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Lübeck Urteil im Marihuana-Prozess: Drei Angeklagte müssen jahrelang ins Gefängnis
Lokales Lübeck Urteil im Marihuana-Prozess: Drei Angeklagte müssen jahrelang ins Gefängnis
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10:46 24.02.2016
Der Richter sah es als erwiesen an, dass die Männer mit 20 Kilogramm Marihuana Handel betrieben hatten. Quelle: Hellerling

Hassan K. schaut zu Boden und fasst sich mit der Hand an seine Stirn, als der Vorsitzende Richter Kai Schröder das Urteil im sogenannten Marihuana- Prozess verkündet.

Das Landgericht verurteilte den 34-Jährigen wegen Handeltreibens mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge in sieben Fällen zu vier Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe. Sein bereits vorbestrafter Komplize Stefan L. (54) muss wegen Handeltreibens mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge und Besitzes von Betäubungsmittel drei Jahre und zehn Monate hinter Gitter.

Das Gericht sah es ebenfalls als erwiesen an, dass der dritte Angeklagte Mesut A. (23, alle Namen geändert) den Männern als Fahrer beim Drogenverkauf geholfen hat. Er wurde zu drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Zur Aufhebung der Haftbefehle, wie von der Verteidigung gefordert, sah Richter Schröder gestern keine Veranlassung.

Die Angeklagten hatten von Juli bis Oktober 2014 kiloweise Marihuana in Hamburg gekauft und in Lübeck veräußert. Im Oktober wurde Mesut A. von der Polizei an der Autobahn-Ausfahrt Lübeck-Zentrum festgenommen, in seinem Auto wurden zwölf Kilogramm Marihuana sichergestellt. Später wurden auch Hassan K. und sein Komplize Stefan L. festgenommen. Das Gericht ging von insgesamt etwa 20 Kilogramm Marihuana aus, mit dem die Männer Handel betrieben haben. Zunächst wurde von etwa 52 Kilogramm ausgegangen. Richter Kai Schröder bezog sich in den 23 Verhandlungstagen auf die Angaben der Angeklagten und auf die beschlagnahmte Menge, die im Auto von Fahrer Mesut A. gefunden wurde.

Das Gericht stützte sich in seinem Urteil auf die Forderung der Staatsanwältin Britta Berkenbusch, die für jahrelange Haft plädiert hatte. „Die Beweislage war erdrückend“, sagte Schröder, „für alle drei.“ Nach langer Verhandlung hätten die Angeklagten nur ein eingeschränktes Geständnis abgelegt. „Es hätte sich angeboten, früher mit dem Geständnis hervorzutreten“, so Schröder. Tags zuvor hielten die drei Verteidiger der Angeklagten ihre Plädoyers. Darin forderte Rechtsanwältin Lena Alpay- Esch für ihren Mandanten Hassan K. nicht mehr als drei Jahre Haft. Rechtsanwalt Frank-Eckhard Brand beantragte für Stefan L. eine „milde“

Freiheitsstrafe. Für Mesut A. forderte Verteidiger Andreas Mroß die — inzwischen abgesessene — Haftzeit von 16 Monaten und 18 Tagen auf Bewährung auszusetzen. Nach den Anträgen hatten die Angeklagten noch einmal die Gelegenheit, das Wort zu ergreifen. Hassan L. sagte, es täte ihm leid, nach 17 Monaten U-Haft wisse er inzwischen, was wichtig sei im Leben und was nicht. Auch Mesut A. sagte, er bereue die Straftaten. Stefan L. bat das Gericht, ihm eine angemessene Strafe zu geben.

Richter Schröder sagte abschließend: „Nach wie vor ist Marihuana eine gefährliche Droge besonders für Kinder und Jugendliche.“

Beke Zill

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