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Lübeck Ver.di-Streik: Zehn Kitas dicht, Autofahrer standen im Stau
Lokales Lübeck Ver.di-Streik: Zehn Kitas dicht, Autofahrer standen im Stau
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22:16 26.04.2016
550 Gewerkschaftsmitglieder marschierten gestern zwei Stunden durch Lübeck — hier waren sie auf der Possehlbrücke. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Magda Tattermusch hätte gern auch noch den Lindenteller kurzzeitig lahmgelegt. Aber die Demonstrationsroute der Gewerkschaften sorgte auch so gestern Vormittag für erhebliche Verkehrsbehinderungen am Berliner Platz, am Mühlenteller, in der Kronsforder Allee und in der Mühlenstraße. 550 öffentlich Beschäftigte waren dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di gefolgt und gingen gestern in einen ganztägigen Warnstreik.

„Es war eine schöne Erfahrung, den Berliner Kreisel lahmzulegen.“Magda Tattermusch (Ver.di)
„Wir können nicht mehr hören, dass wir immer weiter sparen sollen.“Andreas Wübben (Ver.di)
„Es war eine schöne Erfahrung, den Berliner Kreisel lahmzulegen.“Magda Tattermusch (Ver.di)
„Wir können nicht mehr hören, dass wir immer weiter sparen sollen.“Andreas Wübben (Ver.di)

Die Folgen bekamen vor allem die Eltern von kleinen Kindern zu spüren. Von den 26 städtischen Kitas waren nach Angaben der Stadtverwaltung zehn ganz geschlossen und zehn weitere arbeiteten mit Notgruppen. Drei Schulsekretariate waren nicht besetzt. In den Stadtteilbüros sei es zu „geringfügig längeren Wartezeiten“ gekommen, sagte eine Stadtsprecherin. 60 von 560 Mitarbeitern der städtischen Seniorenheime legten die Arbeit nieder. Personalratsvorsitzende Beate Herrmann: „Wir haben eine Notbesetzung in den Häusern. Die muss immer vor Ort sein.“ Vom Wasser- und Schifffahrtsamt am Moltkeplatz hatten sich über 20 Beschäftigte dem Ausstand angeschlossen, berichtete der Personalratsvorsitzende Torsten Pöschl. Auch die Lehrergewerkschaft GEW war beim Streik vertreten.

„Man wird uns wahrnehmen“, hatte Ver.di-Bezirksgeschäftsführer Jörg Wilczek angekündigt. Vor allem Autofahrer bekamen die zeitweilige Sperrung wichtiger Straßenzüge zu spüren. Der Stadtverkehr beorderte sieben Linien zwischen 10 und 10.50 Uhr auf Umleitungsstrecken, um die Streikroute zu umgehen. „Ansonsten waren die Auswirkungen der Demo eher unspektakulär“, erklärte Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke. Die Busfahrer traten nicht in den Ausstand. „Der Tarifvertrag läuft noch bis zum Jahresende“, sagte Zielke.

Die Stadtwerke konnten trotz 200 fehlender Kollegen ihren Betrieb aufrechterhalten, versicherte Unternehmenssprecher Lars Hertrampf. Im Servicecenter seien Kollegen aus anderen Abteilungen eingesprungen, der Netzbetrieb des Versorgers lief ohne Einschränkungen, die Leitstellen waren alle besetzt. Auch in den Schwimmbädern herrschte das übliche Geschäft. „Bei uns hat kein Einziger gestreikt“, sagte die stellvertretende Werkleiterin Dorte Niehus.

6000 Lübecker sind von einem Tarifabschluss des öffentlichen Dienstes mittelbar oder unmittelbar betroffen, rechnet Ver.di vor. Viele von ihnen ließen sich nicht auf der Straße blicken. Um kurz nach 10 Uhr passierte der Demozug das Verwaltungszentrum Mühlentor. Mit einem Pfeifkonzert bedachten die Streikenden die Beschäftigten im Verwaltungszentrum, die an den Fenstern standen und winkten.

Ver.di-Bezirksgeschäftsführer Wilczek forderte Sozialsenator Sven Schindler (SPD) per Megafon auf, „seinen Leuten zu geben, was ihnen zusteht.“

Auf der Abschlusskundgebung vor dem Gewerkschaftshaus nannte Gewerkschaftssekretärin Barbara Kammer das Angebot der Arbeitgeber „eine Frechheit“. Gewerkschaftssekretär Andreas Wübben erklärte, dass „sich die Stadtwerke sechs Prozent mehr Gehalt für die Beschäftigten leisten können“. Und Gewerkschaftssekretärin Tattermusch forderte mehr Respekt für den öffentlichen Dienst ein: „Stellt euch vor, Lübeck hätte keine Feuerwehr, keine städtischen Seniorenheime, keine Kitas.“

Angebot und Forderung

6 Prozent mehr Gehalt und 100 Euro mehr Vergütung für Auszubildende und Praktikanten fordert Ver.di für den öffentlichen Dienst.

Außerdem sollen die Arbeitgeber nicht an der Alterszusatzversorgung rütteln und Azubis nach der Ausbildung übernehmen.

3 Prozent verteilt auf zwei Jahre bieten die Arbeitgeber von Kommunen und Bund an. Außerdem sollen sich die Arbeitnehmer stärker an der Altersversorgung beteiligen. Morgen findet die nächste Verhandlung statt.

Von Kai Dordowsky

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