Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Uni-Arzt schenkt jungem Afghanen neuen Lebensmut
Lokales Lübeck Uni-Arzt schenkt jungem Afghanen neuen Lebensmut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:24 02.11.2013
Dr. Peter Sieg (53) schaut sich das Gesicht von Explosionsopfer Abdul (14) an. Quelle: Lutz Roeßler

Fröhlich läuft Abdul über das Gelände der Lübecker Uniklinik. Sein Blick ist selbstbewusst nach vorn gerichtet, die Schulter gestrafft. Vor zwei Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, den Jungen so zu sehen. Abdul war damals psychisch am Ende. Er hatte keinen Lebensmut mehr und traute sich kaum noch aus dem Haus. Wenn er doch einmal nach draußen musste, dann verhüllte er sein Gesicht und vermied Blickkontakt mit anderen Menschen. „Ich habe mich für mein Aussehen geschämt“, sagt er.

Abdul wurde vor fünf Jahren bei einer Gasexplosion in seiner Heimatstadt Mazar-i-Sharif im Norden Afghanistans schwer verletzt. Er verlor seinen linken Unterschenkel und erlitt am ganzen Körper starke Verbrennungen. Sein Gesicht war zerstört. Über eine Hilfsorganisation kam der Junge, der laut Pass 14 Jahre alt ist, nach Deutschland.

35 Operationen musste er über sich ergehen lassen, dann wurde er Anfang 2012 als „geheilt“ entlassen. Für Abdul ein Schock, denn er fühlte sich immer noch nicht wohl in seiner Haut. „Ich war überhaupt nicht zufrieden“, sagt er. „Meine Unterlippe hing bis zum Kinn. Es sah furchtbar aus.“ Er hatte Probleme beim Atmen, und auch das Essen bereitete ihm Schwierigkeiten, weil er seinen Mund nicht richtig aufbekam.

Für Iris und Hans Kleinehelftewes war es schlimm, den Jungen so leiden zu sehen. Das Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen hatte Abdul im Krankenhaus in Oberhausen kennengelernt und sich seiner angenommen.

Die beiden beschließen, Abdul zu Dr. Peter Sieg, dem Direktor der Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie in Lübeck, zu bringen. „Mein Mann wurde mal in dem Krankenhaus behandelt, deshalb hatten wir Vertrauen zu den Ärzten“, sagt Iris Kleinehelftewes. Was danach passierte, sei für sie ein Glücksfall gewesen. „Abdul und ich hatten gleich vom ersten Tag an einen guten Draht zueinander“, sagt Dr.

Sieg. Vielleicht lag es daran, dass der Arzt die Heimat des Jungen kannte. Für Interplast-Germany war er 2011 für zwei Wochen in Kabul gewesen, um dort Menschen wie Abdul zu helfen.

Hauptsächlich aber lag es wohl an der Hoffnung, die Peter Sieg dem Afghanen zurückgab. „Mein Ziel war es, die Funktionen von Nase und Mund wiederherzustellen“, sagt der 53-Jährige. „Zudem wollte ich sein Gesicht so gestalten, dass er sich traut, unverhüllt herumzulaufen.“ 2012 rekonstruiert er den Mund des Jungen und formt die Nase. Dieses Jahr nimmt er weitere Korrekturen vor. Seitdem bekommt Abdul erstmals seit fünf Jahren gut Luft und kann wieder in ein Brötchen beißen.

Viel wichtiger aber ist für den jungen Afghanen, dass er endlich wieder Selbstbewusstsein hat. Abdul nimmt am Turnunterricht teil, trifft sich mit Gleichaltrigen im Jugendzentrum und geht allein einkaufen. „Er glaubt endlich an sich selbst“, sagt Iris Kleinehelftewes. Auch Peter Sieg ist begeistert, wie sich der Junge seit ihrer ersten Begegnung entwickelt hat. „Es ist toll, die Fortschritte zu sehen.“

Anfang Dezember muss Abdul zurück nach Afghanistan, da sein Visum ausläuft. Familie Kleinehelftewes möchte ihn aber 2014 noch einmal nach Deutschland holen. „Ich hoffe sehr, ihn wiederzusehen“, sagt Peter Sieg und klopft Abdul zum Abschied herzlich auf die Schulter. „Dann kann ich noch weitere kleine Korrekturen vornehmen, die ihm das Leben erleichtern. Es ist noch einiges möglich.“

„Ich freue mich über die Fortschritte, die Abdul in letzter Zeit gemacht hat. Es ist noch einiges möglich.“
Dr. Peter Sieg

Janina Dietrich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In einem Kfz-Betrieb gibt es nur selten Ruhepausen: Auch bei Arne Stolzenwald im Gewerbegebiet Genin drücken sich Kunden die Klinke in die Hand.

02.11.2013

Über 230 Teilnehmer beschäftigen sich mit Themen wie Virusinfektion und Krebs.

02.11.2013

In Travemünde soll für 40 Millionen Euro ein neues Quartier entstehen — trotz der Querelen im Vorfeld.

02.11.2013
Anzeige