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Lübeck Uniklinik Lübeck: Kranke warten bis zu zehn Jahre auf eine neue Niere
Lokales Lübeck Uniklinik Lübeck: Kranke warten bis zu zehn Jahre auf eine neue Niere
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22:47 13.11.2013
Lübeck

Für viele Patienten ist es ein Wettlauf auf Leben und Tod: Die Zahl der Organspender sinkt dramatisch. Betroffen ist auch das Transplantationszentrum am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck. Dort konnten 2013 erst 49 Nieren verpflanzt werden – die niedrigste Marke seit Jahren. In der Spitze hatte die Zahl bei 86 Transplantationen gelegen. Unterdessen wächst die Liste von Patienten, die auf ein neues Organ warten. Nach Auskunft des Klinikums müssen sich einige Kranke mittlerweile zehn Jahre gedulden, bis sie an der Reihe sind.

„Die Warteliste wird tendenziell immer länger“, bestätigt Martin Nitschke, Oberarzt am Lübecker Transplantationszentrum. 300 Patienten stehen derzeit für ein neues Organ an. Allein im November hat das UKSH Lübeck 14 Neuanmeldungen aus Dialyse-Praxen entgegengenommen. Für all diese Menschen bedeuten die rückläufigen Organspendezahlen vor allem eins: noch längere Wartezeiten. Besonders im Sommer sei der Einbruch bei den Spendern extrem gewesen, berichtet Nitschke.

Im Schnitt könne einem Nierenkranken in Lübeck erst nach acht Jahren mit einer OP geholfen werden, in Einzelfällen befänden sich Patienten im zehnten Wartejahr. In Lübeck werden ausschließlich Nieren transplantiert. Für gut ein Dutzend der registrierten Patienten kommt der ersehnte Anruf zu spät: Entweder weil sie für eine Transplantation zu krank oder weil sie den Folgen der chronischen Nierenerkrankung inzwischen erlegen sind. Bundesweit sterben täglich drei Menschen, für die kein Spenderorgan rechtzeitig bereitsteht.

Das Vertrauen der Bevölkerung in das deutsche Organspendesystem ist gestört, seit im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass es in verschiedenen Kliniken Daten-Manipulationen gegeben hatte. Bundesweit haben in diesem Jahr 754 Menschen Organe nach ihrem Tod gespendet. Das sind 138 weniger als im Vorjahreszeitraum (-15,5 Prozent), teilt die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mit. In Deutschland warten 11 300 Menschen auf ein geeignetes Organ.
Die Kieler Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) appelliert an die Bürger, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Verlorenes Vertrauen könne jeder durch Informationen und Transparenz zurückgewinnen. Transplantationsbeauftragte ordentlich seine wichtige Arbeit machen kann.“

Curd Tönnemann

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