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Lokales Lübeck Das sind die Pläne für die Lübecker Innenstadt
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12:24 20.04.2019
200 Bürger erfuhren bei einer Infoveranstaltung der Stadt in der Handwerkskammer aus erster Hand, wie der Verkehr in der Lübecker Innenstadt künftig fließen soll und wo neue Plätze entstehen. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Überschwängliches Lob vom Vorsitzenden des Seniorenbeirates. „Das ist ein überwältigendes Ergebnis“, sagte Götz Gebert auf der Infoveranstaltung der Stadt. Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) und Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) und drei Planer präsentierten den „Rahmenplan Innenstadt mit Mobilitätskonzept“.

Das sind die Reaktionen

„Wenn es schrittweise eingeführt wird, dann kann es etwas werden“, zeigte sich die Studentin Antonia Kruse angetan von den Ergebnissen, „aber ich weiß nicht, ob die Politiker in der Bürgerschaft die Umsetzung wagen.“ Autos zu verdrängen sei richtig, sagte Student Benedikt Zdunek, „aber dann muss der Verkehr um die Innenstadt herum fließen können, sonst bricht Chaos aus.“ Konkrete Pläne würden jetzt auf dem Tisch liegen, sagte Uwe Pörksen, der in der Altstadt arbeitet: „Die Politiker sind jetzt gefragt, diese auch durchzusetzen. Die Befürchtung, dass alles zerredet wird, ist nicht von der Hand zu weisen.“

Diese große Sorge schwang in vielen Redebeiträgen mit. Donnernden Applaus erhielt Altstadtbewohner Andreas Hagenkötter für seinen Appell, „die Ergebnisse nicht zu zerreden.“ Hinrich Kählert, Vorstand von Stattauto, äußerte gegenüber den LN Zweifel, „ob das große Ganze übrig bleibt.“ Es dürfe jetzt keinen „Kampf um jeden Parkplatz“ geben.

Das ist der Plan

Das Mobilitätskonzept sieht drei Stufen vor, die Umsetzung wird viele Jahre dauern. Der Durchgangsverkehr von Burgtor bis Untertrave wird unterbunden, später sollen ein Teil der Untertrave und der Bereich um das Holstentor verkehrsberuhigt werden. Der Busverkehr in der Königstraße wird halbiert, die Straße wird so umgestaltet, dass Radfahrer in beide Richtungen rollen können. Die Fahrradstraße wird saniert, aber es wird keinen Radschnellweg durch die Innenstadt geben. Parkplätze werden reduziert, Besucher sollen am Altstadtrand oder in den Parkhäusern parken. Auf der ganzen Altstadtinsel soll Tempo 30 gelten. In Shared-Space-Zonen sogar nur Tempo 20. Vor dem Stadttheater entsteht ein neuer Platz, ebenso im Rosenquartier und in der Krähenstraße. Der Pergamentmachergang soll vom Parkplatz zum Innenhof werden. Insgesamt sollen 20 Projekte angepackt werden.

Rückenwind erhält der Stadtverkehr. „Ein schöneres Bekenntnis zum Busverkehr kann es nicht geben“, sagte ein strahlender Geschäftsführer Andreas Ortz. Der Stadtverkehr hatte Sorgen, mit seinen Linien aus der Königstraße verbannt zu werden. Das wurde abgebogen – nach intensiven Debatten, wie Stadtplaner Wolfgang Haller sagte: „Alle Busse fahren weiter durch die Innenstadt.“ Allerdings sollen drei oder vier der sieben Linien, die bisher durch die Königstraße rollen, verlegt werden. Kritisch sieht Geschäftsführer Ortz die Tempo-Reduzierung. „Mit 30 Kilometern pro Stunde bin ich einverstanden.“ Shared-Space-Zonen, in denen sich alle Verkehrsteilnehmer arrangieren müssen und in denen maximal Tempo 20 erlaubt ist, lehnt Ortz ab: „Dann wird der Busverkehr deutlich langsamer.“

Händler und Hauseigentümer unterstützen die Pläne

„Der Handel braucht eine lebendige Stadt und Autos gehören nicht dazu“, sagte Andreas Pahlke, Sprecher der Interessengemeinschaft Hüxstraße. Wichtig sei, dass die Innenstadt vor allem auch für den Lieferverkehr erreichbar bleibe. „Grundsätzlich weniger Autoverkehr ist auch aus Sicht der Hauseigentümer sinnvoll“, erklärte Sascha Sebastian Färber vom Verband Haus & Grund, „denn dadurch steigt die Lebensqualität auch für die Bewohner.“

Für Ute Schubert, die aus Marli mit dem Fahrrad in die Innenstadt pendelt, sind die Verbesserungen für Radfahrer wichtige Themen. Vor allem die geplante Sanierung der Fahrradstraße und die Öffnung der Königstraße in Gegenrichtung für Radler haben es ihr angetan. „Eine solche Regelung wäre ein echter Fortschritt.“ Auch Ute Schubert befürchtet, dass „nur die Hälfte der Pläne umgesetzt wird.“

Bürgermeister Lindenau und Bausenatorin Hagen bremsten die Erwartungen der Bürger. Die Entscheidungen würden die Politiker treffen. „Ich hoffe, dass wir zu klaren Entscheidungen kommen“, sagte Lindenau. Und Hagen erinnerte an die Geschichte der Verkehrsversuche: „Da ist viel Unsicherheit entstanden.“

Kai Dordowsky

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