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Lokales Lübeck Uni Lübeck feiert großen Erfolg im Kampf gegen Herzinfarkte
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23:44 11.11.2013
Ihre Kooperation im Labor ermöglichte den Erfolg nach jahrelanger Puzzle-Arbeit (v.l.): Prof. Frank Kaiser, Prof. Cor de Wit, Prof. Jeanette Erdmann, Dr. Zouhair Aherrahrou sowie Dr. Diana Braunholz. Insgesamt waren elf Forscher vom Uni-Campus beteiligt. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Dass die Hansestadt die Heimat der Spitzenforschung ist, hat sie jetzt erneut unter Beweis gestellt. Denn die Ideen und die Akribie eines Teams vom Lübecker Uni-Campus haben die Arbeit einer internationalen 42-köpfigen Wissenschaftlergruppe zum Erfolg geführt.

Bereits seit sieben Jahren sind die Lübecker Forscher verstärkt den Herzinfarkt-Genen auf der Spur. Neben einem ungesunden Lebenswandel können auch erbliche Faktoren zur Entstehung der Erkrankung beitragen. „Und wir haben bisher auch Varianten im Erbgut von Patienten finden können, die das Risiko durchaus erhöhen, aber eher im niedrigen Prozentbereich“, berichtet Prof. Jeanette Erdmann. Nun aber hat es ihr Team vom Lübecker Uni-Institut für Integrative und Experimentelle Genomik geschafft, erstmals eine ganz bestimmte Ursache für den Herzinfarkt „dingfest“ zu machen.

So wurden in einer Großfamilie aus dem Emsland, in der es eine sehr hohe Häufung von Herztoten gibt, zwei seltene Genveränderungen aufgespürt, die — wenn sie gemeinsam auftreten — bewirken, dass Blutplättchen in den Gefäßen vermehrt verkleben können. Konsequenz: Die Ansammlungen verstopfen die Herzkranzarterien, unsere Blut-Autobahnen zum Herzen, und verursachen somit einen Herzinfarkt.

„Das ist die erste Familie weltweit, bei der man mit Sicherheit sagen kann, dass der Infarkt als Folge dieser beiden Mutationen von einer Generation zur nächsten vererbt wird“, schlussfolgert Prof.

Cor de Wit vom Lübecker Uni-Institut für Physiologie, der ebenfalls an dieser jahrelangen Studie beteiligt war. Aufgrund ihrer aufsehenerregenden Ergebnisse ist sie nun als Zusammenfassung in der neuesten Ausgabe des renommierten Fachmagazins „Nature“ erschienen.

„Die Familie war natürlich an unseren Resultaten interessiert“, merkt der Physiologe an, „schließlich kann man das Zusammenkleben der Blutplättchen sehr gut mit Medikamenten angehen.“ Das heißt:

Würde im Erbgut der Nachweis erbracht, dass diese beiden Mutationen vorhanden seien, könne man bereits zur Vorbeugung spezielle Arzneien verschreiben. „Eine Erbgutdiagnostik hat in diesem Fall also tatsächlich eine direkte Konsequenz“, merkt die habilitierte Diplombiologin Erdmann an.

Dass beide Mutationen bei einem Menschen gleichzeitig auftreten, ist jedoch sehr selten. „Eine davon allein findet man aber schon recht häufig in der Bevölkerung“, weiß die Sprecherin des Uni-Forschungs-Schwerpunkts Medizinische Genetik, „doch die Auswirkungen auf das Infarkt-Risiko des Einzelnen sind dann nicht so groß.“ Sie hebt hervor, dass elf Wissenschaftler vom Campus an dem Forschungs-Erfolg, der aufgrund dieser Zahl als Lübecker Erfolg zu werten sei, mitgearbeitet hätten.

Durch die Kooperation sei es gelungen, auch den Mechanismus im Labor lupenrein zu entschlüsseln. „So konnten wir nicht nur in Tierversuchen die katastrophalen Auswirkungen dieser Mutationen belegen, sondern auch im Blut von Patienten“, erläutert Prof. Frank Kaiser vom Uni-Institut für Humangenetik. Jeanette Erdmann jedenfalls ruft Familien mit fünf Infarkt-Betroffenen in der näheren Verwandtschaft auf, sich in ihrem Institut zu melden. „Letztendlich reicht für unsere Analyse zur Ursachenforschung ein Mundabstrich aus.“

Häufigste Todesursache
Der Herzinfarkt zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Er entsteht, wenn ein Blutgefäß des Herzens, Herzkranzgefäß oder Koronargefäß genannt, verstopft ist. Der Herzmuskel kann dann nicht mehr über das Blut mit Sauerstoff versorgt werden, so dass er streikt. Wird die Durchblutung nicht schnell wieder hergestellt, stirbt das betroffene Muskelgewebe ab.

Michael Hollinde

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