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Lübeck UKSH: Neue Park-Regeln ärgern Patienten und Besucher
Lokales Lübeck UKSH: Neue Park-Regeln ärgern Patienten und Besucher
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09:53 14.07.2016
Trotz Gehbehinderten-Ausweis: Albrecht Behrens muss wegen der neuen Regeln täglich einen längeren Fußweg auf sich nehmen. Quelle: Riedel

Schweren Schrittes schleppt sich Albrecht Behrens die knapp 1000 Meter vom Gebäude 12 des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck bis zum Parkplatz an der Ratzeburger Allee. Der Schmerz bei jedem einzelnen Schritt ist ihm deutlich anzusehen, ohne Pausen schafft er die Strecke nicht. Bedrückt verzieht er das Gesicht. „Es ist einfach unfair“, findet der 74-Jährige. „Trotz Schwerbehindertenausweis für Gehbehinderte darf ich nicht mehr vor der Tür parken.“

Jeden Tag fährt er von Ratzeburg nach Lübeck ans UKSH, um sich behandeln zu lassen. Bisher parkte er stets direkt von dem Gebäude 12 in der Heinrich-Meibom-Straße mitten auf dem Gelände. Das hat nun mit der neuen ParkRegelung, die seit Anfang des Monats gilt, ein Ende (die LN berichteten).

„Wozu habe ich denn so einen Ausweis, wenn ich am Ende doch immer laufen muss?“, ärgert sich Behrens. „Ob ich nun im neuen Parkhaus parke oder außerhalb – ein längerer Weg als 300 Meter ist für mich einfach zu weit.“ Er finde einer Sonderregelung für Gehbehinderte nur gerecht.

Mit dieser Forderung ist Behrens nicht allein. Auch Thomas W. (Name von der Redaktion geändert) ist sauer. Der Familienvater fuhr wochenlang täglich mehrmals ins UKSH, um seine krebskranke, achtjährige Tochter zu besuchen. Mit der neuen Regelung müsste er dann jedes Mal erneut Parkgebühren zahlen. Zudem bemängelt auch er die Entfernungen von den Parkflächen zu den Stationen. „Gerade, wenn es um Leben und Tod geht, möchte man sich nicht mit Parkproblemen herumschlagen. Das muss das Krankenhaus doch verstehen. Bisher gab es für Angehörige von der Kinder-Onkologie ja auch Sonderregelungen.“ Auch wenn seine Tochter inzwischen wieder zu Hause ist, denkt er an die anderen Angehörigen von schwer kranken Patienten. „Die neue Regelung geht zu Lasten der Menschen, die es ohnehin schon schwer im Leben haben.“

Genervt ist auch Martina Schröder. Seit sechs Jahren fährt die 49-Jährige zum Blutspenden ins UKSH. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass freiwillige Spender auch zahlen müssen.“Auch sie fordert eine Sondererlaubnis.

Oliver Grieve, Sprecher des UKSH, zeigt sich verständnisvoll. „Es tut uns natürlich leid für die Blutspender, weil sie uns sehr am Herzen liegen.“ Er hofft, dass die Spender nur für kurze Zeit von der Regelung betroffen sind. „Ab Januar öffnen wir eine neue Blutspenden-Zentrale beim Citti-Park. Dort kann man dann frei parken.“ Die Möglichkeit für eine Einrichtung von Sonderlösungen für Patienten und Angehörige sehe er nicht. „Wo wäre denn da eine gerechte Grenze?“, fragt Grieve. „Wenn es für eine Gruppe spezielle Lösungen gibt, dann wollen andere Gruppen das auch. Daher ist es nur fair, wenn alle zahlen müssen.“

Grieve sagt, er verstehe, dass die Situation für den einen oder anderen schwierig sei. Fakt sei aber: „Wir haben das Parkproblem auf dem Gelände doch überhaupt gerade erst gelöst.“ Schließlich sei es vorher gar nicht sicher gewesen, ob man überhaupt einen Parkplatz auf dem stark befahrenen Areal bekomme. „Daher ist dieses Parkhaus ein Segen für Lübeck“, glaubt der UKSH-Sprecher. Zudem müsse die elf Millionen teure Investition refinanziert werden. „Es ist ja nicht so, dass uns das Parkhaus einfach geschenkt wurde“, sagt Grieve. „Wir müssen die Kosten für das kreditfinanzierte Projekt auch irgendwann decken.“

Alles neu

Seit Eröffnung des neuen Parkhauses Anfang des Monats gilt diese Regelung: An den Schranken ziehen die Autofahrer Tickets. Bei Ausfahrt innerhalb von 20 Minuten ist der Aufenthalt gebührenfrei, die Mindestaufenthaltsdauer ist fünf Minuten.

Die Gebühren für das Parkhaus und den Besucher-Parkplatz am Mönkhofer Weg sind 1,50 Euro je angefangene Stunde, maximal 15 Euro in 24 Stunden.

Kassenautomaten befinden sich am Besucherparkplatz Mönkhofer Weg, beim Haupteingang Zentralklinikum, vor Haus 34 und 29 und beim Vordach des Parkhauses.

 Elisabeth Riedel

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