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Lübeck „Unser Viertel ist am Limit“
Lokales Lübeck „Unser Viertel ist am Limit“
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14:29 09.08.2018
Der Drogentreff an der Kreuzung Krähenstraße und An der Mauer sorgt für viel Gesprächsbedarf zwischen Anwohnern und Politik. Quelle: Foto: Ln
Innenstadt

Die Anwohner haben Angst. Die aktuellen Zustände rund um den Drogentreff an der Rehderbrücke scheinen derart außer Kontrolle geraten zu sein, dass sich die Bürger nicht einmal mehr trauen, ihren vollen Namen zu nennen. Auch beim Treffen der neu gegründeten Bürgerinitiative im Freibad Krähenteich bleiben alle lieber beim Vornamen. „Ist sicherer so. Man weiß nicht, wozu die Leute da fähig sind“, sagt ein Organisator.

Es ist schon das zweite Treffen der Bürgerinitiative. Das Ziel: Eine große Gruppe zu werden, die eine Stimme in der Politik hat, um ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das die Situation entschärft. Wie das aussehen soll, ist für viele der Anwesenden relativ klar: „Unser Viertel ist am Limit, es wird Zeit, dass der Platz endlich wegkommt“, fordert ein Anwohner. Seine Wortmeldung bekommt lauten Beifall.

Offener Drogenhandel, Waffengewalt und sogar die russische Mafia? Die Anwohner im Viertel rund um den Drogentreff am Krähenteich sind in Sorge. Jetzt trafen sie sich mit Vertretern von Polizei und Politik, um sich über die Situation rund um den „Schandfleck“ auszutauschen.

Auch Vertreter der Stadt sind von der Bürgerinitiative eingeladen. Der Leiter des ersten Polizeireviers, Torsten Wähling, und Innensenator Ludger Hinsen (CDU) beantworten die Fragen der rund 120 anwesenden Bürger. Diese fühlen sich schlecht informiert. „Wir wollen direkt von Ihnen über das Geschehen informiert werden.“ Das versucht Hinsen, er erklärt: „Wir fahren momentan eine Politik der kleinen Schritte. Man weiß nie, wie sich ein Schritt auf die Gesamtsituation auswirkt.“ Einer dieser kleinen Schritte war zum Beispiel der Abriss des Toilettenhäuschens.

Die Gesamtsituation ist laut den Anwohnern unhaltbar. „Ich kann nicht mal mehr in meinem Schlafzimmer lüften, denn wann immer ich das Fenster öffne, riecht die gesamte Wohnung danach nach Cannabis“, sagt ein Anwohner, der direkt am Drogentreff wohnt. Bürger berichten, dass die Abhängigen im ganzen Viertel seien: „Eines Morgens kam ich nicht aus meiner Tür raus, weil auf der Türschwelle zwei Männer koksten.“ Ein anderer Anwohner beschreibt ähnliche Situationen: „Bei uns im Gang ist es mittlerweile anscheinend normal, sich Heroin zu spritzen. Drei bis vier Mal in der Woche haben wir hier Drogenjunkies im Gang.“

Auch wenn sich seit dem Abriss des WC-Häuschens die Situation etwas beruhigt habe, äußern einige Bürger, dass sie sich von der Polizei im Stich gelassen fühlen. Revierleiter Wähling verweist darauf, dass die Polizeipräsenz bereits erhöht wurde und nennt erste Erfolge. „Wir haben jetzt in der letzten Zeit 20 Drogendealer verhaften können“, berichtet Wähling.

Einige Anwohner machen auch Flüchtlinge für die eskalierte Situation verantwortlich. Tatsächlich soll es Streit unter den Süchtigen geben: auf der einen Seite Deutsche mit russischen Wurzeln, auf der anderen Seite Personen aus dem arabischen Raum. Als „Menschen mit aktuellem Migrationshintergrund“, beschreibt Lübecks Polizeichef Norbert Trabs die neue Klientel. Die beteiligten Gruppen sollen sich nicht immer wohlgesinnt sein.

Einige Bewohner des Viertels vermuten hingegen sogar Verbindungen zur russischen Mafia. „Ich sehe hier regelmäßig Fahrzeuge mit einem Kennzeichen aus Russland und verdunkelten Scheiben“, beschreibt ein Anwohner. „Dann springen Männer mit verspiegelten Sonnenbrillen aus dem Auto, andere steigen ein.“

Auch um ihre Kinder sorgen sich die Bürger. Der Drogentreff liegt direkt an einem beliebten Schulweg. Oft haben Anwohner auch beobachtet, wie sich Jugendliche auf dem Schulweg dort mit Drogen eindecken. Fest steht: Die von vielen geforderte sofortige Schließung des Areals ist für Stadt und Polizei keine Option. Nach einer effektiven und vor allem nachhaltigen Lösung für das Problem des Drogentreffs wird weiterhin gesucht.

ln

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