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Lübeck Vergiftetes Rührei: Mordversuch vor 267 Jahren
Lokales Lübeck Vergiftetes Rührei: Mordversuch vor 267 Jahren
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21:12 08.03.2016

Das Lübecker Stadtarchiv birgt manch spannende Geschichte. So auch die elf Gerichtsakten, die einen aufsehenerregenden Kriminalfall aus dem Jahr 1749 dokumentieren. Die Tat, ein versuchter Giftmord, ereignete sich in dem beschaulichen Dorf Curau. Der Ort, heute zur Gemeinde Stockelsdorf gehörig, war damals zur Hälfte im Besitz des Heiligen-Geist-Hospitals in Lübeck, das dort auch die Gerichtshoheit ausübte.

Die Ehe von Maria Elisabeth und dem Branntweinbrenner Christian Andreas Mohnsen war zu jener Zeit nicht die beste. Der Mann hatte im Juni 1748 ein Verhältnis mit der Magd Margaretha Dorothea angefangen. Die Geliebte wurde schwanger. Der Ehemann, der seiner Frau Maria offenbar überdrüssig war (diese erwartete ebenfalls ein Kind), heckte einen finsteren Plan aus: Am 19. Januar versuchte er seine Ehefrau mit vergiftetem Rührei umzubringen. Die Frau bemerkte jedoch beim ersten Bissen einen eigenartigen Geschmack, woraufhin Mohnsen den Inhalt der Schüssel Katze und Hund zum Fressen gab. Seine Ehefrau überlebte, die Tiere hatten jedoch weniger Glück: Beide verstarben kurze Zeit später.

Daraufhin brachte der Pastor des Ortes den Fall zur Anzeige. Der gescheiterte Mörder und seine Geliebte wurden vernommen.

In ihrem Vernehmungsprotokoll gab die Magd den Ehebruch zu. Jedoch seien ihre Treffen mit Mohnsen nicht freiwillig gewesen.

Der untreue Ehemann beschuldigte seinerseits seine Geliebte und versuchte, sie als liederlich und lasterhaft hinzustellen. Sie habe sich auch mit anderen Männern eingelassen — und er sei sich nicht sicher, wirklich der Vater des Kindes zu sein.

Nach der Vernehmung tauchten beide unter. Mohnsen wurde in Abwesenheit der Ländereien und der Güter des Heiligen-Geist-Hospitals verwiesen, die Ehe am 21. März 1750 auf Bitte der Frau hin geschieden.

Ein Jahr später kam der Mann jedoch nach Curau zurück. Daraufhin übergaben ihn die Verwalter des Heiligen-Geist-Hospitals zwei Wochen später am Holstentor einem Sergeanten, der seine Überführung nach Schweden und die dortige Verwahrung in einem Gefängnis sicherstellen sollte.

Wie man auf Schweden kam, ist heute unklar. Das Schicksal der untergetauchten schwangeren Magd verliert sich im Dunkel der Geschichte.Jette Jaekel/Jan Lokers

LN

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