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Lübeck Über den Dächern der Hansekönigin
Lokales Lübeck Über den Dächern der Hansekönigin
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20:13 23.06.2017
Innenstadt

Die ganze Nacht hatten sie durchgearbeitet, Vitrinen bestückt, Texttafeln ausgerichtet. Und dann, wenige Stunden vor der offiziellen Eröffnung des Europäischen Hansemuseums, kamen die letzten Mitarbeiter um Franziska Evers auf der Dachterrasse des Museums zusammen. „Wir waren zu fünft“, erzählt Evers, die im Juni Lübecks sechste Welterbe-Botschafterin ist. Im Mai 2015, um 5.30 Uhr, wartete die kleine, übermüdete Gruppe in der einsetzenden Dämmerung – und zwar auf den Bus. „Den ersten Bus, der an der neuen Haltestelle ,Hansemuseum‘ anhielt“, erzählt Evers. „Das war mein schönstes Erlebnis auf dieser Dachterrasse.“

Die Dachterrasse des Hansemuseums ist Franziska Evers’ liebster Ort im Welterbe.

Die Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Europäischen Hansemuseums ist mit ihrem Arbeitsplatz eng verbunden. Sie war dort schon angestellt, als vom weltweit größten Hansemuseum gerade mal der Rohbau stand. „2013 fing ich als Volontärin an“, erzählt Evers. Das macht die 30-Jährige zur sogar dienstältesten Mitarbeiterin. Sie half bei der inhaltlichen Konzeption der Ausstellung, war später auch für die Museumspädagogik verantwortlich und Projektleiterin der Sonderausstellung „Silberglanz und Silbergier“. „Jetzt habe ich meine Stunden reduziert, um an meiner Dissertation zu arbeiten“, erzählt sie. Evers schreibt über den hansischen Wachshandel nach der Reformation. „Nachdem die Kirchen protestantisch geworden waren, verwendete man immer weniger Bienenwachskerzen, die vorher zu den Messen entzündet wurden“, erklärt sie. Bisher habe es in der hansischen Forschung immer geheißen, der Wachshandel sei einfach eingebrochen. „Tatsächlich hat das aber noch niemand richtig erforscht.“

Die Faszination für die Vergangenheit und vor allem für das Mittelalter begründet Franziska Evers so: „Die Menschen des Mittelalters sind uns gar nicht so unähnlich, lebten aber unter ganz anderen Bedingungen. Mich treibt der Versuch an, diese Gesellschaft zu verstehen. Manchmal hätte ich gern eine Zeitmaschine, andererseits wäre dann aber die Suche vorbei.“

Eine Suche, die in Lübeck als ehemaliger Handelsmittelpunkt zwischen Ost und West besondere Anregung findet. Denn wer einmal auf der Dachterrasse des Hansemuseums steht, der kann nicht nur weit in die Ferne, sondern auch weit in die Vergangenheit sehen. „Hier fuhren die Schiffe der Hanse ein“, erzählt Evers. Straßen wie die Engelsgrube erinnern noch heute daran: „Dort legten nämlich die Engländer an.“

Dass sich Franziska Evers so für die Vergangenheit begeistern kann, bedeutet auch, dass sie den Welterbe-Titel Lübecks zu schätzen weiß. „Er ist für den Tourismus wichtig, weil er die Stadt interessant macht, vor allem aber animiert er dazu, sich mit der Geschichte der Stadt auseinanderzusetzen.“

Steckbrief

Über mich:

Geboren bin ich in Lübeck.

Ich wohne in der Innenstadt (ein Muss!).

Ich bin weltoffen, neugierig und kreativ.

Über meine Stadt:

Einzigartig machen Lübeck natürlich die vielen historischen Gebäude, vor allem aber das Flair der Altstadt.

Wäre Lübeck eine Person, wäre sie eine charmante ältere Dame mit einer vielseitigen Persönlichkeit.

In 30 Jahren soll mein Lieblingsort der Lieblingsort aller Lübecker sein.

Eine Serie, zwölf Botschafter

Einmal im Monat zeigt ein Welterbe-Botschafter in den LN seinen Lieblingsort in der Altstadt. Hintergrund kann eine persönliche Geschichte sein oder einfach ein ausgeprägtes Interesse.

Jeder Welterbe-Botschafter wird in diesem Jahr 30 Jahre alt, genauso wie der Titel Unesco Welterbe. 1987 wurde mit der Altstadt erstmals in Nordeuropa fast eine ganze Altstadt unter den Schutz der Unesco gestellt.

Unter www.plötzlich30.de gibt es ausführliche Infos zu aktuellen oder künftigen Veranstaltungen und Aktionen anlässlich des Welterbe-Jubiläums.

Luisa Jacobsen

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