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Lübeck Verstecktes hinter rotem Backstein
Lokales Lübeck Verstecktes hinter rotem Backstein
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20:35 16.08.2017
Schwester Rosa, Mitglied des Ordens der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz steht mit den Regenbogen-Fahnen, einem internationalen schwul-lesbischen Symbol, vor dem Rathaus. Quelle: Fotos: Max Von Schwartz

„Wir wollen euch bei dieser schwul-lesbischen, erotischen Tour Orte der Lust, der Erotik und des Leides näherbringen“, erzählt der „Lustlotse“

Ein einzigartiger Stadtrundgang zeigt unbekannte und erotische Plätze in der Stadt.

Hartmut Evermann von der Lübecker AidsHilfe zu Beginn der besonderen Stadtführung. Im Rahmen der Lübecker Pride Week fand am Dienstagabend die traditionelle Stadtführung „Über rote Lichter und rote Kondome – Verstecktes hinter rotem Backstein“ statt. Bei diesem Rundgang geht es um schwul-lesbisches Leben in Lübeck, die Rotlichtszene und die Geschichte von homosexueller Liebe in Lübeck.

„Hier hat man sich dann früher immer zum sogenannten Schwulenklatschen getroffen“, berichtet Hartmut Evermann von der Lübecker Aids-Hilfe bei der geschichtsträchtigen Station am Katzenberg. Die in den Wallanlagen gelegene Anhöhe ist ein stadtbekannter Treffpunkt. „Früher haben sich hier Rechtsextreme versammelt, um mit Baseballschlägern auf die schwulen Besucher dieses Ortes loszugehen“, erzählt er den etwa 70 Menschen, die die Führung aufmerksam verfolgen.

Unter ihnen sind auch Micha und sein Freund Tim. Die beiden Lübecker möchten ihre vollen Namen nicht nennen. „Ich finde es richtig schlimm zu erfahren, wie mit Schwulen hier umgegangen wurde“, erzählt Micha, der auch häufiger in den Wallanlagen unterwegs war. Tim schließt sich ihm an: „Ich finde diese Führung sehr interessant und auch wichtig, damit mehr Lübecker die Szene besser kennenlernen.“

Die Tour durch die schwule und lesbische Welt der Hansestadt findet zum vierten Mal statt. „Wir bieten diese Führung einmal im Jahr vor dem Christopher Street Day (CSD) in Lübeck an“, sagt Evermann. Der Ursprung ist genauso ungewöhnlich wie die Führung selbst: „Damals hatte ich Kollegen der Aids-Hilfe aus Berlin zu Besuch. Sie waren zum zweiten Mal hier“, erinnert sich Evermann. „Da ich ihnen schon einmal das klassische Lübeck gezeigt hatte, kam ich auf die Idee, ihnen diese Erotikführung anzubieten.“ Daraus entwickelte sich dann die Führung, die von Jahr zu Jahr überarbeitet wird. Über das Erotikkino in der Lederstraße und eine ehemalige Schwulenkneipe geht es in die Clemensstraße, die das ehemalige Rotlichtviertel Lübecks ist. Davon ist nichts mehr übrig. Die Clemensstraße mit ihren Kneipen hat sich zu einem Hotspot für Studenten entwickelt. Dort erzählt Ralf Hotanen von seinem Projekt „schickSAAL*“: „Wir haben das Haus Nummer 7 in der Clemensstraße gekauft und wollen daraus nun ein Hostel mit Kneipe machen“, sagt der Lübecker. Das geschichtsträchtige Haus war das letzte Bordell in der Straße. Es schloss Ende 2006. Trotz der Geschichte hat Ralf Hotanen im Gebäude aber keine besonderen Reliquien gefunden. „Außer 75 Kubikmeter Müll haben wir nichts zu Tage fördern können.“ Am Rathaus, einer der letzten Stationen der erotischen Führung, haben sich bereits mehr als 100 Menschen dem bunten Zug angeschlossen. „Wir haben ein durchaus gemischtes Publikum. Touristen, Schwule und Lesben – und auch einfach interessierte Menschen“, erzählt Evermann. „Gemeinsam teilen wir die Vorfreude auf den CSD!“

Der CSD in Lübeck

Bis Ende der Woche findet in Lübeck die Pride Week statt. Sie gipfelt im Christopher Street Day (CSD), mit dem in europäischen Städten an gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Homosexuellen nach einer Razzia 1969 in New York erinnert wird. Der Lübecker CSD beginnt morgen mit einem Gottesdienst in der Bugenhagenkirche, Karavellenstraße 8. Im Anschluss findet das Warm-up des CSD-Straßenfestes an der Obertrave statt.

Von dort startet am Sonnabend um 13 Uhr die CSD-Parade.

von Max von Schwartz

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