Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Vielleicht das Ende: „Nautilus“ zum zweiten Mal gesunken
Lokales Lübeck Vielleicht das Ende: „Nautilus“ zum zweiten Mal gesunken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:37 09.01.2017
Am Sonntagmorgen gab es erneut einen Wassereinbruch, so dass das Schiff volllief und sank. Quelle: Holger Kröger
Travemünde

Trübes Wasser bedeckt die dunklen Holzplanken an Deck der „MS Nautilus“. Dem über 80 Jahre alten Schiff steht das Wasser buchstäblich bis zum Hals. Zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten ist das Restaurantschiff im Fischereihafen gesunken und auf Grund gelaufen.

In der Bildergalerie sehen Sie weitere Eindrücke von dem Schiff.

„Das ist entmutigend“, meint Dieter Müller, der das ehemalige Ausflugsschiff vor etwa dreieinhalb Jahren vom Vorbesitzer übernommen hat. Im Januar 2016 war ein undichtes Bullauge Grund für den Wassereinbruch – jetzt legen erste Vermutungen eine geplatzte Frischwasserleitung in der Kombüse nahe. „In Folge des Frosts in der letzten Woche“, meint der 61-jährige Besitzer. Wirklich wissen wird man es erst, wenn die „Nautilus“ geborgen und ein Gutachter an Bord gewesen ist.

Von dem Unglück erfuhr Müller Sonntagvormittag. „Ein Bekannter rief mich aus Travemünde an und sagte, mit dem Schiff sei etwas nicht in Ordnung“, berichtet er niedergeschlagen. Als seine Angestellten dann vor Ort eintrafen, sei es bereits zu spät gewesen. Und auch die Feuerwehr konnte nichts mehr tun. „Das Schiff lag auf Grund, als die Einsatzkräfte kamen“, sagt Dietmar Schiemann vom Leitungsdienst der Feuerwehr. Man stellte noch den Strom und die Frischwasserleitung ab, außerdem wurde auf Bitten von Müller eine Schlängelanlage um das Schiff gelegt, um eventuell austretende Gefahrenstoffe abzufangen.

Die gelbe Kunststoffschlage umschließt die „Nautilus“ auch gestern noch. Eigentlich sollte schon am Morgen mit den Bergungsarbeiten begonnen werden, doch das wurde verschoben; aller Wahrscheinlichkeit nach auf heute. Vier Taucher der Firma Taucher Hock werden das Schiff auf undichte Stellen überprüfen, bevor das Wasser abgepumpt wird. „Dazu müssen die Pumpen in einen möglichst tiefen Bereich im Schiff versenkt werden“, erklärt Torsten Feldmann, Inhaber und Geschäftsführer von Bitunamel Feldmann, der Firma, die für die Bergung zuständig ist. Im Fall der „Nautilus“ könnte das der Maschinenraumeinstieg sein – von dort wird das Wasser dann „gelenzt“, also abgepumpt. „An diese Stelle passen aber nur etwa zwei Pumpen“, so Feldmann. Die Bergung werde wohl den ganzen Tag dauern.

Was anschließend mit der 1935 gebauten „Nautilus“ geschehen wird, ist noch offen. „Das hängt auch damit zusammen, was die Versicherung leistet“, sagt Müller. Allein schaffe er es aber wohl nicht, das Schiff ein zweites Mal auf Vordermann zu bringen.

Gestern jedenfalls herrscht bereits eine gedrückte Stimmung um das rund 30 Meter lange Schiff, das zu DDR-Zeiten ein Schlepper, später ein Ausflugsschiff und zuletzt viele Jahre ein Restaurantschiff war. „Das ist abwrackreif“, sagt ein vorbeikommender Mann. „Schade um das alte Schiff“, ergänzt eine Frau. Hier und da bleiben Spaziergänger stehen und machen Handyfotos von der „Nautilus“ – vielleicht die letzten.

 Luisa Jacobsen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!