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Lübeck Über einen Monat kein Telefon in der Hasselbreite
Lokales Lübeck Über einen Monat kein Telefon in der Hasselbreite
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12:11 16.01.2017
Keine Anzeige auf dem Display seit vier Wochen: Helga Barg (79) hat seit dem Kellerbrand keine Möglichkeit zu telefonieren. Ihre Nichte habe ihr mal ein Handy besorgt, aber den Umgang damit habe sie leider nicht gelernt. Quelle: Foto: Luisa Jacobsen

„Seit Wochen kann ich meine Tante dort nicht mehr anrufen“, erzählt Elke Borchardt, die in Niedersachsen lebt, aber stets wissen möchte, wie es ihrer Verwandten geht. „Ja, wir telefonieren eigentlich jeden Tag miteinander“, bekräftigt Helga Barg, die seit 50 Jahren in besagtem Hochhaus wohnt. „Wir kümmern uns umeinander, versichern uns täglich, dass alles in Ordnung ist“, erklärt die 79-Jährige.

Um ihrer besorgten Nichte zu sagen, dass es ihr gut geht, muss Barg seit dem Kellerbrand allerdings ihren Nachbarn ein Stockwerk höher aufsuchen.

„Der Nachbar ist nämlich nicht wie wir bei der Telekom, sondern Kunde bei Kabel Deutschland und sein Telefon funktioniert“, berichtet Margret Steenbeck (63), die auf der dritten Etage wohnt und ebenfalls in den zweifelhaften Genuss einer seit Wochen toten Leitung kommt. Die beidem Damen sind damit nicht allein: Auch auf der zweiten Etage öffnet Anita Kalkoni die Haustür: „Nein, ich habe kein Telefon, seit Wochen nicht“, sagt die 85-Jährige entrüstet. Bloß kümmern würde das offenbar keinen. „Ich habe es mit dem Herzen“, erzählt Kalkoni. „Ich muss doch telefonieren können.“ Ein paar Türen weiter, bei Gerda Brandt, ist das hingegen kein Problem: „Ich bin bei Kabel Deutschland, bei mir geht es schon lange wieder“, sagt Brandt. Genau wie Steenbeck, Kalkoni und Barg kenne sie aber noch weitere Nachbarn, die ebenfalls seit dem 14. Dezember ohne Telefonanschluss ausharren.

„Ich habe mir die Finger wund telefoniert, um Hilfe zu bekommen“, berichtet Margret Steenbeck – natürlich mit dem Handy. „Die Rechnung ist kein Spaß“, setzt sie hinzu. „Wir werfen niemandem vor, dass es gebrannt hat, aber danach muss man sich doch kümmern“, meint die 63-Jährige.

Die Lage scheint kompliziert: Die Kellerwände in der Hasselbreite 5 sind noch immer verrußt, doch einige Arbeiten haben offensichtlich stattgefunden. Zum Beispiel am Verteilerkasten von Vodafone (ehemals Kabel Deutschland). „Unsere Zuständigkeit reicht bis zum einzelnen Haushalt, deswegen haben wir die Anschlüsse am 21. Dezember provisorisch wiederhergestellt“, erklärt Heike Koring, Pressereferentin von Vodafone.

Die Telekom hingegen antwortet am 12. Januar auf Nachfrage der LN, dass durch den Brand Hausanschlusskasten und Innenleitungen zerstört wurden. Das ankommende Erdkabel sei am 11. Januar instandgesetzt worden und über die nötige Neuinstallation der Innenverkabelung sei der Vermieter informiert worden. Die Vergabe dieser Arbeiten aber liege im Verantwortungsbereich des Vermieters. Bei der Telekom sei dazu noch kein Auftrag eingegangen. Zuständig wäre für diesen Hausanschlusskasten also die Hausverwaltung des Gebäudes. „Die hat am 1. Januar gewechselt“, kommentiert Steenbeck. Sie habe dort mehrfach angerufen und das Problem geschildert. Doch geschehen sei nichts. „Wir wissen auch nicht, wen wir vor Ort ansprechen können“, so die Mieterinnen am Donnerstag. Kontakt zu einem Hausmeister hätten sie nicht bekommen.

Das soll sich jetzt ändern: Auf Anfrage der LN kündigt die Hausverwaltung am Freitag an: „Die Mieter, die uns Probleme gemeldet haben, wurden oder werden noch heute im Objekt persönlich angesprochen, um ihnen mitzuteilen, wie weit die Sanierung der Telefonanlage ist.“ Weiterhin habe die Telekom den Schaden aufgenommen und auch ein Aushang mit Kontaktdaten des Hauswartes und Notrufnummern sei nun ausgehängt.

Also Ende gut, alles gut? „Naja“, meint Steenbeck. „Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, dass es erst soweit kommen musste.“

 Luisa Jacobsen

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