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20:29 27.07.2016
Der dreijährige Ben fühlt sich sichtlich wohl. Was seine Eltern Janina und Dirk Nyikos aus Kiel freudig zur Kenntnis nehmen. So ist es auch ihnen eher möglich, Entspannung zu finden. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Ben ist sichtlich zufrieden – mit seinem Spielprogramm, der schönen Umgebung und wohl auch mit seinen Betreuern. „Ja, das strahlt er aus“, sagen die Eltern des Dreijährigen, Janina und Dirk Nyikos. Die Familie aus Kiel-Schilksee ist nun den sechsten Tag hier, und es wirkt so, als wenn das Ziel des rund einwöchigen Familienseminars im Theodor-Schwartz-Haus problemlos erreicht wird. „Eltern stärken, Kinder fördern“ ist der Titel des Angebotes, das der Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Schleswig- Holstein alljährlich macht.

Im 51. Jahr: Familienseminar „Eltern stärken, Kinder fördern“ in Brodten bundesweit einzigartig.

Beratung und Begleitung

Der Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen sieht es als seine primäre Aufgabe an, Familien mit behinderten Kindern zu beraten, zu unterstützen und zu begleiten.

Konkrete Beratungsthemen sind zum Beispiel: Eingliederungshilfe, Pflegeversicherung, Besondere Betreuungsleistungen, Persönliches Budget, Selbstbestimmte Assistenz sowie Unterstützte Kommunikation (Info unter 0431/ 9088 99 10 oder www.lvkm-sh.de).

„Es sind 33 Kinder und 34 Erwachsene zu Gast. Und wieder einmal konnten wir einige auf der Warteliste nicht berücksichtigen, die zum zweiten Mal kommen wollten, weil es ihnen das letzte Mal so gut gefallen hat“, sagt Miriam Hornung, Projektleiterin und Diplom- Sozialpädagogin. Denn Vorfahrt hätten erstmal die, die bisher noch nicht da waren. Der Landesverband bietet Eltern mit behinderten Kindern von einem bis 14 Jahren sowie deren Geschwisterkindern die Möglichkeit, in Brodten acht erholsame und gehaltvolle Tage zu verbringen.

„Wir wollen den 20 Familien, die zu uns gekommen sind, wieder eine Mischung aus Therapie, Information, Erfahrungsaustausch und Erholung bieten“, erklärt Swantje Jacobsen, Koordinatorin vor Ort und Yoga-Referentin. Während die Kinder von erfahrenen Fachkräften betreut werden und physiotherapeutische Angebote wie Bobath, Vojta, Cranio-Sacral-Therapie und Hippotherapie wahrnehmen können, besuchen die Eltern Vorträge, Workshops und Seminare. Ein wichtiger Aspekt ist dabei das Thema Resilienz. Damit wird die Fähigkeit beschrieben, mit Belastungen, Krisen und Konflikten so umzugehen, dass der Mensch dabei gesund bleibt.

„Hier habe ich wirklich das Gefühl, dass Ben gut aufgehoben ist und sich wohlfühlt. Da kann man ganz anders loslassen und sich mal auf etwas anderes konzentrieren“, sagt Janina Nyikos. Und Ehemann Dirk ergänzt: „Die Informationen, die wir erhalten, sind extrem wertvoll und helfen uns in unserem Alltag zu Hause.“ Ein Alltag, der schon sehr herausfordernd sein kann, da ihr Sohn viel Unterstützung benötigt und wohl auch in Zukunft benötigen wird.

„Ben hatte eine ganz schwere Hirnblutung bei der Geburt und ist dazu noch 13 Wochen zu früh gekommen“, berichtet die 29-jährige Mutter. Folge sei, dass er fortan mit Bewegungseinschränkungen auf der linken Seite leben müsse und entwicklungsverzögert sei. „Allerdings ist nach Auskunft der Ärzte aufgrund seines jungen Alters eine Prognose noch schwierig. Wir hoffen natürlich, dass er noch vieles an Fähigkeiten erlernt und später ein halbwegs normales Leben möglich ist“, fügt der 35-jährige Vater hinzu.

Mit Krankengymnastik, Frühförderung und Sprachtherapie würde man schon viel unternehmen. „Und im September kommt er in einen normalen Kindergarten mit I-Platz; und wir denken, dass er sich dann von den anderen Kindern auch einiges abschauen kann“, so das Kieler Ehepaar. Sie machen aber keinen Hehl daraus, dass man im Alltag trotz eines guten familiären Netzwerkes auch an Grenzen stößt.

„Die Blicke der Mitmenschen auf der Straße und auf dem Spielplatz sind eigentlich immer da. Und unverblümte Fragen wie ,Ist der behindert?’ gehen schon manchmal an die Substanz“, sagt Dirk Nyikos.

Daher sei es sehr wohltuend, hier Eltern in vergleichbarer Situation kennenzulernen und so einen Zusammenhalt zu spüren. „Man hat Eltern, die ähnliches durchgemacht haben wie man selber; das hat man außerhalb des Seminars fast gar nicht“, sagen sie.

Das bundesweit einzigartige Familienseminar, das zum Großteil durch Spenden ermöglicht wird, gibt es übrigens schon seit 51 Jahren; 18 Mal hat es davon in Brodten stattgefunden. Und weit über 1000 Elternpaare mit rund 2000 Kindern aus ganz Schleswig-Holstein haben bereits daran teilgenommen.

„Wir lieben unser Kind sehr“, bekennen Janina und Dirk Nyikos, und so ginge es auch allen anderen Eltern hier.

Michael Hollinde

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