Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Umweltamt sicher: „Schmutzregen“ ist Bienenkot
Lokales Lübeck Umweltamt sicher: „Schmutzregen“ ist Bienenkot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:51 23.07.2016
Anzeige
Lübeck

Angesichts des hohen Verschmutzungsgrades äußerte sich der Imkerverein Lübeck von 1884 skeptisch.

Birgit Hartmann ist davon überzeugt, dass mit dem Ende der Lindenblüte auch der schmutzige Niederschlag deutlich zurückgeht. Die gelb-braunen Schmutzpartikel seien nicht giftig. Auch die Abteilung „Lufthygienische Überwachung“ des schleswig-holsteinischen Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume gab Entwarnung: Die Verunreinigungen seien ein „typisches Bild von Bienenausscheidungen“.

Ein derartiger „Schmutzregen“ tritt bereits seit Jahren auf. 2011 schickte das Landesamt Proben von in Kiel verschmutzten Autos an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen. Auch die Lübecker Umweltbehörde ließ dort im selben Jahr Schmutzpartikel untersuchen. Heike Meyer vom Itzehoer Landesamt: „Die Untersuchungen wurden mit Rasterelektronenmikroskopen gemacht und ergaben das typische Bild von Bienenausscheidungen; das heißt unzerstörte, teilweise auch verdaute oder wachsartig verbackene Pollen. Je nach Alter der Ablagerung war diese noch mit Pilzgeflecht durchwachsen.“ Zum selben Ergebnis kam das Labor in Nordrhein-Westfalen bei den Lübecker Proben. Matthias Neff, Vorstandsmitglied des Imkervereins Lübeck, ist verwundert über das Ausmaß der Verschmutzungen: „Da müssen ja ganze Bienengeschwader unterwegs sein – und das kann ich mir kaum vorstellen.“

Zahlreiche Anfragen von Bürgern über die Ursachen der Verschmutzung kommen mittlerweile aus St. Jürgen, St. Gertrud, Eichholz und Niendorf. Besonders groß ist, wie berichtet, der Verschmutzungsgrad auf Marli im Bereich Heiweg, Am Pohl, Hegelweg und Schopenhauerstraße. Die Anwohner befürchten dort, dass der „Schmutzregen“ durch Fäkalien entsteht, die aus Flugzeugtanks abgelassen werden. Sie bezweifeln, dass Bienen in der Lage sind, eine derart große Verschmutzung zu verursachen. Der Medizinische Mikrobiologe Dr. Heiner Freiesleben widerspricht: „Wenn der Fäkalientank eines Flugzeugs nicht ganz dicht ist, passiert bis in etwa 2000 Metern Höhe gar nichts. Erst darüber wird durch den Überdruck im Flugzeuginneren Flüssigkeit herausgepresst. Am Verschluss bildet sich ein kotdurchsetzter Eisklumpen, der aus großer Höhe fallend schon mal einen Dach durchschlagen kann. Das ist aber kein ,Schmutzregen‘.“
In Lübeck gibt es nach Aussage des Imkervereins 1000 Bienenvölker. 80 Imker sind im Verein organisiert. Bienen entfernen sich nicht sehr weit von ihren Stöcken. Sie gehen in einem Radius von etwa zwei Kilometern auf Pollensuche. Beim Rückflug zum Bienenstock entleeren die nützlichen Insekten ihre Kotblase, weil sie ihre Bienenstöcke nicht verschmutzen wollen. tt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige