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Lübeck Einzelhandel trotzt Online-Handel
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07:08 25.10.2018
40 Prozent aller Einzelhandelsgeschäfte befinden sich in der Innenstadt. Die spüren die Konkurrenz der Grünen Wiese. Quelle: 54°/Felix König
Lübeck

Der stationäre Einzelhandel hat im vergangenen Jahr 1,57 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,56 Milliarden) umgesetzt. Die Zahl der Beschäftigten ist von 8004 auf 8333 gestiegen. Die Zahl der leerstehenden Geschäftsräume ist von sechs auf fünf Prozent gesunken. „Der Einzelhandel im gesamten Stadtgebiet hat sich trotz wachsenden Online-Handels stabil entwickelt“, erklärt Dario Arndt, Prokurist der Wirtschaftsförderung. Die städtische Gesellschaft erfasst jedes Jahr per Begehung die Einzelhandelsflächen und ermittelt die Flächenumsätze. Außerdem kauft die Wirtschaftsförderung für ihren jährlichen Einzelhandelsmonitor Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Aber es gibt Entwicklungen, die der Wirtschaftsförderung Sorgen bereiten. So sinkt der Anteil der Innenstadt-Geschäfte am gesamten Einzelhandelsumsatz kontinuierlich. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Umsatzanteil der Innenstadt von 25,4 auf 20,9 Prozent verringert“, rechnet Arndt vor. Von den 1,57 Milliarden Euro Umsatz werden in der Innenstadt 340 Millionen Euro verdient. Arndt: „Wir müssen gezielt Konzepte entwickeln, um diesem Trend entgegenzuwirken.“

Während auf der Grünen Wiese die Einzelhandelsfläche um 100 000 Quadratmeter zugenommen habe, ist sie in der Innenstadt gleichgeblieben. Und die Zahl der Geschäfte werde weiter sinken. Die Königpassage hat einen neuen Eigentümer, der andere Nutzungen als Einzelhandel vorsieht. Der Umbau des C&A-Gebäudes ist in vollem Gange, Einzelhandel soll es nur noch im Erdgeschoss geben. Auch das Pressezentrum schließt nächstes Jahr. Die Wirtschaftsförderung vergleicht Lübeck mit ähnlich großen Städten wie Freiburg, Kiel, Rostock oder Mainz. „In keiner dieser Städte ist die Einzelhandelsfläche der Innenstadt so gering wie in Lübeck“, erklärt Dirk Gerdes, Chef der Wirtschaftsförderung.

Dario Arndt von der Wirtschaftsförderung sorgt sich um die Innenstadt. Quelle: Olaf Malzahn

Damit die Innenstadt den Anschluss nicht verliert, müsste die Aufenthaltsqualität weiter erhöht werden, fordern die Wirtschaftsförderer. Gerdes: „Wir haben so viele schöne Plätze, die danach schreien, belebt zu werden.“ Nach Geschäftsschluss sei die Innenstadt „schlagartig menschenleer“. Sorgen bereitet den Wirtschaftsförderern, dass die Zahl der Ein-Euro-Shops zunimmt. Diese „Nippesläden“ würden die Qualität senken und die Entwicklung lähmen, sagt Gerdes.

Im Senat gebe es deshalb immer wieder Überlegungen, dass die städtische KWL Immobilien aufkaufen und damit Einfluss auf die Mieterstruktur nehmen solle. Bei Königpassage und C&A-Gebäude sei das diskutiert worden. Bei C&A haben private Immobilienentwickler das Rennen gemacht, die Königpassage wollte Gerdes nicht: „Das ist ein totgerittenes Pferd.“ Die besten Lagen in der Innenstadt seien oft in Familienbesitz, da kommt die KWL nicht heran.

Als größte Konkurrenz für den stationären Einzelhandel gilt bundesweit der Online-Handel. Im März legte eine junge Akademikerin im Auftrag der Wirtschaftsförderung eine Studie vor, die nachwies, dass der Lübecker Einzelhandel auf diese Konkurrenz nur unzureichend vorbereitet ist. Das Papier liegt in der Schublade. Der Wirtschaftsförderung fehlen die Mittel, Handlungsempfehlungen umzusetzen.

Zahlen zum Einzelhandel

575 000 Quadratmeter beträgt die gesamtstädtische Einzelhandelsfläche, davon liegen 121 000 in der Innenstadt. 29 000 Quadratmeter stehen leer, 13 000 davon in der Innenstadt. 1329 Geschäfte hat die Wirtschaftsförderung gezählt, 569 liegen in der Innenstadt.

Der schlechteste Einzelhandelsumsatz der vergangenen zehn Jahre wurde 2009 mit 1,39 Milliarden Euro erzielt, der beste 2015 mit 1,58 Milliarden.

Der Umsatz pro Quadratmeter ist nach Angaben der Wirtschaftsförderung von rund 3300 Euro im Jahr 2008 auf gut 2700 Euro im Jahr 2017 gesunken.

Die Folgen des Online-Handels seien derzeit noch nicht so stark zu spüren, weil der stationäre Einzelhandel sehr stark von den Touristen profitiert. 17 Millionen Tagesgäste würden jedes Jahr nach Lübeck kommen. Zusammen mit den Bewohnern aus dem Umland, die in der Hansestadt einkaufen, sorgen sie für einen überdurchschnittlichen Kaufkraftzufluss. Denn die Kaufkraft der Lübecker liegt bei gut einer Milliarde Euro, der tatsächliche Umsatz bei 1,57 Milliarden. Dario Arndt von der Wirtschaftsförderung mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn irgendwann einmal weniger Touristen kommen würden.

Kai Dordowsky

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