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Lübeck UKSH-Besucher ärgern sich über Lübecks teuersten Parkplatz
Lokales Lübeck UKSH-Besucher ärgern sich über Lübecks teuersten Parkplatz
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21:09 15.10.2016
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St. Jürgen

Als Hans Büttner seine Parkquittung bekommt, ist er entsetzt: Zwei Stunden und elf Minuten hat der 65-Jährige auf einem der Parkplätze vor dem Zentralklinikum des UKSH (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein) gestanden und muss dafür nun 15 Euro zahlen. „Vor zwei Wochen hat es an gleicher Stelle noch zwei Euro die Stunde gekostet“, sagt Büttner. „Das ist ja wohl ganz schön happig.“

Die Gebühren für Stellflächen auf dem Campus sind auf fünf Euro pro Stunde gestiegen, damit die Zone verkehrsberuhigt bleibt.

Die Schilder an den beschrankten Zufahrten vom Mönkhofer Weg und der Ratzeburger Allee zeigen die neuen Bestimmungen: Parken hinter der Schranke kostet fünf Euro pro Stunde, der Tag maximal 50 Euro, nur die ersten 20 Minuten sind frei. „Bitte nutzen Sie zum Parken unser Parkhaus in der Ratzeburger Allee“, steht darunter als Hinweis mit den Gebühren im Kleingedruckten: 1,50 Euro pro Stunde. Das hat Büttner beim Durchfahren schlichtweg übersehen – und nach eigenen Angaben hilft ihm der Hinweis auf das Parkhaus auch nicht weiter. „Ich muss meinen Schwiegervater regelmäßig zur Klinik fahren“, sagt der Lübecker. „Da er unter Parkinson leidet, muss ich ihm erst einmal vorn einen Rollstuhl organisieren und ihn begleiten.“ Währenddessen das Auto in das neue Parkhaus umzuparken, das zu Fuß rund 800 Meter entfernt ist, ist für Büttner kaum machbar.

„Ich verstehe ja, dass nur wenig Platz zur Verfügung steht“, sagt der Lübecker. „Aber wenn ich dann an dem Mitarbeiterparkplatz vorbeifahre, auf dem man früher normal parken konnte, und der nur halb voll ist, verstehe ich das nicht.“ Und dann ist da eben noch das Preisverhältnis: „Selbst als ich einmal zentral in München parkte, hat das für ein paar Stunden nur vier Euro gekostet.“ Der Parkplatz vor dem Zentralklinikum sei nun wohl der teuerste Lübecks.

„Die Gebühr soll keine Bestrafung sein“, sagt Oliver Grieve, Sprecher des UKSH. „Ziel ist es, alle Menschen, die zu Besuch kommen, gleich zu behandeln.“ Da vor dem Klinikum nicht genügend Plätze vorhanden seien, sei das zertifizierte Parkhaus mit 633 Stellplätzen an der Ratzeburger Allee gebaut worden. Dieses biete mit 1,50 Euro pro Stunde einen üblichen Tarif. „Damit soll der Campus verkehrsberuhigt bleiben, um eine gute Atmosphäre für die Patienten, die Studenten und die Mitarbeiter zu schaffen“, sagt Grieve. „So verfahren wir auch analog in Kiel und haben damit gute Erfahrungen gemacht.“ 2013 ist auch dort ein Parkhaus eröffnet worden, das den Verkehr auf dem Klinikcampus entlastet.

Dieter Behrendt jedoch hält die jetzige Lösung für verbesserungswürdig. Er ist dem Hinweis auf das Parkhaus gefolgt und hat in der Ratzeburger Allee sein Auto abgestellt. Nun ist er mit seiner Schwiegermutter, die auf einen Rollator angewiesen ist, fast 20 Minuten zum Zentralklinikum gelaufen. „Es ist ein ziemliches Unding“, sagt der Ratzeburger. „Der Weg ist schlecht ausgeschildert und ich musste erst einmal meine Tochter anrufen, ob wir hier überhaupt richtig sind.“

Gudrun Bartoszek hält die 20 Minuten Zeit, in der man auf den nahegelegenen Parkplätzen zur Anlieferung frei parken kann, zudem für „psychologisch schwierig“: „Man muss ja erst mal schauen, ob der Angehörige auch gut angekommen ist – deshalb darf das eigentlich nicht sein.“ Darüber hinaus ist sie überrascht, dass die Gebührenregelung auch abends gilt, wenn sie zu ihrer Selbsthilfegruppe auf dem Campus geht. „Da ist hier eigentlich alles frei“, sagt die 68-Jährige. „Daher finde ich das ziemlich überzogen.“

Angelika Remy hingegen kann die Regelung verstehen. „Hier steht nun mal nicht Parkfläche in dem Maße zur Verfügung“, sagt die 53-Jährige. „Man kommt aber ja immer noch problemlos durch die Schranke und kann direkt vor die Tür fahren, um jemanden herzubringen. Deshalb ist es nicht schlimm.“ Die Besucher müssten vielleicht nur besser über die Parkbestimmungen und -möglichkeiten informiert werden.

Lena Modrow

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