereits nach Hamburg verlagert.

Es regnet, als Christina Rethmann ihren morgendlichen Spaziergang mit Hündin „Emmy“ durch das Grönauer Moor macht. Plötzlich ist ein Rumoren zu hören, es wird lauter. Dann bricht ein Flugzeug durch die Wolkendecke. Im Tiefflug steuert es die Landebahn des Flughafens Blankensee an. „Wohl wieder die Flugschule“, murmelt die 30-Jährige, denn es ist nur ein kleiner Jet.

Die Maschinen der Fluggesellschaft Wizz Air waren zuletzt die einzigen größeren Flieger, die in Lübeck starteten und landeten. Seit gestern ist damit Schluss. Nachdem Ryanair 2014 die Hansestadt verließ, kehrt nun auch Wizz Air Lübeck den Rücken. Die Meinungen darüber sind geteilt.

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Gestern sind die letzten Flugzeuge von Wizz Air aus Blankensee gestartet. Damit gibt es keine Linienflüge vom Lübecker Flughafen aus. Ryanair hatte seinen Betrieb bereits nach Hamburg verlagert.

Im letzten Haus vor dem Grönauer Moor — oder vor der Landebahn — wohnt das Ehepaar Relling. Dass nun keine Linienflüge mehr stattfinden, beruhigt sie wenig. „Wir wurden immer wieder enttäuscht“, sagt Margret Relling auf dem Weg ins Wohnzimmer. „Dann war doch nicht Schluss da.“ Ihre Stimme wird unterbrochen durch ein lautes Rumoren. Das Flugzeug donnert ein zweites Mal über das Haus. Die Flugschüler landen nur kurz zur Übung und starten dann gleich wieder durch — mehrfach.„Wir stoßen erst an, wenn die Betriebsgenehmigung entzogen ist“, sagt Hartmut Relling bestürzt. Und seine Frau sagt: „Wir haben Lärmschutz beantragt.“ Entschieden sei über den Antrag auch nach Jahren nicht — wegen der Betreiberwechsel. „Das Vernünftigste, was die Stadt tun könnte, nachdem Wizz Air weg ist, wäre den Laden dicht zu machen“, resümiert ihr Mann. „Das Areal könnte als Gewerbefläche genutzt werden oder für die Fachhochschule.“

Einige Straßen weiter sitzt Jörg Woelky in seinem Büro. Er ist Leiter der Waldschule Groß Grönau. Gerade läuft die vierte Stunde. Der 57-Jährige begrüßt die Entwicklung am Lübecker Flughafen, denn die Grundschule liegt ebenfalls in der Einflugschneise „Die Belastung ist gesunken, und nun fällt Wizz Air weg.“ Er erinnert sich genau an den Beginn seiner Amtszeit, 2000 war das. „Da war das ein großes Thema.“ Die Eltern hätten Angst gehabt, der Unterricht werde gestört. „Die größte Sorge war, dass der Flughafen zu einem Drehkreuz und alles noch schlimmer wird.“ Ständige Lärmbelästigung könne zu Konzentrationsstörungen führen und krank machen. Das war auch entscheidend für den Neubau der Schule — mit Lärmschutz. „Man darf auch die Gefahr nicht vergessen bei Start und Landung — da kann immer etwas passieren.“

Auch Groß Grönaus Bürgermeister lässt die Geschichte des Flughafens Revue passieren, als er im Gemeindehaus am Schreibtisch sitzt. „Das Planfeststellungsverfahren ist nicht abgeschlossen“, sagt Eckhard Graf. Die Klagen der Anwohner seien noch immer beim Oberverwaltungsgericht Schleswig anhängig. „Die Entscheidung wurde wegen der Insolvenz wieder verschoben“, sagt er. „Bei dem Vorhaben hätten die Interessen der Anwohner gewahrt werden müssen.“

12.50 Uhr: Der Airbus A320 von Wizz Air aus Kiew düst im Landeanflug wenige Meter über das Dach des Gemeindehauses hinweg. An Bord der Maschine, vier flogen am letzten Tag die Hansestadt an, ist Anna Maidanova. Sie war zu Besuch in ihrer Heimat. „Seit fünf Jahren fliege ich von Lübeck“, sagt Maidanova, während sie ihren Koffer durch die Ankunftshalle zieht. „Wenn jetzt aus Hamburg geflogen wird, ist das für mich besser zu erreichen.“ Auch Marek Barylewski ist nicht traurig über seinen letzten Flug ab Lübeck — um 13.20 Uhr nach Danzig. „Ich arbeite in Hamburg und wohne in Danzig“, sagt der 47-Jährige, während er in der Schlange am Sicherheitscheck steht. „Seit zwei Jahren pendle ich — mit Hamburg wird‘s einfacher.“

Für einige ist dies aber auch ein trauriger Tag. „Ich besuche mit meiner Tochter meine Mutter in Danzig — das haben wir oft gemacht“, sagt Justyna Huzarska. „Es ist sehr schade, das war immer so praktisch.“ Der letzte Flug sei ein historischer Moment. Auch die Mitarbeiter und Dienstleister im Flughafen sind betrübt. „Wir suchen jetzt einen Laden in der Innenstadt“, sagt Matthias Freitag bedrückt. Er ist Inhaber des Reisekontors Lübeck, das im Flughafen sitzt. „Hier ist es für uns nur interessant, wenn Flieger landen.“ Viele andere Geschäfte stehen schon leer. Die Autovermietung ist weg. Und auch der Sicherheitsdienst vor Ort stellt seine Arbeit ein. „Vor drei oder vier Wochen haben wir Bescheid bekommen“, sagt Mitarbeiterin Ute Loose. „Ab Montag sind wir arbeitslos.“

Kim Meyer

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