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Lübeck Türkei bekommt Alkohol-Mafia nicht unter Kontrolle
Lokales Lübeck Türkei bekommt Alkohol-Mafia nicht unter Kontrolle
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18:47 11.11.2011
Lübeck

Immer wieder wird billiger Fusel beschlagnahmt. Die türkischen Behörden bekommen die Alkohol-Mafia im Land kaum in den Griff, obwohl der wichtigen Tourismus-Branche schwerer Schaden drohen kann.

Der deutschen Schülergruppe war der tödliche Alkohol bei einer Klassenfahrt ans Mittelmeer im Hotel „Anatolia Beach“ in Kemer serviert worden. Die jungen Leute dachten, es wäre Wodka. Der Schnaps enthielt jedoch hochgiftigen Methylalkohol.

Zunächst begann das Hotel ein Verwirrspiel. Den Schülern wurde vorgeworfen, sich sinnlos betrunken und dabei womöglich auch giftiges Parfüm zu sich genommen zu haben. Auch Vermutungen über illegale Drogen wurde gestreut. Dann hieß es, der giftige Alkohol sei irgendwo in der Stadt beschafft worden. Teile der türkischen Presse vermuteten gar eine deutsche Kampagne.

Erst Rechtsmediziner des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) klärten die Lage und stellte bei einer Obduktion das Zehnfache der tödlichen Dosis an giftigem Methanol fest. Nun reagierten auch die türkischen Behörden mit Razzien. Sie kündigten harte Bestrafung an.

Doch der Schwarzmarkt ist nicht ausgetrocknet. In diesem Jahr erwischte es eine Gruppe russischer Reiseführer, die im Mai von Bodrum aus zu einer gemeinsamen Bootsfahrt aufgebrochen waren. Mindestens fünf der Mitarbeiter starben nach der Tour an Vergiftung. Nach bisherigen Ermittlungen wurden der Reisegruppe importierte Getränke serviert, die wieder hochgiftigen Methylalkohol enthielten.

„Das ist also der Punkt, an dem der Tourismus in der Türkei angekommen ist“, klagt Gürhan Hurda, Vorsitzender der Hotelvereinigung in der Urlauberregion Kusadasi, angesichts der Fälle. „Der Grund ist, dass es leicht verdientes Geld ist. Aber die Leute, die dahinter stecken, haben kein Gewissen.“ Bei den ehrlichen Hoteliers löse jeder Fall von gepanschtem oder aus unbekannten Quellen eingeschmuggelten Alkohols große Sorge aus, denn das Wohl von Millionen Urlaubern sei ihr Geschäftsmodell.

„Die Flasche Raki im Original kostet 53 Lira (etwa 21 Euro), gefälscht sollen es 40 bis 42 Lira sein. Dafür geht doch kein Menschen mit gesundem Verstand das Risiko ein“, sagt er. Oft wüssten die Hoteliers auch selber nicht, dass sie gepanschtem Schnaps geliefert bekommen haben und ausschenken. Die Behörden müssten die gesamte Lieferkette strenger überprüfen.

In Samsun am Schwarzen Meer stehen mehr als zwei Dutzend Verdächtige vor Gericht, die ihre gepanschte Ware bis in die Urlauberregionen am Mittelmeer verkauft haben sollen. Die Polizei stellte bei ihnen 42 900 Flaschen mit gefälschten oder geschmuggelten Alkoholgetränken sicher. Darunter waren auch 500 Flaschen der Sorte, deren Inhalt die Russen tödlich vergiftete. Mit Codewörter hatte sich die Bande ein eigenes Qualitätssystem ausgedacht: Volksschüler-Getränke waren die einfachste Sorte, Gymnasiasten-Schnaps die Mittelklasse und dann gab es noch die sogenannten Krawatten-Drinks.

Kritiker werfen der islamisch-konservativen Regierung in Ankara vor, mit erhöhten Abgaben auf legal produzierten Alkohol den Schwarzhandel indirekt noch zu fördern. Der türkische Tourismusminister Ertugrul Günay setzt auf weiter verschärfte Kontrollen. „Wir bedauern, dass so etwas schon mehrfach passiert ist“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa im Sommer. „Diese Leute werden die höchstmöglichen Strafen erhalten.“

LN

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