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Lübeck Uni-Kanzler Oliver Grundei will Minister werden
Lokales Lübeck Uni-Kanzler Oliver Grundei will Minister werden
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21:18 04.05.2017
Jetzt Uni-Kanzler und bald Wissenschaftsminister? Oliver Grundei. Quelle: Foto: Neelsen
Lübeck

Ein Lübecker im Kieler Kabinett? Das gab es seit 17 Jahren nicht. Oliver Grundei will das ändern. Am 7. Mai will der Kanzler der Uni Lübeck an der Seite von CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther in die Landesregierung. Der 46-Jährige ist in Günthers Schattenkabinett als Wissenschaftsminister vorgesehen. Der Einstieg in die Politiker-Laufbahn kann für Grundei allerdings nur klappen, wenn die CDU die Mehrheit holt, die Regierung stellt und keiner der Koalitionspartner dieses Ressort für sich beansprucht. Der mögliche Karrieresprung ist mit vielen Wenns und Abers versehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er Minister wird, ist – nun: überschaubar. Alternativ könnte er Staatssekretär werden, aber auch das ist nicht ausgemacht.

Dennoch: Grundei tritt an. „Nur anzutreten, wenn man einen Posten sicher hat, das ist nicht meine Sache“, so der Uni-Kanzler. Ein Wechsel in die Politik ist für ihn die logische Folge, wenn „man wirkliche Gesellschaft gestalten will“. Und das will er. Denn Grundei hat hautnah miterlebt, wie es ist, wenn andere gestalten – und man selbst nicht gefragt wird. Das war 2010 als ein CDU-Minister die Uni Lübeck schließen wollte. Noch im selben Jahr ist Grundei in die CDU eingetreten. Ausgerechnet in die CDU – in die Partei, die Lübecks Uni einstampfen wollte. Warum?

„Ich kann mich mit den Werten der Partei am ehesten identifizieren“, begründet Grundei die Wahl. Vor allem die Selbstverantwortung hat es ihm angetan – und die Ideologiefreiheit. Zudem gab es persönliche Kontakt zu Christian von Bötticher, dem damaligen CDU-Fraktionschef im Landtag. Und: „Die CDU hatte die Pläne der Uni-Schließung als Fehler erkannt.“ Aber vor allem: Er wollte es besser machen und arbeitet in einer parteiinternen Gruppe zur Hochschulpolitik.

Sein Eintritt in die CDU hat für mächtig Wirbel auf dem Campus gesorgt. Irritation, Unverständnis, Ablehnung. Grundei blieb bei seiner Entscheidung, verteidigte sie. Jetzt wird wieder geredet auf den Hochschul-Fluren. Denn Grundei kritisiert ganz offen die Landesregierung aus SPD, Grünen und SSW, wenn es um deren Hochschulpolitik geht. Einige der Professoren fürchten, dass das für die Universität Nachteile hat, sollte die SPD das Rennen machen am Wahlsonntag. Aber Grundei bleibt bei seiner Meinung – und kann diese Haltung nicht verstehen. Er habe seine Kritik immer formuliert, ob als Uni-Kanzler oder als Mitglied im Schattenkabinett. Außerdem ist er überzeugt: „Eine andere Meinung zu äußern, muss in einer Demokratie möglich sein – sonst würde sich irgendwann niemand mehr für das Gemeinwohl engagieren.“ Und: Sollte die SPD an der Macht bleiben, setzt Grundei auf deren Professionalität. Denn: „Ich greife niemanden persönlich an.“

Soweit, so klar. Aber als Seiteneinsteiger in die Politik zu wechseln ist risikoreich. Bei Bildungsministerin Wara Wende (SPD) ist die Sache gründlich schiefgegangen, Kiels Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) wusste auch nicht, wie man mit Verwaltung und Öffentlichkeit umgeht. „Es ist ein Wagnis“, gibt Grundei zu. Auch wenn er sagt: „Ein bisschen Schleswig-Holstein habe ich schon gelernt.“ Seit zehn Jahren ist er Lübecks Uni-Kanzler – und in einem kleinen Bundesland gibt es schnell Kontakt zur Politik.

Sollte er den Wechsel ins Ministerium schaffen, hat er für die Wissenschaft 600 Millionen Euro zur Verfügung. Für ihn ist klar, dass Wissenschaft und Wirtschaft eng zusammenhängen. Sein Credo: Je mehr in die Wissenschaft investiert wird, desto mehr Wirtschaftswachstum. „Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg haben das erkannt“, so Grundei. Schleswig-Holstein indes nicht. „Es ist eine Frage, wie die Prioritäten gesetzt werden.“ Sollte er Minister werden, will er dafür kämpfen. Müssen sich die anderen Unis sich vor einem Lübecker Wissenschaftsminister fürchten? „Nein.“ Für ihn ist klar: „Jede Hochschule hat ihre eigene Seele.“ Die wolle er erhalten und mit den Universitäten Ziele vereinbaren. „Jede Hochschule braucht ein maßgeschneidertes Konzept.“

Zur Person

Oliver Grundei wurde in Hannover geboren. Er hat in Kiel, Heidelberg, Jena und Tübingen Jura studiert, war Geschäftsführender Wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem angegliederten Institut der Uni Kiel. Dann wurde er mit 34 Jahren einer der jüngsten Hochschul-Kanzler – an der Kunstakademie in Stuttgart. 2007 wurde er zum Kanzler der Uni Lübeck gewählt – und 2013 wiedergewählt. Er ist Chef von 180 Mitarbeitern. Grundei ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Josephine von Zastrow

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