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Lübeck Versuchter Mord: Verteidigung fordert Freispruch
Lokales Lübeck Versuchter Mord: Verteidigung fordert Freispruch
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20:29 03.11.2016
Anwalt Frank-Eckhard Brand plädierte auf Freispruch. Quelle: Maxwitat

Im Prozess gegen den 75-jährigen Vehbi S. (Namen geändert) hat Richter Christian Singelmann am Landgericht Lübeck gestern das Plädoyer der Verteidigung entgegengenommen. Verteidiger Frank-Eckhard Brand forderte Freispruch für den Angeklagten und stellte damit dieselbe Forderung wie die Staatsanwaltschaft.

Der aus der Türkei stammende Mann soll versucht haben, den damals 73-jährigen Irfan H. aus niederen Beweggründen zu töten. Er hatte geglaubt, dass seine damalige Ehefrau vor mehreren Jahren eine Affäre mit H. hatte. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seinen vermeintlichen Kontrahenten am Lübecker Zob mit mehreren Messerstichen in den Hals schwer verletzt zu haben. Das Opfer wurde notoperiert.

„Es wird keine Überraschung sein, dass wir uns der Staatsanwaltschaft anschließen. Der Angeklagte hat das Opfer im Wahn niedergestochen“, erklärte Brand. Oberstaatsanwältin Ulla Hingst hatte vor drei Wochen auf Freispruch plädiert, da ein psychologischer Sachverständiger zu der Auffassung gekommen war, dass der angeklagte 73-Jährige unter einer wahnhaften Störung leide. Weil Vehbi S. aber eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, sprach sich Hingst für eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus aus.

„Wir kommen nicht umhin festzustellen, dass der Angeklagte fortgeschrittenen Alters ist“, sagte Brand. Immer wieder bat der 75-Jährige den Dolmetscher Mustafa Kurtoglu, lauter zu sprechen. „Herr S.

ist in Deutschland nicht so angekommen, als das man sagen könne, er hätte sich die Wertvorstellungen zu eigen gemacht“, so Anwalt Brand. Ein Beweis dafür sei, dass der 75-Jährige immer wieder von der Währung Lira spreche anstelle von Euro und das, obwohl der Angeklagte seit langem in Deutschland lebe. Der 75-Jährige käme aus einem Kulturkreis, in dem das Recht der Blutrache herrsche.

Als Richter Singelmann dem Angeklagten das letzte Wort erteilte, fragte der aufgebrachte Vehbi S., warum das Opfer Irfan H. vor Gericht behaupte, dass die beiden Männer sich nicht kennen würden. „Sag mir doch, dass du schuldig bist“, rief H. mehrfach. Dolmetscher Kurtoglu versuchte zu übersetzen – als auch noch Zwischenrufe aus dem Publikum kamen. „Wir sind hier bei Gericht. Es geht nicht, dass Sie alle durcheinander reden“, machte Richter Singelmann klar, „und Mitteilungen aus dem Publikum verbitte ich mir.“

Die Urteilsverkündung wurde auf Mittwoch, 9. November, verschoben.

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