Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck UKSH: Wie viel Geld gibt es für die Mitarbeiter?
Lokales Lübeck UKSH: Wie viel Geld gibt es für die Mitarbeiter?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:30 15.10.2014
„Die  Beschäftigten sind die ersten Sparopfer des Uniklinikumbaus“, sagt Burkhard Heinrich, Personalrat UKSH. Quelle: Heiko Pump
Lübeck

Die Irritation am Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ist groß: Viele der 6000 Beschäftigten im nicht-wissenschaftlichen Bereich wie Krankenschwestern und Pfleger wissen nicht genau, was sie am Ende des Monats auf ihrem Konto haben werden. „Wir sind die ersten Sparopfer des Klinikumbaus“, sagt Personalrat Burkhard Heinrich. Einige Beschäftigte hätten auch Gehaltseinbußen. Manchmal seien es fünf Euro weniger im Monat, manchmal 80. Und: Die UKSH-Beschäftigten verdienen weniger Geld als ihre Kollegen an anderen Krankenhäusern. „Bei den Sana-Kliniken in Lübeck und dem städtischen Krankenhaus in Kiel gibt es mehr Geld“, kritisiert Heinrich. Dabei gehe es bei Pflegern um 50 Euro brutto im Monat.

Der Grund dafür: Seit dem 7. August gilt ein neuer Tarif am UKSH. Es ist der Tarifvertrag der Länder, der aber nicht so recht zum Klinikalltag passt. Deshalb gibt es ihn in Schleswig-Holstein nur noch in einem Krankenhaus in Malente in Ostholstein — nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di. „Da hat die Landesregierung ein Chaos angerichtet, das jetzt die Personalabteilung des UKSH ausbaden muss“, kritisiert Gewerkschaftssekretärin Magda Tattermusch. Ver.di wurde im Sommer von der SPD-geführten Landesregierung ausgebootet. Die Gewerkschaft wollte für die Verlängerung des Haustarifs am UKSH kämpfen, eine Urabstimmung hatte grünes Licht für einen unbefristeten Streik gegeben. Da gründete das Land flugs einen eigenen Arbeitgeberverband, steckte das UKSH hinein und verpasste ihm damit den Tarifvertrag der Länder. „Mitarbeiter-Motivation sieht anders aus“, sagt Tattermusch.

Die Gewerkschaft ist natürlich sauer, dass sie ausgetrickst wurde — gerade von der ihr nahestehenden SPD. Außerdem verhandelt Ver.di die Tarife der Beschäftigten jetzt nicht mehr vor Ort in Lübeck und Kiel, sondern das ist nun Aufgabe der Ver.di-Bundeskommission im fernen Berlin, die für alle Länder verhandelt. „Wir versuchen aber, dass wir in die Kommission kommen“, kündigt Tattermusch an.

Doch für die UKSH-Mitarbeiter gibt es jetzt ganz konkrete Probleme, da der neue Tarifvertrag nicht so einfach auf das Uniklinikum übertragen werden kann, so Heinrich. So sei nicht immer geregelt, wie die Bereitschaftsdienste entlohnt werden. Auch die Bezahlung bei einer langen Krankheit ist nicht geklärt. Für die langjährigen Mitarbeiter galten bisher 26 Wochen Lohnfortzahlung, nun seien es sechs Wochen. Auch die Höhe des Weihnachtsgeldes für die Alt-Beschäftigten sei unklar. „Wir hätten uns eine Überleitung gewünscht“, sagt Heinrich. Das sei üblich, wenn ein Unternehmen von einem Tarifvertrag in den anderen wechselt.

UKSH-Sprecher Oliver Grieve stellt die Sache ganz anders dar. „Der neue Tarifvertrag ist eine Verbesserung für die Beschäftigten.“ Rückwirkend zum 1. Juli gebe es im Durchschnitt 1,86 Prozent mehr Geld. Eine Krankenschwester, die die letzte Gehaltsstufe erreicht habe, verdiene statt 2980 Euro brutto nun 3037 Euro. An der Bezahlung der Bereitschaftsdienste und am Weihnachtsgeld würde festgehalten. „Es ändert sich nichts — für alle die vor dem 7. August ans UKSH gekommen sind.“ Es gebe sogar Beschäftigte, die in eine höhere Lohngruppe gekommen sind. „Diese werden informiert“, so Grieve.

Doch nicht nur die Bezahlung macht den Arbeitnehmervertretern große Sorgen, sondern auch der angekündigte Stellenabbau. Durch den Neubau des Klinikums fallen insgesamt 450 Stellen weg, davon fast 260 in der Pflege (die LN berichteten). „Dahinter verbergen sich aber mehr Mitarbeiter“, sagt Heinrich. Denn am USKH arbeiten viele Beschäftigten in Teilzeit. Somit sind zwar 12440 Mitarbeiter in Lübeck und Kiel beschäftigt, es gibt aber nur 7300 Vollzeitstellen. Daher könnten mehr als 600 Mitarbeiter wegrationalisiert werden. Der Stellenabbau soll aber ohne Kündigungen vonstatten gehen.

Dennoch befürchtet Heinrich, dass die Arbeit die gleiche bleibt. „Die Reduzierung des Personals lässt eine erhebliche Arbeitsverdichtung erwarten.“ Er kritisiert, dass auf einer 40-Betten-Station lediglich eine Nachtschwester eingeteilt werden soll. Sie habe nur Unterstützung von einer weiteren Schwester, die insgesamt für vier Stationen zuständig ist. Heinrich: „Wir sind skeptisch, dass das funktioniert.“

Jobs werden abgebaut
450 Arbeitsplätze werden am UKSH bis 2019 wegfallen — im Zuge der Neubauten in Lübeck und Kiel. Am Standort Lübeck sind es 187 Stellen, in Kiel 263.
13 Ärzte sind in Lübeck betroffen von dem Abbau, in Kiel sind es zwölf. 94 Stellen werden im Lübecker Pflegedienst reduziert, 163 im Kieler. Im Medizinisch-Technischen Dienst sind es 18 in der Hansestadt und 19 in Kiel. Auch in der Tochtergesellschaft UKSH Service Stern Nord werden 62 Mitarbeiter im Transportbereich abgebaut, 69 werden es in Kiel sein.
Uniklinikum kocht bald nicht mehr selbst
Das Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) schafft seine Küche in der bisherigen Form ab. Stattdessen wird es Convenience Food geben, also Fertiggerichte. Das bestätigt UKSH-Sprecher Oliver Grieve. „Das Essen soll heiß beim Patienten ankommen“, nennt er als Grund für die Umstellung. Ab wann die Essenszubereitung umgestellt wird, stehe aber noch nicht fest.
Klar ist indes, dass die Speisen für die Patienten künftig auf den einzelnen Stationen hergerichtet werden sollen und nicht in der Küche in dem Extra-Gebäude auf dem Campus wie bisher. Dadurch werde der lange Transportweg über den Campus eingespart, das Essen werde nicht kalt, so Grieve.
Es wird Mikrowellen auf den Stationen geben, in denen das Essen aufgewärmt wird. Die rund 70 Mitarbeiter der Küche sind in der Service Stern Nord GmbH angestellt. Sie werden weiterhin dort beschäftigt sein, aber dann nicht mehr in der großen Küche des Uniklinikums arbeiten — sondern auf den Stationen. „Die Beschäftigten werden weiterqualifiziert“, so Grieve. Personalrat Burkhard Heinrich: „Das ist für uns in Ordnung.“ Welche Art der Speisenzubereitung die richtige sei, „ist letztlich eine Glaubensfrage“. jvz

Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!