Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Völkerkunde häppchenweise
Lokales Lübeck Völkerkunde häppchenweise
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:56 09.01.2018
Kultursenatorin Kathrin Weiher (vorne) und Dr. Brigitte Templin, Leiterin der Völkerkundesammlung, präsentieren eine Maske aus Muschelkalk, die im 19. Jahrhundert in der Südsee zu Totenfesten getragen wurde. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Masken, Figuren, Pfeile, Stoffe, Schmuck und Boote: In den kalten Räumen des Zeughauses ruhen wahre Schätze. „Wir haben die älteste Sammlung in Deutschland, sie ist über 300 Jahre alt“, sagt Museumsleiterin Dr. Brigitte Templin. Fast wöchentlich würden Anfragen aus aller Welt eingehen. Von Museen, die Ausstellungsstücke ausleihen wollen. Oder von Regierungen, die sich nach bestimmten Sammlungen erkundigen. Brigitte Templin, die das Haus seit über 20 Jahren leitet, hatte schon Besuch von Eskimos aus Alaska und von Maori aus Neuseeland. Ständig würden neue Schenkungen eingehen, berichtet Templin: „Das Magazin ist überfüllt.“

Die Hansestadt verfügt über eine bedeutende Völkerkundesammlung. Doch die rund 26000 Objekte lagern seit zehn Jahren in einem Depot im Zeughaus am Dom. Ein kleiner Teil der Sammlung soll wieder sichtbar werden, plant Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos).

Doch die Lübecker können die exotischen Exemplare seit zehn Jahren nicht mehr sehen. Es sei denn, die Völkerkunde bietet Sonderausstellungen in anderen Museen an. Wie zuletzt 2016 im St.

Annen-Museum. Für dieses Jahr ist keine geplant, obwohl 2018 ein Jubiläum ansteht – vor 125 Jahren wurde die Sammlung eröffnet.

Kultursenatorin Weiher schlägt deshalb vor, die Sammlung dezentral zu präsentieren und spricht von „kleinen Schmeckhappen“. Einen festen Platz sollen Exponate im Holstentor bekommen. Für dieses Museum mit den meisten Besuchern laufen seit 2016 Überlegungen für eine neue Ausstellung. Danach soll im obersten Geschoss der Blick auf die Welt gerichtet werden. „Wir hätten 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche“, sagt Brigitte Templin, „da geht nicht viel rein. Wir müssten uns auf wenige, sehr aussagekräftige Exponate beschränken.“ Weitere Ausstellungsstücke könnten im Beichthaus gezeigt werden. Kathrin Weiher: „Wir haben einen Vertrag mit dem Hansemuseum, dass wir diese Flächen für zeitlich begrenzte Sonderausstellungen nutzen können.“ Schließlich führt die Kultursenatorin seit einiger Zeit Gespräche mit der Jüdischen Gemeinde. In der Synagoge, die derzeit aufwendig saniert wird, könnten zwei Räume für Exponate der Gemeinde und der Völkerkundesammlung genutzt werden.

Beispielsweise die Judaica-Sammlung von Julius Carlebach, die derzeit eingelagert ist. Die FDP drängt auf eine baldige Klärung der Zukunft dieser bedeutenden Sammlung. Kulturpolitiker Ulf Hansen:

„Mit dem Abschluss der Sanierungsarbeiten der Synagoge bietet sich die Chance, in Kooperation von Jüdischer Gemeinde, Völkerkundesammlung und St. Annen-Museum eine zeitgemäße Präsentation für die Exponate zu schaffen.“ Eine Idee, die laut Weiher vom Land unterstützt wird.

Klicken Sie hier, um einen Überblick über die 12 beliebtesten Lübecker Museen zu sehen!

Die Senatorin will die Sammlung aber auch mobil präsentieren. Dafür sollen Museumskoffer zusammengestellt werden, die in Schulen gezeigt werden. In den Koffern würden sich Objekte befinden, die von Museumspädagogen eingesetzt werden – Schmuck, Trommeln, Masken. „Das geht im Februar los“, sagt die Senatorin. Abgeschlossen ist die Digitalisierung der 26000 Objekte. Vier Jahre hat es gedauert, insgesamt waren zehn Wissenschaftler damit beschäftigt. Ziel ist die Schaffung eines „Web-Museums, „mit dessen Hilfe der Rang der Sammlung im öffentlichen Bewusstsein gehalten wird“.

Aber auch dabei entstehen laufende Kosten, für die Weiher Drittmittel einwerben muss. Das Konzept könne nur umgesetzt werden, wenn die Stelle der ausscheidenden Museumsleiterin schnellstmöglich wieder besetzt werde. Außerdem will Weiher eine halbe Stelle für eine Verwaltungskraft. Derzeit kostet die Völkerkunde 200000 Euro im Jahr. Weiher: „Die Umsetzung ist unabdingbar an zusätzliche Ressourcen gebunden.“

Henning Stabe (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses, hält das Konzept auf jeden Fall für einen Fortschritt: „Alles ist besser als nichts.“ Die Idee der Dauerpräsentation im Holstentor sieht er kritisch. Stabe: „Dort wäre besser ein Welterbezentrum untergebracht.“ Peter Petereit, Kulturexperte der SPD, hält die „Idee, an einen prominenten Ausstellungsort wie das Holstentor zu gehen“, für richtig.

 Von Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!