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Lübeck Blick hinter die Kulissen: So funktioniert der Lübecker Hafen
Lokales Lübeck Blick hinter die Kulissen: So funktioniert der Lübecker Hafen
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19:41 11.04.2019
Liv Kunkel (10) begutachtet dicken Baustahl aus der Türkei, der in Lübeck gebogen wird. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
St. Lorenz Nord

 Lübeck ist eine Hafenstadt, und keine Stadt am Hafen. So nennen Experten gerne den feinen Unterschied. Und was so alles im Hafen gemacht wird, das hat die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) am Donnerstag zum bundesweiten Tag der Logistik interessierten Besuchern gezeigt.

Normalerweise hat niemand Zugang zu den LHG-Terminals und ihren Anlagen am Nordlandkai, in Schlutup und am Skandinavienkai. Nur wer akkreditiert ist, kann die Gelände betreten. Und das ist nicht ohne Gefahr, wie die Führungen zeigen. Immer wieder kreuzen große Sattelschlepper und schwere Zugmaschinen die großen Flächen.

Warnwesten im Lübecker Hafen

Auch am Nordlandkai, wo Gerald Schmidt-Drews, Assistent der Umschlagsleitung, eine Gruppe von 23 Besuchern begrüßt. Als Erstes müssen gelbe Warnwesten angelegt werden. „Ohne die geht hier nichts“, sagt Schmidt-Drews. Und schon ist die Gruppe mittendrin im Geschehen und besichtigt einige der Riesenhallen, in denen Papier lagert. An den meterhoch gestapelten Rollen wirkt ein Mensch wie ein Zwerg. „Es ist Papier, was aus überwiegend aus Finnland kommt“, erklärt der LHG-Mann. „Zeitungspapier wird hier immer weniger umgeschlagen, dafür nimmt das Verpackungspapier deutlich zu“, sagt der Umschlagsexperte.

Was so alles im Hafen gemacht wird, hat die Lübecker Hafen-Gesellschaft am Donnerstag zum bundesweiten Tag der Logistik interessierten Bürgern gezeigt. Eine eindrucksvolle Führung.

Hier am Nordlandkai wird das viele Papier nur kurz zwischengelagert, bevor es die weitere Reise nach Südeuropa antritt. Barilla zum Beispiel, die bekannte italienische Nudelmarke, bekommt das Verpackungsmaterial via Lübeck geliefert, verrät Schmidt-Drews. „Das ist echt beeindruckend“, sagt Sebastian Schermer. Dem Besucher gefallen vor allem „diese großen Formate.“ Die gibt es nicht nur im Papierbereich. Auch Stahl wird am Nordlandkai umgeschlagen. Es ist 28 Millimeter dicker Rundstahl, Baustahl, der per Schiff aus der Türkei kommt, und in Lübeck gebogen wird. Liv (10) und Levin (12) gucken sich die dicken Stäbe genau an. Als „wirklich interessant“ bezeichnen die Geschwister den 90-minütigen Rundgang über das Gelände.

Riesenkran hebt tonnenschwere Container

Immer wieder muss die Besuchergruppe aus der Gefahrenzone herausmanövriert werden. Mit XXL-Gerät gehen die LHG-Mitarbeiter zu Werke. Darunter auch Lisa Bergmann, eine von drei Frauen bei der LHG im Hafen. Gekonnt hantiert die Umschlagarbeiterin mit ihrem großen Vehikel und verlädt Papierrollen auf Lkw. Und wie diese Rollen auch richtig angezurrt werden müssen, sieht die Besuchergruppe bei Norbert Nowak aus Polen.

Kräftige Handarbeit ist angesagt, um die Ladung zu sichern. Lasche für Lasche muss sitzen, damit nichts verrutschen kann. Schmidt-Drews zeigt auch den einzigen Kran auf dem LHG-Terrain. Ein Riesenkran, der mühelos tonnenschwere Container heben kann. Dann geht es zu den Großcontainern, die die Fläche einer Wohnung haben. Die Sekubox genannten Container werden mit speziellen Schiffen transportiert.

Auch ohne Schiffe viel Arbeit

Apropos Schiffe: Die fehlen heute gänzlich. „Am Donnerstag haben wir hier keine Schiffe“, verrät Natascha Blumenthal, Sprecherin der LHG. Auch sie begleitet die Gruppe. 1700 dieser XXL-Boxen sind ständig im Umlauf, gehen von Lübeck unter anderem nach Antwerpen, Zeebrügge oder Göteborg. „Lübecks Hafen gehört zu den wenigen, die das bewerkstelligen können“, sagt Schmidt-Drews.

Was die Besucher auch lernen: Die Arbeit ruht nie, auch wenn gerade kein Schiff am Kai liegt. Tag für Tag beladen und löschen LHG-Leute Schiffe, verladen tonnenschwere Papierrollen, machen Neufahrzeuge versandbereit oder lotsen Passagiere zu ihren Schiffen. Selbst die Führung am Nordlandkai war nur ein kleiner Einblick in den großen Alltag im Hafen, wo viel Fingerspitzengefühl erforderlich ist, um tonnenschweres Frachtgut zu transportieren, zu sortieren und zu lagern.

Rüdiger Jacob

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