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Lübeck Übergriff gegen Vollzugsbeamtin: 48-Jähriger zu anderthalb Jahren Haft verurteilt
Lokales Lübeck Übergriff gegen Vollzugsbeamtin: 48-Jähriger zu anderthalb Jahren Haft verurteilt
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23:11 07.11.2013
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Lübeck

Damit wird dem Antrag der Verteidigung entsprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und eine erneute Sicherheitsverwahrung gefordert.

Mit unbewegtem Gesicht nahm Klaus-Dieter B. gestern vor der VII. Großen Strafkammer des Landgericht Lübeck sein Urteil entgegen. Ein Jahr und sechs Monate Haft - so lautet das Strafmaß, das die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz vergab. Sie erklärte den Strafgefangenen, der im Dezember vergangenen Jahres eine Justizvollzugsbeamte packte und festhielt, der Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung für schuldig und folgte damit dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und eine erneute Sicherheitsverwahrung gefordert.

Der Vorwurf der versuchten Geiselnahme an der Beamtin konnte ihm allerdings vor Gericht nicht nachgewiesen werden. Zusätzlich verpflichtete von Lukowicz den Angeklagten zur Zahlung eines Schmerzensgeld in Höhe von 2 000 Euro sowie der Übernahme aller Kosten, die dem Opfer entstanden sind.

Für die 34-jährige Vollzugsbeamtin ist die Welt seitdem „nicht mehr wie vorher“. Vier Monate Therapie liegen hinter ihr, den Dienst hat sie zwar wieder aufgenommen, kämpft aber immer noch mit psychischen Problemen. Auch am letzten Prozesstag konnte S. die Tränen nicht zurückhalten.

Es war der 1. Dezember 2012 als der Häftling Klaus-Dieter B. in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck gemeinsam mit einigen Mithäftlingen an einem Gottesdienst teilnahm. Dies gehörte zu dem regelmäßigen Gewohnheiten des 48-jährigen Strafgefangenen, der wegen Körperverletzung und Sexualdelikten einschlägig vorbestraft ist und sich seit fast fünf Jahren in Sicherheitsverwahrung befand.

Begleitet wurde die Gruppe durch die junge Justizvollzugsbeamtin Sonja S. . Der Häftling B. gab angeblich schon vor der Andacht vor, Magenprobleme zu haben. Als er den Raum verließ, folgte ihm die Beamtin. Als er andeutete, die Toilette benutzen zu wollen, drehte sie ihm den Rücken zu, um die Tür für ihn aufzuschließen. Den Moment nutzte der Angeklagte, packte sie von hinten und hielt ihr den Mund zu. Da der mit einer Kette an ihrem Hosenbund befestigte Schüssel in der Toilettentür steckte, konnte sie nicht weglaufen. Erst ein Biss in die Hand des Sträflings verschaffte der Beamtin Raum, so dass sie laut um Hilfe rufen konnte. Drei Mithäftlinge, die sich im Andachtsraum befanden, kamen der Beamtin zur Hilfe.

Bei einer anschließenden Durchsuchung des Angeklagten fanden sich zwei Zahnbürstenstiele mit angeklebten Plastikspitzen und mehrere Schnüre (die LN berichteten). Der Angeklagte galt als unbequem, aufbrausend und aggressiv. Neben der Angewohnheit, ständig mehere Schichten Kleidung zu tragen, wurden in seiner Zelle bei mehreren Durchsuchungen selbst gebastelte Stichwerkzeuge gefunden. Auch seine Vorliebe für Frauen in Uniform war bekannt.

Was den 48-jährigen tatsächlich zu der Tat trieb, konnte vor Gericht nicht genau festgestellt werden, schwieg er doch über seine Motive. Ob er seine Flucht aus dem verhassten Vollzug erzwingen, die Beamtin zu sexuellen Handlungen missbrauchen oder nur mit ihr reden wollte, konnte nicht schlüssig geklärt werden. Auch, ob er in seinem Schuh gefundenen Werkzeuge tatsächlich nutzen wollte, wurde nicht geklärt.

Von Majka Gerke

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