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Unfreiwillige Trennung nach 17 Jahren

Lübeck Unfreiwillige Trennung nach 17 Jahren

Marienkantor Michael D. Müller muss Ende des Jahres gehen – Neuer Stellenzuschnitt durch Gemeinnützige.

Innenstadt. Er hat in den vergangenen Tagen schon unzählige Info- Mails herausgeschickt und viele intensive und emotionale Gespräche geführt. „Schließlich habe ich in meiner Dienstzeit mit ganz vielen jungen Menschen zu tun gehabt, mit denen ich noch immer in Kontakt stehe. Und aktuell sind in meinem Konzertchor auch zwischen 60 und 70 Sänger, denen ich aber natürlich persönlich diese wichtige Nachricht überbracht habe“, erklärt Michael D. Müller.

 

LN-Bild

Marienkantor Michael D. Müller in Aktion: „Die Kinder haben immer gemerkt, dass mir die Musik wahnsinnig ernst ist.“

Quelle: Christine Silz

„Wir sahen uns aus wirtschaftlichen Gründen dazu gezwungen. Wir mussten ungeplante Defizite hinnehmen.“ Titus Jochen Heldt, Gemeinnützige

Der 44-Jährige hat vor mittlerweile 17 Jahren sein Amt als Marienkantor angetreten; jetzt muss er nach sehr erfolgreicher künstlerischer Arbeit zum Ende des Jahres seinen Posten räumen. Unter anderem errang er mit seinen Schützlingen beim Bundeschorwettbewerb des Deutschen Musikrats, der alle vier Jahre stattfindet, im Jahr 2010 den ersten Platz in der Kategorie Knabenchöre. Zusätzlich zeichnete die Jury in Dortmund die Musiker mit einem zweiten Preis aus.

„Der Abschied fällt mir nicht leicht; aber es ging nicht anders“, kommentiert er und liefert gleich die Begründung: „Die Gemeinnützige hat sich dazu entschlossen,

die jetzige Leitungsstruktur der Knabenkantorei zu verändern und in die frühere Form mit nur einer Zuständigkeit zurückzuführen. Die aktuelle Aufteilung in künstlerische – mein Part – und administrative Aufgabenbereiche – die mein Kollege André Hanßke wahrnimmt – ist 2014 durch meine Rückkehr in den Schuldienst entstanden.“ Mit Müller wird entsprechend auch seine „rechte Hand“, Kirchenmusiker und Chorleitungsassistent Hanßke, gehen müssen.

Dass der Marienkantor nicht Angestellter der Gemeinde ist, sondern der Gemeinnützigen, ist historisch gewachsen. „Als ich damals die Funktion von meinem Vorgänger, der es 34 Jahre lang gemacht hat, übernommen hatte, gab es noch keine feste Struktur“, erinnert sich der inzwischen verbeamtete Musiklehrer, der seit zwei Jahren parallel zu seinem Kantorenamt an der Hahnheide-Schule in Trittau unterrichtet. Dann wurde die Knabenkantorei, die 1948 gegründet wurde, innerhalb ihres Trägers, der Gemeinnützigen, der Lübecker Musikschule zugeordnet. Heute singen in der Kantorei rund 160 Sängerinnen und Sänger in verschiedenen Chören, darunter der renommierte Konzertchor, mit.

Zu der wichtigen Personalie befragt, gibt sich Marienpastor Robert Pfeifer, der als Vorsitzender dem Kirchengemeinderat an St. Marien vorsteht, äußerst schmallippig. Sein einziger Kommentar: „Diesen Vorgang kommentiert der Kirchengemeinderat in der Öffentlichkeit nicht.“ Umso offener geht aber der Direktor der Gemeinnützigen, Titus Jochen Heldt, mit dem erzwungenen Wechsel an der Spitze dieser lübschen Institution zum Jahreswechsel um: „Uns ist die Entscheidung sehr schwer gefallen. Letztlich sahen wir uns aus wirtschaftlichen Gründen zu dem Schritt gezwungen“, resümiert er.

Und führt weiter aus: „Nachdem sich Herr Müller vor zwei Jahren selbst dafür entschieden hatte, sich auf den künstlerischen Part seines Aufgabenfeldes zu konzentrieren, haben wir auf seinen Wunsch hin das Konstrukt der Doppelspitze Müller/Hanßke gewählt. Das hat sich aber letztlich als nicht zielführend herausgestellt. Das System der geteilten Verantwortung war ein Versuch, der sich am Ende nicht bewährt hat.“ Insgesamt habe man die Planungen innerhalb kurzer Zeit deutlich verfehlt und erhebliche ungeplante Defizite hinnehmen müssen. „Es bestand daher Handlungsbedarf; wir mussten unserer Verantwortung als Vorsteherschaft der Gemeinnützigen nachkommen“, so Heldt. Es gehe vor allem um den Fortbestand dieser traditionsreichen Einrichtung. „Entsprechend werden wir nun wieder die Verantwortung in eine Hand legen.“

Die Stellenausschreibung läuft seit Kurzem. So ist im Internet zu lesen: „In der Hansestadt Lübeck ist ab dem 1. Januar 2017 die Leitung der Knabenkantorei als unbefristete Stelle mit 40 Wochenstunden neu zu besetzen.“ Eine Expertenkommission – unter anderem mit einem Vertreter der Musikhochschule – soll dann in enger Abstimmung mit der Kirchengemeinde St. Marien die Entscheidung treffen.

Wenn Michael D. Müller an die Aufgabenfülle seines Nachfolger denkt, kommt er ins Grübeln. „Die Gemeinnützige möchte nun einen einzigen Leiter haben; es ist aber für eine Person viel zu leisten“, sagt er, „unter anderem gilt es, 45 Auftritte im Jahr zu organisieren; dazu gibt es eine unglaubliche Fülle an Detailaufgaben.“ Mit dieser Anmerkung konfrontiert, entgegnet Titus Jochen Heldt: „Wir haben eine hauptamtliche Kraft als Unterstützung eingeplant.“

Für den amtierenden Marienkantor wird es nun bis Silvester ein langes Finale – „ich mache jetzt alles zum letzten Mal. Das geht nicht spurlos an einem vorbei.“

Geistliche Chormusik

Die Wirkungsstätte der Knabenkantorei liegt hauptsächlich in der Marienkirche. Heute singen in der Kantorei rund 160 Sängerinnen und Sänger in verschiedenen Chören, darunter der renommierte Konzertchor. Höhepunkte des Jahres sind das „Traditionelle Weihnachtssingen“ sowie die Aufführung der Johannespassion. Das Repertoire enthält geistliche Chormusik aus allen Epochen mit besonderem Schwerpunkt auf dem Werk des Lübecker Barockmeisters Dieterich Buxtehude.

Michael Hollinde

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