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Lübeck Verzweifelter Kampf gegen Vandalismus auf Schultoiletten
Lokales Lübeck Verzweifelter Kampf gegen Vandalismus auf Schultoiletten
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20:44 14.03.2018
Vandalismussichere Hygienespender, aus denen die Klorollen nicht entfernt werden können, werden bei der Sanierung von Sanitärräumen in den Schultoiletten eingebaut. Lars Launer (49) aus Sereetz präsentiert das Gerät in der Grundschule Falkenfeld. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Verstopfte Toiletten, Schmierereien an den Wänden, stinkende Bodenfliesen, Vandalismus – diese Probleme kennen Schulen seit Jahren. Eine Lösung gibt es bis heute nicht. Das unappetitliche Thema kocht wieder hoch, seit die GAL-Fraktion eine Beschwerde einer Lehrkraft der Willy-Brandt- Schule in den Schulausschuss der Bürgerschaft trug. In der Schlutuper Schule soll es an Toilettenpapier und Handwaschseife gefehlt haben.

An der Stadtpark-Schule werden Toilettengänge trainiert.

Sanierungsbedarf

Im Jahr 2015 ergab eine Überprüfung, dass 73 von 153 Toilettenräumen an Schulen dringend saniert werden müssten. Im vergangenen Jahr erhielt Lübeck rund 900 000 Euro extra vom Land für die Schulklos.

Die GAL forderte, „dass es in jeder Schultoilette die Möglichkeit geben muss, sich vor und nach dem Toilettengang die Hände mit Seife zu waschen und abzutrocknen“, erklärte Bürgerschaftsmitglied Katja Mentz: „Wir finden es unmöglich, dass Kinder und Jugendliche vor jedem Toilettengang um Papier bitten müssen oder gezwungen sind, sich selbst welches mitzubringen.“ Die GAL war überzeugt, dass das kein Einzelfall ist.

Die Umfrage der Verwaltung ergab, dass 48 Schulen keine Einschränkungen in den Toiletten vornehmen, aber fast alle Einrichtungen unter Vandalismus und Verschmutzung der WCs leiden. Sieben Schulen haben Sonderregelungen eingeführt. An der Mühlenwegschule nehmen sich die Kinder Toilettenpapier aus der Klasse mit aufs stille Örtchen. Die Schule Roter Hahn hält in den Klassen „To go“-Boxen mit Seife und Handtüchern bereit, während Papier auf dem WC vorhanden ist. Die Rangenberg-Schule entfernt phasenweise Klorollen und Papierhandtücher aus den Sanitärräumen. Die Schule am Stadtpark meldet Probleme vor allem mit den Jungen, die „das stille Örtchen häufig in einem desolaten Zustand verlassen“, heißt es in der Umfrage.

Die Schule am Meer hält Toilettenpapier vor, aber keine Seife, „weil damit möglicherweise Unfug getrieben werden kann“. Die Gotthard-Kühl-Schule berichtet, dass Klopapier in großen Mengen abgerollt wird und die Vorräte am späten Vormittag ausgehen. Außerdem wurde Flüssigseife auf den Fußböden verteilt. Die Heinrich-Mann-Schule teilt mit, dass Papier und Seife in jedem Klassenraum vorgehalten würden.

Stadt und Schulen suchen nach pädagogischen wie technischen Lösungen des Problems. Das städtische Gebäudemanagement entwickelt sogar einen vandalismussicheren Rollenhalter. Die Albert- Schweitzer-Schule will im Rahmen der Sanierung und der Erweiterung Jahrgangs-WCs schaffen, für die nur Schüler eines bestimmten Jahrgangs einen Schlüssel haben. Das soll die soziale Kontrolle erhöhen. Die Schule am Stadtpark holt die Eltern mit ins Boot, die mit ihren Jungen die Benutzung eines Urinals trainieren sollen.

Heute berät der Schulausschuss der Bürgerschaft das Thema. Schulpolitiker von SPD, CDU und Grünen sehen die Beschränkung von Papier und Seife kritisch, äußern aber auch Verständnis für die Schulen.

Hauke Wegner (CDU): „Vandalismus ist ein Problem.“ Er rät zu pädagogischen Maßnahmen, „die das Bewusstsein stärken, dass Vandalismus gegen die Schulgemeinschaft gerichtet ist“. Jörn Puhle (SPD):

„Jeder Schüler muss freien Zugang zu Toilettenpapier haben.“ Auffällig sei, dass vor allem Grundschulen von dem Problem betroffen seien. André Kleyer (Grüne), Vorsitzender des Schulausschusses, sieht die Einschränkungen kritisch: „Papier zu verwehren, ist eine schlechte Erziehungsmaßnahme.“

An der Willy-Brandt-Schule sei das Problem abgestellt, berichtet Georg Schopenhauer (SPD). Der frühere Schulleiter ist derzeit stundenweise als Rektor aktiv: „Ich habe die Hausmeister gebeten, dafür zu sorgen, dass in allen WC-Zellen Toilettenpapier und an den Waschbecken Seife vorhanden ist.“

Kai Dordowsky

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