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Lübeck Versöhnung mit den Heiligen in St. Jakobi
Lokales Lübeck Versöhnung mit den Heiligen in St. Jakobi
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20:31 18.10.2017
Assistieren Lili Fischer, die sich schon einmal in ein Gewand gehüllt hat (v. l.): Lutz und Kathrin Jedeck sowie Björn Engholm. Quelle: Foto: Sabine Risch

Wallende Stoffe in symbolträchtigen Farben, gewunden zu Gewändern, spielen die Hauptrolle, wenn die gebürtige Travemünderin, die an diversen Kunstakademien lehrte und bekannt ist für ungewöhnliche Performances, am Reformationstag in St. Jakobi agiert. Schon mehrfach hat sie mit Björn Engholm zusammengearbeitet, „zum Beispiel bei Freiübungen für Politiker“, erzählt die zierliche Frau mit den großen Augen. Engholm war es nun auch, der sie für den Gottesdienst in der Jakobikirche vorgeschlagen hatte – ein Experiment, auch für die Pastoren Katrin und Lutz Jedeck.

Hintergrund: Luther werde, so Jedeck, immer wieder als heiligenfeindlich dargestellt. „Dabei hat er nur gesagt, man brauche die Heiligen nicht, um mit Gott in Kontakt zu treten.“ Gleichwohl trügen auch heute noch viele Menschen – auch Protestanten – Medaillons von Heiligen mit sich: Christopherus als Schutzheiliger finde sich in vielen Autos als Schutzpatron der Reisenden, Jakobus der Schutzpatron der Pilger. „In unserer Kirche“, sagt Jedeck mit Blick auf die vielen Wandmalereien, „sind wir umgeben von Heiligen.“ Er finde es spannend, „sich 500 Jahre nach der Reformation mit Heiligen auseinanderzusetzen“. Der besondere Reformationsgottesdienst, ergänzt Kathrin Jedeck, „soll eine Art Versöhnung mit den Heiligen sein.“

Künstlerin Lili Fischer indes hat, nach einer schweren Fuß-OP in Krankenhaus und Reha weilend, die Zeit genutzt, um zu forschen. In mittelalterlichen Bildern entdeckte sie, dass die Gewänder „äußernde oder sprechende Wirkung hatten“. Je nach Farbe oder Faltenwurf stellten sie, in Kombination mit Gesicht und Händen der dargestellten Personen, Eigenschaften wie Demut, Hochmut, Furcht oder aber Macht dar.

Im Gottesdienst zum Reformationstag möchte Künstlerin Lili Fischer mit Tüchern in ihrer Performance Gewänder von Heiligen sprechen lassen. Luther ist übrigens auch dabei, wobei noch nicht feststeht, ob Björn Engholm ins schwarze Gewand schlüpft oder Lutz Jedeck.

In der Winterkirche von St. Jakobi installiert Lili Fischer zum Reformationstag „Himmlische Anleihen“, Bilder von Heiligen aus Mittelalter und Barock. Die Besucher selbst können, sofern sie Lust haben, vor diesen Bildern mit Gewändern experimentieren und sich dabei fotografieren lassen. Zum Schluss des ungewöhnlichen Gottesdienstes möchte die Künstlerin mit Spruchbändern „das Begriffliche der Gewänder“ deutlich machen. Es geht um Begriffe wie Demut oder Verzicht – „oder Frohsinn“, wie Engholm sagt, „denn auch die Freude darf nicht zu kurz kommen.“

Musik und Performance

Um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst am 31. 10. in der Seefahrer- und Pilgerkirche St. Jakobi.

Gestaltet wird er von den Pastoren Lutz und Kathrin Jedeck, von Björn Engholm und Lili Fischer. Musikalisch ist laut Kathrin Jedeck ein „Crossover“ aus klassischer Musik und Jazz zu erwarten.

Wer mehr über Künstlerin Lili Fischer und ihr Wirken wissen möchte: www.lilifischer.de. Auf der Homepage sind auch ihre Performances wie zum Beispiel die „Gewürzpredigt für Pfeffersäcke“ zu finden.

Sabine Risch

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