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Lübeck Vier Millionen Euro auf das Uni-Konto
Lokales Lübeck Vier Millionen Euro auf das Uni-Konto
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22:00 26.07.2018
Prof. Heinz Handels (l.), Sektionsleiter „MINT“, Uni-Präsidentin Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach sowie Prof. Henrik Oster freuen sich. Quelle: Fotos: Ulf-K. Neelsen
St. Jürgen

Als Oster vor sieben Jahren aus Göttingen auf den Campus kam, war er mit einer sogenannten Lichtenberg-Professur ausgestattet. Und für die Universität war dies ein sehr freudiger Moment – nicht nur, weil der studierte Biochemiker eine herausragende Expertise mitbrachte, sondern auch, weil er von der Volkswagen- Stiftung bezahlt wurde.

Vier Millionen Euro bekommt die Universität zu Lübeck für ihr Stiftungskonto, um mit den Zinserträgen aus einer Professur auf Zeit eine Dauerprofessur machen zu können. Profiteur ist Henrik Oster, der über die Folgen unserer inneren Uhr forscht. Das Geld stammt von diversen Stiftungen.

„Wir haben ihn wegen seiner herausragenden und kreativen Forscher-Persönlichkeit gefördert“, sagt Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VW-Stiftung. „Nur gewähren wir diese Unterstützung über den Zeitraum von fünf Jahren, mit Verlängerungsoption bei erfolgreicher Evaluation über weitere drei Jahre, also maximal acht Jahre.“ Anschließend werde die jeweilige Hochschule in die finanzielle Verantwortung genommen.

Eine Tatsache, die Uni-Präsidentin Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach mit dem Satz: „Dann fällt das Ganze der Hochschule auf die Füße“ kommentiert. Denn der Haushalt sei sowieso schon eng gestrickt.

Entsprechend bestehe die Gefahr, dass ein renommierter Wissenschaftler mit seinem Forschungsschwerpunkt nach vielen Jahren den Campus verlassen müsse.

Diese Gefahr konnte aber nun bei Henrik Oster durch eine „enorme Kraftanstrengung“ gebannt werden. So zahlen der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sowie die Volkswagen-Stiftung zusammen rund zwei Millionen Euro auf das Stiftungskapital- Konto der Uni ein, und lübsche Wohltäter verdoppeln diese Summe nochmal.

Im einzelnen sind das die Possehl-Stiftung, die Hanseatische Universitätsstiftung, die Gemeinnützige Sparkassenstiftung, die Jürgen Wessel Stiftung und die Bluhme-Jebsen-Stiftung. „Gemeinschaftlich wird etwas Neuartiges geschaffen, das jeder einzelne Förderer wohl so nicht hätte realisieren können“, kommentiert stellvertretend Max Schön aus dem Possehl-Stiftungsvorstand.

Und der Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, Prof. Andreas Schlüter, meint: „Diese erste Lichtenberg- Stiftungsprofessur könnte von Lübeck aus zur Blaupause für ganz Deutschland werden.“ Denn mit kapitalbasierten, also dauerhaft finanzierten Stiftungsprofessuren könnten Freiräume für die Hochschulen geschaffen werden, um langfristige eigenständige Forschungsstrategien zu entwickeln. Einziger Wermutstropfen sei, dass das derzeitige Zinsniveau bei nur drei bis vier Prozent liege.

Nach Auskunft von Gillessen-Kaesbach konnte die Uni seit ihrem Status als Stiftungsuniversität mit Beginn des Jahres 2015 insgesamt schon 15 Millionen Euro einsammeln und als Kapitalstock anlegen.

Entsprechend lobt Wissenschafts-Staatssekretär Dr. Oliver Grundei: „Das Vertrauen, das das Land mit ihrer Gründung in das Engagement der Stifter gesetzt hat, erweist sich heute als mehr als gerechtfertigt, und die Erwartungen sind deutlich übertroffen worden.“

Für Prof. Henrik Oster und sein zwölfköpfiges Instituts-Team beginnt jetzt eine neue Zeitrechnung. „Diese Nachricht gibt uns natürlich eine ganz andere Perspektive“, freut er sich. Studien zu den gesundheitlichen Folgen von Schichtarbeit sowie zur optimalen Uhrzeit für den Schulbeginn will er nun mit lübschen Kooperationspartnern auf die Beine stellen.

Das Forschungsgebiet

Mit dem Institut für Neurobiologie soll ein Zentrum für Chronomedizin an der Uni entstehen. Dabei geht es um die Wirkungsweise der inneren Uhr auf Gesundheit und Wohlbefinden. Der Jetlag zum Beispiel nach langen Fernreisen, aber auch gravierendere Symptome wie Fettsucht (Adipositas), Typ-2-Diabetes, Herzkreislauf-Beschwerden oder ein erhöhtes Krebsrisiko können die Folge bei anhaltenden Verschiebungen des Tag-Nacht-Rhythmus sein, wie sie unter anderem bei Flugpersonal oder Schichtarbeitern vorkommen.

Michael Hollinde

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