Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Uniklinik: Mehr Platz für Frühchen und ihre Eltern
Lokales Lübeck Uniklinik: Mehr Platz für Frühchen und ihre Eltern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:16 14.09.2013
Im Intensivzimmer schaut Maren Beckmann in den Inkubator. Ihr Zwillingsmädchen Greta kam in der 25. Schwangerschaftswoche zur Welt. Schwesterchen Carla liegt ebenfalls im UKSH. Quelle: Fotos: Cosima Künzel

Ihren Neugeborenen ganz nah sein, das ist der Wunsch wohl aller Eltern. Doch für Mütter und Väter von Frühgeborenen ist das aufgrund der notwendigen medizinischen Versorgung nicht so einfach. Dank eines Umbaus auf der Frühchen-Intensivstation am Lübecker Universitätsklinikum Schleswig- Holstein (UKSH) ist das jetzt möglich. Erstmals ist hier ein Eltern- Kind-Zimmer eingerichtet worden und damit „Rooming-in“ möglich.

Frühchen Yannick (1450 Gramm) liegt noch auf der Intensiv-Station. Doch im benachbarten Zimmer seiner Eltern steht schon ein Inkubator für ihn bereit. „Jetzt muss sich sein Zustand nur noch weiter stabilisieren“, sagt Anne van Riesen (37) und hofft, dass der Kleine bald neben ihr liegen kann. „Das ist eine supertolle Sache, dass das jetzt hier geht“, sagt sie und erzählt, wie sie jeden Morgen mit Herzklopfen aufwacht und zu ihrem Kind eilt. „Sind seine Werte gut, ist der Tag gerettet.“

Im UKSH kommen jedes Jahr rund 1500 Babys auf die Welt. Etwa 300 davon zu früh. Auch die Zwillinge von Maren Beckmann (38). Unter Decken, Schläuchen und medizinischem Gerät ist Frühchen Greta kaum zu sehen. Umso rührender, als das 1250 Gramm leichte Mädchen plötzlich die Augen aufschlägt und ein paar Mal in die Welt blinzelt. Maren Beckmann sitzt neben dem Inkubator und schaut ihrem Zwilling lächelnd dabei zu. „Die ersten Tage waren ganz entsetzlich, aber jetzt geht es ihr schon viel besser.“ Gretas Schwester Carla wird ebenfalls intensivmedizinisch versorgt. Die Zwillinge sind 15 Wochen zu früh auf die Welt gekommen.

Für eine Unterbringung der Mädchen im Eltern-Kind-Zimmer ist es zu früh, aber der Umbau hat weitere Vorteile gebracht. „Wir haben hier jetzt deutlich mehr Platz“, erklärt Privatdozent Christoph Härtel, Oberarzt der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin. Dank eines Wanddurchbruchs gehört außerdem ein ehemaliger Büroraum (16 Quadratmeter) zum Intensivzimmer (36 Quadratmeter) und schafft neben Platz auch mehr Ruhe. „Die Inkubatoren stehen nicht mehr so eng beieinander, denn der Erstversorgungstisch, die sterile Bank und ein Inkubator sind jetzt im Nachbarraum untergebracht.“

Für Maren Beckmann und andere betroffene Eltern bedeutet der Platzgewinn auch, dass sie mehr Raum zum Kuscheln mit ihren Kindern haben. Denn wenn es der Zustand der Kinder erlaubt, dürfen sich die Eltern ihre Frühchen mehrmals am Tag auf die Brust legen. „Kangorooing“ sagen die Fachleute dazu. Außerdem ist der Infektionsschutz durch die größeren Abstände höher. Neben dem Eltern- Kind-Zimmer und dem umfunktionierten Büroraum gibt es ein weiteres Arbeitszimmer für die Mediziner. Die neue Monitorüberwachung aller Inkubatoren erleichtert den Medizinern die Arbeit. „Auch wenn wir am Schreibtisch sitzen, haben wir von hier aus alles im Blick“, sagt Stationsärztin Dr. Christina Mende.

Insgesamt arbeiten 16 Ärzte und über 70 Schwestern auf den drei Stationen des Bereichs Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin. Sie sind spezialisiert auf die Versorgung sehr unreifer Frühgeborener. Die Uniklinik versorgt die höchste Anzahl dieser Kinder im Land. In Zukunft soll der Bereich weiter ausgebaut werden. „Die Grundidee ist, dass sich die Frühgeborenenmedizin von der rein technischen Ebene wegentwickelt“, sagt Professor Egbert Herting als Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. „Das Konzept steht, der Zeitpunkt noch nicht.“

Frühgeborene brauchen Unterstützung
Eine Schwangerschaft dauert in der Regel 40 Wochen, und von einer Frühgeburt spricht man bei der Geburt eines Säuglings vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche. Für die moderne Ausgestaltung der Frühgeborenen-Intensivstation sind laut UKSH Spenden dringend erforderlich. So wurde der Umbau auch von Privatspender Resul Comak (45) unterstützt, der einen Anstoß geben möchte für mehr Bürgerengagement in diese Richtung.

Cosima Künzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Rudern gegen den Rost: Gisela Groth setzt auf die Skulls. Die hätte sie zu ihrem 90.

14.09.2013

Jetzt ist am Falkenplatz alles unter einem soliden Dach.

14.09.2013

Grusel, Nervenkitzel, Spannung: Das erste Krimifestival vom 24. bis 26. September bietet neben namhaften Autoren auch zum Teil sehr ungewöhnliche Orte für die Lesungen an — und das Ganze für einen guten Zweck.

14.09.2013
Anzeige