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Lübeck Uni-Klinik: Hygienemängel legen neuen Herz-OP lahm
Lokales Lübeck Uni-Klinik: Hygienemängel legen neuen Herz-OP lahm
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23:05 13.11.2011
Gisela Meier (57, v. l.), Helene Plathof (49) und Johannes Hertel (51) im neuen OP-Saal. Quelle: Lina Timm
Lübeck

Neuer Ärger in der Uni-Klinik: Ursprünglich sollten morgen die beiden neuen herzchirurgischen Operationssäle und die interdisziplinäre anästhesiologische Intensivstation (ITS) in Betrieb genommen werden. Jetzt hat allerdings das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) als Bauherr in letzter Minute die Reißleine gezogen. In einem internen Schreiben heißt es, dass eine Übergabe aufgrund von „technischen und hygienischen Problemen“ nicht möglich sei. Mehr noch: „Ein neuer Termin kann gegenwärtig durch die GMSH nicht benannt werden“, heißt es in einem Brief der Bauleitung an die Verantwortlichen beim UKSH. Die Projektleitung hofft, dass die ITS ab Ende November und der OP-Bereich ab Anfang Dezember genutzt werden können.

Welche konkreten Probleme es gibt, ist unklar. Mitte vergangener Woche schien die medizinische Welt noch in Ordnung gewesen zu sein. Als Professor Hans-Hinrich Sievers, Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie, symbolisch den Schlüssel übernahm, sprach er noch von einem „historischen Ereignis“ – vor allem, weil es mit dem Bau so schnell gegangen sei. Eine Woche später liegt das Projekt erst einmal auf Eis.

Hinter vorgehaltener Hand ist in der Uni-Klinik die Rede von falsch installierten Geräten – und von Baustaub auf sensibler OP-Technik, die nach Möglichkeit schmutzfrei und keimarm sein müssen. Das GMSH war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Das Kieler Finanzministerium, dem das Gebäudemanagement untersteht, bestätigt nur, dass es beim Bau zu Problemen gekommen sei, sich die Übergabe verzögere. Oliver Grieve vom UKSH: „Es wird mit Hochdruck an der Fertigstellung gearbeitet. Die Verzögerung ist bei uns mit erheblichem Aufwand verbunden.“ Sämtliche Personalpläne waren bereits auf Schulung und Betrieb in dem Bau ausgelegt. Darüber hinaus hält sich die Uni-Klinik mit Kritik am GMSH zurück – kein Wunder, beides sind Landesbetriebe. Hinter den Kulissen des UKSH brodelt es allerdings: „Das ist ein neuerlicher Beweis der Inkompetenz“, verlautet es aus der Führungsebene.

Zuletzt hatte es beim Klinik-Anbau der Neurowissenschaften und Orthopädie massive Probleme mit dem GMSH gegeben. Als Maßnahme war die Erweiterung bereits 1987 angemeldet worden, sollte nach neun Jahren Bauzeit im Mai 2007 eingeweiht werden. Bei der Abnahme kam dann allerdings eine mehr als 6000 Punkte umfassende Mängelliste zusammen. Als der Anbau im April 2011 eingeweiht werden konnte, hatten sich die Baukosten auf 44 anstatt geplanter 35 Millionen Euro summiert.

Nach den jüngsten Pannen beim Herz-OP-Bau werden jetzt offenkundig bereits Schadensersatz-Ansprüche geprüft. In einem internen UKSH-Schreiben heißt es: „Zur Bemessung des Schadens durch die verspätete Inbetriebnahme wird ein Sachverständiger durch das UKSH eingeschaltet werden.“

Allen Problemen zum Trotz wurden die neuen Räumlichkeiten gestern bei einem Tag der offenen Tür Fachpublikum und Besuchern präsentiert. „Der Andrang ist riesig, damit hätten wir gar nicht gerechnet“, sagt Oberärztin Dr. Claudia Schmidtke. Anfang Dezember solle der neue Hybrid-OP in Betrieb gehen, bis dahin seien „noch einige nicht umfangreiche Restarbeiten zu erledigen.“

Bastian Modrow und Lina Timm

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