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Lübeck Umbau der Untertrave: Anwohner fürchten Stopp
Lokales Lübeck Umbau der Untertrave: Anwohner fürchten Stopp
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12:31 07.12.2016
Mit großem Interesse informierten sich Lübecker Bürger vor dem Beginn der Gesprächsrunde im Foyer der Musik- und Kongresshalle vor Schautafeln über die geplante Umgestaltung der Untertrave. FOTOS: WOLFGANG MAXWITAT
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Innenstadt

Mehrere hundert Menschen kamen in die Rotunde der MuK. Sie wollten wissen, was nun geschieht an der Untertrave. Im Gespräch mit den LN vor der von Dr.

Informationsveranstaltung der Stadt fand gestern Abend in der MuK ohne das Aktionsbündnis für den Erhalt der Winterlinden statt.

Frank Claus geleiteten Diskussionsrunde äußerten sich Lübecker Bürger besorgt, dass sich die Umgestaltung der Untertrave verzögert – oder gar scheitert. Diese Sorge wurde auch in der Diskussion spürbar. Das Aktionsbündnis für den Erhalt der Winterlinden nahm an der Diskussionsrunde nicht teil. Der Vorwurf: Man habe bei der Vorbereitung der Veranstaltung „kein Mitspracherecht erhalten“.

Landschaftsarchitekt Tonio Trüper sagte gegenüber den LN, es stimme nicht, dass im prämierten Wettbewerbplan von 2003 der Erhalt der Winterlinden vorgesehen gewesen sei: „Wir haben an der Obertrave wie auch an der Untertrave neue Baumpflanzungen vorgeschlagen.“

„Die Winterlinden befinden sich in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand“, sagte Michaela Maurer vom Bereich Stadtgrün. Altersgerecht müssten die Bäume bis zu 18 Meter hoch sein, sie seien aber überwiegend nur acht bis elf Meter groß. Sechs Linden seien geschwächt, 27 stark geschädigt und „15 werden in fünf bis zehn Jahren absterben“. Eine Umgestaltung der Untertrave mit Erhalt der Winterlinden hält Maurer für problematisch: „Jegliche Baumaßnahme führt zu Wurzelschäden.“ Der Erhalt der Winterlinden (Pflege- und Baumaßnahmen) würde 370000 Euro kosten, die Neuanpflanzungen 200 000 Euro. Ingo Siegmund vom Lübecker Architekturforum geht davon aus, dass beim Erhalt der 48 Linden im Jahr 2025 noch 20 übrig sind.

Anwohnerin Dr. Jutta Hastenrath machte deutlich, wie sehnlich sich die an der Untertrave lebenden Menschen die Umgestaltung wünschen: „Wir leiden unter dem Verkehr. Die Straße führt viel zu nah an den Häusern vorbei.“ Nach der Umgestaltung würde der Verkehr vier Meter weiter weg von den Häusern fließen. Hastenrath nannte die Umgestaltung der Untertrave eine „lebenserhaltende Maßnahme für Menschen“. Sie zitierte Gäste, die den aktuellen Zustand der Straße „ein bisschen räudig“ nannten.

Pito Bernet vom Jugendring verwies auf eine Umfrage unter Kindern und Jugendlichen: Sie wollen „attraktive Flächen an der Untertrave“, Sitzgelegenheiten, Spielgeräte, Treffpunkte. Welche Bäume dort stünden, sei ihnen relativ egal.

Nadia Weller, Chefin der Piazza Pipistrello an der unteren Beckergrube, nannte die Umgestaltung der Untertrave eine „Riesenchance für Lübeck“. Wenn die Stadt für Touristen noch attraktiver werden wolle, dann „müssen wir etwas tun“. Antje Birnbaum, die „süße Sachen“ im Pipistrello fabriziert: „Wir sind sehr für die Umgestaltung“. Goldschmiedin Yvonne Sterly, die einen Laden an der Obertrave betreibt, sagt: „Der Umbau der Obertrave war ein Riesengewinn.“ Diesen wünscht sie auch der Untertrave.

Lichteraktion

Das Aktionsbündnis für den Erhalt der Winterlinden will am kommenden Sonntag, 4. Dezember, symbolisch ein Zeichen setzen. Einige der Winterlinden an der Untertrave sollen beleuchtet werden. Damit wird gegen die Entscheidung des Lübeck Travemünde Marketings (LTM) protestiert, die Weihnachtsbeleuchtung an den Linden in diesem Jahr zu entfernen. Um 17 Uhr lädt das Aktionsbündnis in die Diele, Mengstraße 41, zu einer Gesprächsrunde mit Wolfgang Neskovic, Bundesrichter a. D., Architektin Alexandra Stauvermann und Dr. Lutz Fähser, früherer Chef des Lübecker Stadtwaldes. Angesprochen werden Möglichkeiten, die Umgestaltung der Untertrave zu verwirklichen, ohne die Winterlinden zu fällen.

 Torsten Teichmann

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