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Lübeck Untersuchen, impfen, operieren: Voller Einsatz für kranke Tiere
Lokales Lübeck Untersuchen, impfen, operieren: Voller Einsatz für kranke Tiere
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18:15 26.10.2013
Lübeck

9.17 Uhr: Schwanzwedelnd steht „Ede“ auf dem Behandlungstisch und blickt zu Tierärztin Babett Klandt. Die 27-Jährige hält ein Stethoskop in der Hand.

Vorsichtig beginnt sie, den 15 Wochen alten Westfalenterrier damit abzuhören. Der Welpe ist zum zweiten Mal in der Tierärztlichen Klinik für Kleintiere an der Ratzeburger Allee zu Gast. Er muss nachgeimpft werden, unter anderem gegen Staupe.

Eigentlich wollte Besitzerin Marita Bolsmann bereits vor einer Woche mit dem Tier in der Klinik vorbeischauen. Doch sie schaffte es zeitlich nicht, weil sie so viel arbeiten musste. „Das ist ein Problem“, sagt Klandt und blättert nachdenklich in ihren Unterlagen. „Zwischen den Impfterminen sollten maximal vier Wochen liegen. Diese Zeitspanne haben wir überschritten.“ Damit „Ede“ dennoch sicher geschützt sei, müsse er nun noch ein drittes Mal geimpft werden.

Ansonsten ist die Tierärztin aber mit „Ede“ zufrieden: Das Herz schlägt im Takt, das Gebiss sieht gut aus, und auch der Körperbau ist einwandfrei. Letzteres veranschaulicht Klandt mithilfe eines künstlichen Hundeskeletts. „Die letzten Rippen sind bei Hunden nicht mit dem Brustbein verwachsen“, sagt sie. „Viele Besitzer sind deshalb besorgt. Aber das ist ganz normal.“

9.31 Uhr: Nachdem „Ede“ den Behandlungsraum verlassen hat, holt Babett Klandt eine Röntgenaufnahme von einer Katze hervor und lässt die Auszubildende Lena Weiß

darauf schauen. Das Tier wurde am frühen Morgen unter Narkose geröntgt. Es leidet seit einigen Wochen unter Lahmheit. „Vor einer Woche haben wir dem Besitzer Schmerzmittel mitgegeben, aber die haben nicht geholfen“, sagt die Tierärztin. Das Röntgenbild zeigt nun, warum das so ist: Die Katze hat einen Knochenbruch am Becken. Klandt: „Sie muss operiert werden.“

9.42 Uhr: Ein Stockwerk tiefer kümmert sich Klinikleiterin Vanessa Wrieg um Golden Retriever „Sheela“. Die Hündin plagt sich seit drei Monaten mit einer Erkrankung des Nervensystems herum. „Das kann bis zur Lähmung führen“, sagt Wrieg und streichelt „Sheela“ beruhigend über den Rücken. Damit das Tier trotz Krankheit beweglich bleibt, bekommt es zweimal pro Woche eine Physiotherapie. Wrieg lässt den Golden Retriever dabei zunächst über ein Wasserlaufband gehen. Am Computer stellt sie die Geschwindigkeit auf 0,6 Kilometer pro Stunde ein.

Frauchen Heike Oldenburg hält der Hündin Leckerlis vor die Nase, damit sie über das Laufband trabt. „Fein. Super machst du das“, lobt Wrieg das Tier. Bei den meisten Hunden laufe es auf diese Weise ab. „Einige locken wir aber auch mit ihrem Spielzeug. Wenn wir mit einem Ball 20 Minuten quietschen müssen, kann das allerdings ganz schön nervig sein.“ „Sheela“ muss diesmal zwölf Minuten durch das Wasser laufen. Anschließend wird der Hund für eine ähnlich lange Zeit unter eine Wärmelampe auf ein Magnetfeld gestellt. Wrieg: „Das soll die Nerven anregen und die Durchblutung fördern.“

10.06 Uhr: „Sheela“ darf nach der Physiotherapie mit ihrem Frauchen zurück nach Hause. Das ist nicht bei allen Tieren so. Wer eine längere Behandlung benötigt, bleibt in der Krankenstation im Keller. Dort stehen mehrere Boxen mit Hunden, Katzen, Kaninchen und sogar einem Igel. Letzteren hat eine Lübeckerin zum Aufpäppeln vorbeigebracht. „So etwas kommt oft vor“, sagt Wrieg. „Wir haben auch schon verletzte Rehe versorgt.“ Wenn es den Wildtieren wieder besser geht, bringen die Mitarbeiter sie zurück in die freie Natur. Auch Zirkustiere hatte Vanessa Wrieg bereits als Patient. Der Circus Roncalli hat zum Beispiel mal seinen Dobermann bei ihr behandeln lassen.

10.11 Uhr: Es wird voller in der Praxis. Am Empfangstresen begrüßt Vanessa Wriegs Mutter Annette die neuen Kunden. Einer von ihnen ist Dieter Mahlau. Der Lübecker will mit seinem Hund „Elvis“ zum Impfen. Der Mann ist besorgt, denn das Tier hat schon seit Längerem eine Hautentzündung an der Vorderpfote. Liebevoll streichelt er seinem „Elvis“ über den Kopf. „Ich habe ihn vor sechs Jahren aus dem Tierheim geholt“, sagt Mahlau. „Damals war er noch ganz klein. Keiner wollte ihn haben.“

10.17 Uhr: Vanessa Wrieg muss in den Operationssaal. Eine Katze hat sich beim Kampf mit einer Artgenossin schwer verletzt. Sie hat bereits ein Narkosemittel bekommen und muss nun schnell operiert werden. „Es ist immer viel los bei uns“, sagt die Tierärztin, bevor sie in den Keller verschwindet.

Janina Dietrich

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