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Lübeck Upcycling für nachhaltigen Modespaß
Lokales Lübeck Upcycling für nachhaltigen Modespaß
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22:23 10.08.2018
Yasemin Düzen (l.), seit 1986 in der interkulturellen Frauenarbeit engagiert, und Silke Meyer, Leiterin des Frauenwerks, freuen sich über die bereits fertigen Teile. Im November sollen die besten Stücke bei einer Mode-Gala präsentiert und für einen wohltätigen Zweck verkauft werden. Quelle: Fotos: Felix König
St. Lorenz Nord

Îhre Bewährungsprobe haben sie schon bestanden, beim Hansekultur-Festival, auf dem Laufsteg, als sie Teile ihrer neuen Kollektion bereits vorgestellt haben. „Die Resonanz auf ,Chic. Fair.

„Chic. Fair. Weltbewusst.“ So heißt das Modelabel, das vom Frauenring und der Gemeindediakonie entwickelt wurde. Damit soll ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität gesetzt werden. Als vorläufiger Abschluss des Projektes um nachhaltiges Nähen ist eine Modenschau geplant.

Weltbewusst’ war sehr gut“, erinnert sich Silke Meyer und zeigt Fotos der kleinen Schau. Aber im November soll alles noch umfangreicher werden, wenn sie die schönsten Ergebnisse ihres Jahresprojektes – natürlich auch zum Kauf – vorstellen wollen. Es geht um „Upcycling-Mode für nachhaltigen Modespaß“.

„Wir möchten den schnelllebigen, unbeständigen Modetrends etwas entgegensetzen, mit Slow Fashion und Textilkonsum mit Umweltbewusstsein“, betont Meyer, die Leiterin des evangelischen Frauenwerks Lübeck-Lauenburg ist. „Wir wünschen uns einen fairen und nachhaltigen Umgang mit Textilien. Dafür müssen wir lernen, Kleidung wieder mehr wertzuschätzen“, so ihr Credo.

Darum hat sie gemeinsam mit Angela Gläser vom deutschen Frauenring und Pastorin Dörte Eitel von der Gemeindediakonie schon im vergangenen Jahr ein „Upcycling“-Jahresprojekt ins Leben gerufen. Als Auftakt gab es eine Kleidertauschparty unter dem Motto „Feine Sache, Kleidertausch“. Es folgten Veranstaltungen und Info-Workshops über menschenunwürdige Textilproduktion, fairen Handel und Konsumkritik.

„Wir wollen zudem aufzeigen, welche Mode-Schätze aus vermeintlichem Müll entstehen können“, so Gläser. Und Silke Meyer ergänzt: „Dafür haben wir bestehende Nähgruppen des Evangelischen Frauenwerks motiviert und neue ins Leben gerufen, die mit viel Kreativität aus Altkleidern wieder neue, schicke Einzelstücke zaubern.“

So entstehen Woche für Woche unter anderem „neu designte“, kreative Blusen, Kleider, Hemden und Hosen, aber auch Mützen und Schals. „Bunte Krawatten, die keiner mehr haben will, stehen bei uns zurzeit sehr hoch im Kurs“, erzählt Silke Meyer. Damit verschönere man als Applikation oder zusätzliches Accessoire erfolgreich einzelne Teile. „Das kommt sehr gut an“, weiß sie.

Mit Yasemin Düzen aus der Interkulturellen Frauenarbeit sowie der gelernten Schneiderin Leyla Onat und den eingespielten Nähgruppen hat sie tatkräftige Unterstützung an ihrer Seite.

Der Näh-Trend hält seit Jahren an, und das Thema Nachhaltigkeit gewinnt gesellschaftlich mehr und mehr an Bedeutung. „Vor allem unserer Jugend muss klar werden, dass es in der Modewelt kein ,immer weiter so’ geben darf und kann, denn Fast-Fashion-Trends führen langfristig zur Ausbeutung von Mensch und Umwelt“, sagt Dörte Eitel von der Gemeindediakonie.

Nun arbeiten die Frauen auf den großen Abschluss hin; am 2. November soll es eine Mode-Gala geben. Jedoch ist der Projektabschluss keineswegs als Ende des Engagements der Frauen gemeint. Silke Meyer:

„Denn wir verstehen uns als Initiatorinnen. Die Idee soll weitergetragen werden, zum Beispiel im Rahmen einer Interessensgemeinschaft. Interessierte können sich bei uns im Steinrader Weg 11 jederzeit gerne melden; wir geben unser Wissen weiter und freuen uns, wenn unsere Idee Nachahmer findet.“ Somit könne dann auch das geschützte Modelabel fortgeführt werden.

Alle, die sich intensiver für das Projekt interessieren, erhalten weitere Informationen bei Silke Meyer unter smeyer@kirche-LL.de oder unter 0176/1979 0248.

Neue Upcycling-Angebote

60 neue Kleidungsstücke im Jahr, mehr als ein Kleidungsstück pro Woche, kauft jeder Deutsche laut Statistik. Und im Schnitt wandert das einzelne Kleidungsstück nach nur vier Mal tragen in den Altkleidercontainer, wenn nicht gar in den Restmüll. Was am Ende bleibt, ist eine erschreckende Ökobilanz. Für nur ein T-Shirt werden 15000 Liter Wasser und 200 Gramm umweltschädliche Chemikalien verbraucht, außerdem bis zu neun Kilogramm klimarelevantes Kohlendioxid ausgestoßen.

Eine große Modenschau möchte das Upcycling-Projekt von Frauenring und Gemeindediakonie am Freitag, 2. November, um 16 Uhr im Jugendhaus am Burgtor präsentieren. Die trendigen Kleidungsstücke können im Anschluss käuflich erworben werden.

Ein weiteres Upcycling-Angebot gibt es in der Moislinger Allee 218. Dort hat das Deutsche Rote Kreuz einen Secondhandshop eröffnet. Das Geschäft mit Namen Stoffreich bietet neben dem Upcycling-Projekt auch einen Kleiderladen und eine Änderungsschneiderei.

Michael Hollinde

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