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Lübeck Unternehmen: Die Kosten des Stillstands
Lokales Lübeck Unternehmen: Die Kosten des Stillstands
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22:47 17.05.2018
Mitarbeiter verlassen das Drägerwerk in der Revalstraße. Ohne Strom sind einigen Abteilungen die Hände gebunden. Quelle: Foto: Kröger

„Wir können die Umsatzeinbußen für den Raum Lübeck derzeit nur schätzen und gehen grob von einem einstelligen Millionenbetrag aus“, sagt Can Özren, Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer Lübeck (IHK). Viele Unternehmen in der Region waren durch den Stromausfall gezwungen, ihre Produktion einzustellen.

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Es war ein bitterer Tag für die Lübecker Wirtschaft: Der Stromausfall am Mittwochmittag hat die Unternehmen der Region hart getroffen. Produktionsausfälle und Umsatzeinbußen in Millionenhöhe machten ihnen zu schaffen. Am Donnerstag wurde die Produktion normal fortgeführt.

„Der Stromausfall hat natürlich auch die Arbeit bei Dräger stark eingeschränkt. Aber wir sind froh, dass alle vorhandenen Sicherheitssysteme gegriffen haben und wir beispielsweise eingeschlossene Personen aus Aufzügen sicher befreien konnten“, sagt Melanie Kamann, Pressesprecherin bei Dräger. Ohne Strom verweigerten die Maschinen ihren Dienst. Die Produktion kam komplett zum Stillstand. Erst am Morgen wurden alle Systeme und Anlagen wieder kontrolliert hochgefahren und auf ordnungsgemäße Funktion überprüft. Für eine detaillierte Bilanz, wie hoch der entstandene Schaden ist, sei es allerdings noch zu früh, so Kamann.

Ähnlich erging es der Firma Brüggen. Von einer Sekunde auf die andere stand in der Produktion sowie in der Logistik alles still. „Das ist natürlich eine Katastrophe für einige Bereiche, wie beispielsweise in der Backstraße, in der das Müsli in den heißen Öfen festhing und drohte Feuer zu fangen “, sagt Hanno Brüggen, geschäftsführender Gesellschafter. Daher mussten die Maschinen schnell von den Produkten befreit und vom Stromnetz genommen werden.

Erst zur Nachtschicht um 22 Uhr wurden die Systeme wieder hochgefahren und die Produktion weitergeführt. „Die einzigen Kosten, die nicht liefen, waren die Elektrizitätskosten. Der Aussetzer in der Produktion sorgte somit für Umsatzeinbußen zwischen einer viertel und einer halben Million Euro“, sagt Brüggen.

Etwas besser erging es der Sparkasse zu Lübeck. „Glücklicherweise besitzt unsere Hauptgeschäftsstelle in der Breiten Straße ein Notstromaggregat. Dadurch konnten wir unsere Arbeit trotz Stromausfall regulär weiterführen“, sagt Pressesprecher Jörn Sanftleben. Aber: Ohne Strom streikten die Servicegeräte und Geldautomaten der insgesamt elf Geschäftsstellen in Lübeck. Bargeld oder Kontoauszüge konnten während des vierstündigen Stromausfalls nicht gezogen werden. „Aber unsere Filialen sind am Mittwoch nur bis 13 Uhr geöffnet. Daher war unsere Kundenberatung nicht wirklich beeinträchtigt. Was wir definitiv aus der Sache mitnehmen, ist, dass ausreichende Notstromreserven unabdingbar sind“ , sagt Sanftleben.

Wie die großen Unternehmen kämpften auch die Einzelhändler in Lübeck und der Region mit dem Stromausfall. „Große Geschäfte wie Karstadt waren wegen der Gefahr von Diebstählen geschlossen. Außerdem kamen weniger Kunden aus dem Umland in die Innenstadt, um einkaufen zu gehen. Busse, die zum Citti Park fuhren, sagten ihre Fahrten ab“, sagt der Vizepräsident des Einzelhandelsverbandes Nord, Hans-Jürgen Frick. Das führte zu einem effektiven Umsatzverlust des Einzelhandels, die der Experte auf eine halbe Million Euro schätzt. „Diese Verluste können die Geschäfte in den nächsten Tagen nicht aufholen“, sagt Frick.

Für die Zukunft rät Can Özren den Unternehmen, insbesondere im IT-Bereich genügend Energienotreserven vorzuhalten. Das sei wichtig, damit bei einem Stromausfall wichtige Daten gesichert würden und die Kommunikation aufrechterhalten bleibe, sagt der IHK-Pressesprecher.

 Von Fabian Boerger

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