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Lübeck Untertrave: Bürger protestieren gegen geplanten Kahlschlag
Lokales Lübeck Untertrave: Bürger protestieren gegen geplanten Kahlschlag
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15:23 15.12.2016
Naturschützer, Bürger und Politiker protestieren gegen die geplante Fällung der Linden an der Untertrave. Quelle: Maxwitat
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Innenstadt

48 Winterlinden, die im Durchschnitt über 50 Jahre alt sind, sollen an der Untertrave gefällt werden. Die Stadt will den westlichen Altstadtrand zu einer Flaniermeile umgestalten. 15,6 Millionen Euro wird die Frischzellenkur kosten. Dazu zählt auch die Neupflanzung von rund 60 Bäumen, stellenweise ist eine Allee mit neuen Bäumen geplant. Gegen diese Pläne regt sich jetzt Widerstand.

Naturschützer, Bürger und die GAL-Fraktion aus dem Rathaus fordern, die bestehenden Linden zu erhalten. Und kündigen drastische Proteste an. „Ich werde mich an die Bäume ketten, wenn die Arbeiter mit der Säge anrücken“, sagt eine kampfeslustige Annette Schoner. Auch die GAL-Fraktionsvorsitzende Antje Jansen erklärt: „Ich werde mich ebenfalls an Protestaktionen beteiligen.“

Er sei entsetzt, wie die Stadt mit den Bürgern umgehe, kritisiert Oskar Schoner, der mit seiner Frau Annette seit fünf Jahren in Lübeck wohnt. Für Bienen seien gerade Linden „eine wichtige Weide“, berichtet Schoner, und sie würden besonders viel Sauerstoff liefern. Das bestätigt Christa Fischer, eine der Sprecherinnen von 26 Umweltverbänden in Lübeck: „Linden sind besonders kräftig, das gibt ein ganz gewaltiges Insektenkonzert.“ Fischer vermutet, „dass es die Bauarbeiten erleichtert, wenn vorher mit den Bäumen Tabula rasa gemacht wird“. Die Anpflanzung von neuen Bäumen an verkehrsreichen Straßen sei schwierig, gibt die Umweltaktivistin zu bedenken. Auch der Naturschutzbund Lübeck protestiert gegen die geplante Fällaktion. „Es braucht 20 bis 30 junge Bäume, um einen ausgewachsenen Baum zu ersetzen“, argumentiert Nabu-Vertreter Helmut Kaup.

48 Winterlinden, die im Durchschnitt über 50 Jahre alt sind, sollen der Umgestaltung des westlichen Altstadtrandes weichen. Fotos: W. Maxwitat

Die GAL-Fraktion hat für den Bauausschuss am Montag, 6. Juni, einen Antrag gestellt. GAL-Politiker Carl Howe: „Wir wollen, dass die Linden erhalten werden.“ Die Umgestaltung der Untertrave müsse entsprechend geplant werden. Der Forderung schließt sich die ebenfalls neue Bürgerschaftsfraktion Freie Wähler & Die Linke an. Bürgerschaftsmitglied Ragnar Lüttke: „Wir sind für den Erhalt der Bäume, der Eisdiele und der Fischhütte.“ Nach Informationen der Bürger und Naturschützer ist die Fällgenehmigung bereits beantragt.

Von der Stadtverwaltung gibt es dazu keine Informationen. Berichtet wird lediglich, dass die Verwaltung ein Baumgutachten zu den Winterlinden eingeholt habe. Was da drin steht, will die Verwaltung am Montag im Bauausschuss mitteilen. „Wir wollen die Umgestaltung“, sagt Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses, „und am Ende werden dort mehr Bäume stehen als bisher.“ Linden seien zudem nicht die beliebtesten Bäume, weil sie einen klebrigen Saft absondern. Trotzdem sollten so wenige der Linden gefällt werden wie möglich.

„Natürlich ist es nicht toll, wenn noch gesunde Bäume gefällt werden“, sagt Ulrich Pluschkell, SPD- Mitglied im Bauausschuss. Die Winterlinden würden aber laut Gestaltungskonzept an der falschen Stelle stehen. Pluschkell: „Die Bäume stehen dem landschaftspflegerischen Konzept im Weg. Wenn sie bleiben sollen, brauchen wir ein anderes Konzept.“

Unterstützung für den GAL-Antrag kommt von den Grünen. „Ein guter Stadt- und Landschaftsplaner muss die bestehenden Bäume mit in die Planung einbeziehen“, erklärt Silke Mählenhoff, Mitglied des Umweltausschusses. Wenn die Winterlinden gesund seien, gebe es keinen Grund, sie wegzunehmen. Mählenhoff: „Das sind stattliche Bäume, die sind schöner als die Erlen an der Obertrave.“

Der Wegfall der Linden an der Untertrave macht den Politikern auch zu schaffen, weil Lübeck gerade als bienenfreundliche Kommune ausgezeichnet wurde. Bienen würden sandige Böden, blühende Bäume, Stauden und Sträucher benötigen. Mählenhoff: „Dass die Linden, die Bienenfutter bieten, nicht erhalten werden sollen, ist bitter.“

 Kai Dordowsky

Kommentar: Sven Wehde (41) über die geplante Fällung der Winterlinden an der Untertrave.

Bei der Umgestaltung der Untertrave droht der „Öko- Krieg“. Protestler wollen sich womöglich sogar an die Linden ketten, um deren Fällung zu verhindern. Das ist übertrieben.

Vielleicht sollten die Politiker erstmal in der Bürgerschaft miteinander reden, ob es eine gemeinsame Lösung gibt. Und wenn es die nicht gibt, entscheidet die Mehrheit. So ist das nunmal in der Demokratie. Und wenn diese Mehrheit sich für eine neue Promenade entscheidet, bei der Linden weichen müssen, ist das zu akzeptieren. Diese Entscheidung muss möglich sein, sonst können wir unsere Stadt bald gar nicht mehr neu gestalten.

Schließlich geht es hier nicht um 200 Jahre alte Eichen, sondern weitaus jüngere Bäume. Zudem sollen diese durch noch mehr neue Bäume ersetzt werden. Nicht anders funktioniert auch die Forstwirtschaft. Da werden jedes Jahr Bäume gefällt und dafür neue gepflanzt. Da könnte man sich auch im Wald anketten, nur ist das eben nicht so plakativ wie an der Untertrave.

 

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