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Lübeck Uniklinikum: Wie viel Geld sollen die Mitarbeiter verdienen?
Lokales Lübeck Uniklinikum: Wie viel Geld sollen die Mitarbeiter verdienen?
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18:15 26.04.2014
„Ein Flächentarifvertrag am Uniklinikum ist ein ordentlicher Tarif.“ Wissenschaftsstaatssekretär Rolf Fischer
Lübeck

Mehr Geld. Das soll es geben am Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) für Krankenschwestern und Pfleger. Das sagt der Vorstand, das fordert auch die Gewerkschaft Ver.di. Aber damit endet auch schon die Einmütigkeit. Was im Detail kompliziert wird, ist im Grunde einfach: Man kann sich nicht auf die Anzahl der Mitarbeiter einigen.

Der Vorstand will 6500 nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern am Klinikum mehr Geld zahlen. Dafür sollen sie vom derzeitigen Haustarif in den Tarifvertrag der Länder wechseln (TVL). Das bedeutet ein Plus von 1,9 Prozent und drei Millionen Euro Mehrausgaben für das UKSH. Ver.di hingegen erwartet, dass der TVL insgesamt 8500 Beschäftigte betrifft. „Das ist eine kardinale Forderung“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Steffen Kühhirt. Denn die Gewerkschaft will auch die Beschäftigten in den Tochtergesellschaften und die Auszubildenden in diesen Tarif holen — macht 2000 Leute mehr. „Das würde für einen Großteil von ihnen ein deutliches Gehaltsplus bedeuten“, sagt Personalrat Burkhard Heinrich.

Doch da wollen Wissenschafts- Staatssekretär Rolf Fischer und der UKSH-Vorstand nicht so richtig mitziehen. Denn das würde noch teurer für das UKSH. „Der TVL wird zunächst für das UKSH gelten — über Regelungen für die Töchter wird noch gesprochen“, sagt Grieve. Am 13. Mai ist eine weitere Runde zwischen Ver.di, Fischer und Vorstand terminiert. Auch der Staatssekretär ist zurückhaltend bei dem Thema. „Das ist eine der Fragen, die im Gespräch mit Ver.di geklärt werden müssen“, so Fischer. Denn die tarifliche Ausgangsposition bei den Töchtern sei sehr unterschiedlich. Vor allem bei der Service Stern Nord GmbH. In dieser Tochtergesellschaft sind allein 1500 Mitarbeiter beschäftigt — wie Putzfrauen, Wäscherinnen, Pförtner. Dort hat es erst vor drei Wochen einen Abschluss gegeben. Ein Gehaltsplus von 15 Prozent, rückwirkend vom 1. April 2014 dann bis 1. Juli 2017. Das ist eine ungewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren und drei Monaten. „Dadurch haben wir Tarifsicherheit“, sagt Helmut Krüger vom Vorstand der Gewerkschaft für Servicekräfte (GDS). Die wurde Ende 2010 von den Beschäftigten der Service GmbH gegründet. Damals ein Affront für die etablierten Gewerkschaften — vor allem für Ver.di.

Deshalb will die große Gewerkschaft die Service-Beschäftigten am UKSH auch wieder in einen gemeinsamen Tarif holen, aus dem der Vorstand 2005 ausgestiegen ist. Ver.di würde dafür sogar dem Vorschlag von Staatssekretär Fischer folgen und in den ungeliebten TVL wechseln. Doch da GDS und Vorstand sich bereits geeinigt haben, wird das schwierig.

Kühhirt nimmt es indes gelassen. Wenn der TVL nicht für alle 8500 Mitarbeiter gelte, „dann werden wir ab Mitte Mai den Haustarif für die 6500 Beschäftigten weiter verhandeln“, sagt Kühhirt. Denn derzeit gilt am UKSH für die Krankenschwestern und Pfleger ein gut bezahlter Haustarif. Der lehnt sich nicht an den TVL an — sondern an den besser bezahlten Tarif des öffentlichen Dienstes (TvöD).

Die jüngste Tarifrunde hat Anfang April sogar ein Plus von 5,4 Prozent für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes gebracht — daran sollen sich dann auch Tarifverhandlungen für die Klinikmitarbeiter orientieren. Für die 6500 Krankenschwestern und Pflegern bedeutet das wesentlich mehr Geld als der Wechsel in den TVL mit 1,9 Prozent Plus, den Fischer und UKSH-Vorstand favorisieren. Kühhirt wäre bereit, das kleinere Plus in Kauf zu nehmen, wenn alle Beschäftigten in den Tarif kämen. Ver.dis Position: Statt einer ordentlichen Gehaltserhöhung für 6500 Mitarbeiter lieber ein kleines Lohn-Plus für 8500 Mitarbeiter. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.

Hinzu kommt, dass die Arbeit am UKSH immer mehr wird. „In den letzten zwei Jahren ist die Belastung der Mitarbeiter enorm gestiegen“, so Personalrat Heinrich. Die Zahl der sogenannten Überlastungsanzeigen haben sich verdoppelt — von zehn auf 20 pro Woche. Zudem gibt es seit einem Vierteljahr eine Kommission aus Vorstand und Personalräten, die sich um die Fälle kümmert. Ein Novum.

„Die Geschichte ist ziemlich verworren“, gibt Kühhirt zu. Klar ist allerdings, dass Ver.di den Tarifvertrag gekündigt hat — und am 30. Juni die Friedenspflicht endet. Ab 1. Juli könnte am UKSH wieder gestreikt werden — wie vor zwei Jahren.

Lohnverzicht für besseres Ergebnis
2005 stieg das UKSH aus dem Tarifvertrag der Länder (TVL) aus. Es wurde ein Beschäftigungspakt mit allen 11 000 Mitarbeitern ausgehandelt — für drei Jahre. Vom Chefarzt bis zur Putzfrau musste auf Geld verzichtet werden, dafür gab es eine Arbeitsplatzgarantie. Ab 2008 wurde für die 6500 nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter wie Krankenschwestern und Pfleger wieder ein Sanierungstarifvertrag abgeschlossen. Der galt bis Ende April 2011. Laut Ver.di haben die Mitarbeiter in fünfeinhalb Jahren auf insgesamt fast 100 Millionen Euro verzichtet, damit das UKSH saniert wird. Seither gilt für die nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter ein Haus-Tarifvertrag, der sich an dem Tarif des öffentlichen Dienstes (TvöD) anlehnt und erstmals mehr Geld für die Beschäftigten bedeutet.
38 Millionen Euro Defizit hat das Uniklinikum 2013 eingefahren — so viel wie noch nie in seiner Geschichte. Das UKSH hat 160 Millionen Euro Schulden, all die Defizite, die sich seit der Fusion der Standorte Lübeck und Kiel in 2003 angehäuft haben.

Josephine von Zastrow

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