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Lübeck Umfrage: Welche Bäume wollen die Lübecker an der Untertrave?
Lokales Lübeck Umfrage: Welche Bäume wollen die Lübecker an der Untertrave?
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09:04 08.08.2016
Von links oben im Uhrzeigersinn: Purpur-Erle, Hopfenbuche, Schwedische Mehlbeere, Japanischer Schnurbaum.
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Innenstadt

In dem seit Wochen schwelenden Streit um das Schicksal der 48 Winterlinden an der Untertrave will die Stadt jetzt Volkes Stimme hören. „Ich will den Unterstützern der Umgestaltung die Möglichkeit geben, sich zu artikulieren“, erklärt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), „ich glaube, dass eine Mehrheit der Lübecker den Umbau des westlichen Altstadtrandes befürwortet.“ In einer Online-Umfrage über das Portal der Lübecker Nachrichten können Bürger über vier von der Fachverwaltung ausgesuchte Bäume abstimmen und weitere Baum-Arten vorschlagen, die an der Untertrave statt der Linden gepflanzt werden sollen.

In der Bildergalerie erfahren Sie mehr über die einzelnen Bäume:

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Welche Bäume sollen an der Untertrave gepflanzt werden? Diese Sorten stehen zur Auswahl.

Saxe: „Wir würden uns dann nach dem Meinungsbild richten.“ Er wolle das Thema aus der negativen Diskussion herausholen, begründet der Rathaus-Chef den Vorstoß. „Die Linden haben nach Angaben der Fachleute keine lange Lebenserwartung mehr. Dafür werden dort 60 junge, frische Bäume gepflanzt, die auch in 50 Jahren noch stehen.“ Diese Umfrage werde weder den Zeitplan noch die Fördergelder gefährden, versichert Saxe. Aus Mitteln der EU, des Bundes und des Landes werden gut zwölf Millionen Euro finanziert. Die Gesamtmaßnahme, die Anfang Oktober starten und bis Ende 2018 beendet sein soll, kostet 15,6 Millionen Euro.

So stimmen Sie ab

Die Lübecker können unter www.ln-medienhaus.de/untertrave ihren Baum auswählen. Es besteht auch die Möglichkeit, über die E-Mail-Adresse baumumfrage@ln-luebeck.de einen eigenen Vorschlag zu machen.

Zu gewinnen gibt es Restaurantgutscheine der Schiffergesellschaft und der Piazza Pipistrello oder sechs Flaschen Grauburgunder von H.F. von Melle.

Bisher wird die Debatte von der Frage bestimmt, ob die Linden weichen oder bleiben sollen. Das Aktionsbündnis „Lübecks Linden leben lassen“ strebt ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Linden an (LN berichteten). Am 21. Juli hatte Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) den Baumfreunden angeboten, statt der 60 geplanten japanischen Schnurbäume andere Arten an der Untertrave zu pflanzen. Das hat das Bündnis abgelehnt. Die Sprecher Arnim Gabriel und Ingrid Boitin haben auf einer Pressekonferenz am Donnerstag noch einmal klargestellt: „Wir wollen die Linden erhalten.“ Die Bäume seien gesund und würden wesentlich mehr Kohlendioxid speichern als neue, junge Bäume das könnten.

Für den Erhalt der Linden haben sich auch die Bürgerinitiative Rettet Lübeck (BIRL) und der Verband der norddeutschen Imker ausgesprochen. Mit „großer Sorge“ verfolgt hingegen das Lübeck Management die Linden-Debatte. „Hier werden gutachterliche Betrachtungen aus zurückliegenden Jahren in einen Topf geschmissen, umgerührt, populistisch zu einem Kuchen aufbereitet und der Öffentlichkeit zum Verzehr angeboten“, erklärt Geschäftsführerin Olivia Kempke. Die Umgestaltung der Untertrave sei wichtig für die Wirtschaft und dürfe nicht an den Linden scheitern. Kempke:

„Stillstand ist Rückschritt und den können wir uns nicht erlauben.“ Das Lübeck Management wirft dem Aktionsbündnis eine rückwärts gerichtete Diskussion vor. Die Verwaltung hingegen „zeige sich offen und diskussionsbereit bei der Frage, ob dieses Grün nun zwingend der viel diskutierte Schnurbaum sein muss oder es auch ein andere Baum sein darf.“ Kempke: „Ein Bürgerentscheid über den Erhalt der Winterlinden ist definitiv nicht im Sinne einer positiven Stadtentwicklung und überhaupt nicht im Sinne der Lübecker Wirtschaft.“

Die Stadt weist unterdessen den Vorwurf des Aktionsbündnisses zurück, sie würde das Bürgerbegehren verzögern. Tatsächlich laufe beim Land eine Prüfung, ob eine Umplanung zum Erhalt der Linden die Förderung gefährde. Das Kieler Innenministerium bestätigt diese Prüfung, in die außerdem das Landeswirtschaftsministerium und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung einbezogen seien.

Ein Ministeriumssprecher rechnet mit einem Prüfergebnis „im Laufe der kommenden Woche“.

 Kai Dordowsky

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