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Lübeck Volksfestplatz: Schützen wollen bleiben
Lokales Lübeck Volksfestplatz: Schützen wollen bleiben
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21:12 08.07.2017
Seit mehr als 50 Jahren sind sie am Volksfestplatz und wollen dort auch bleiben: Das macht Manfred Spehr (68), Vorsitzender des Vereins der ehemaligen Jäger und Schützen von 1869, klar. Quelle: Foto: Lutz Roessler
St. Gertrud

Wohnungen oder Schützenhaus? Das ist die Frage. Denn die Stadt will aus dem Volksfestplatz ein neues Wohnquartier für Familien machen. Das Problem:

Dort steht das Vereinsheim ehemaliger Jäger und Schützen von 1869. Es müsste abgerissen werden, wenn dort ein neues Wohngebiet entsteht. Das geht aus den Unterlagen des Bebauungsplans hervor. Doch das machen die Politiker nicht mit, vor allem nicht die SPD. Auf ihren Antrag hat der Bauausschuss den Startschuss für das Wohngebiet vertagt. Nach dem Motto: Bevor die Stadt keine Gespräche mit den Schützen führt, gibt es kein grünes Licht dafür.

Denn: „Es ist nicht unser Interesse, den Schützenverein zu vergraulen“, stellt Harald Quirder, baupolitischer Sprecher der SPD, klar. Und Ulrich Pluschkell (SPD) sagt: „Die Stadt geht davon aus, dass das Vereinsheim abgerissen wird.“ Das könne man an den ersten Entwürfen sehen. Zudem ist im Bebauungsplan notiert: „Prüfung im Verfahren, wie lange der Schützenverein am jetzigen Standort verbleiben kann.“ Pluschkell: „Da steht doch wieder Ärger an.“ Die Stadt müsse vorher mit den Schützen sprechen. Das hat sie aber nicht getan. „Die Gespräche stehen jetzt an“, so Chef-Stadtplaner Karsten Schröder. Aber er gibt zu: „Eine Kündigung ist möglich.“ Denn das Areal gehört der Stadt.

Erstaunt reagieren die Schützen. „Wir wollen dort nicht weg“, sagt Vereinschef Manfred Spehr. Es gebe gar keinen anderen Platz für das Vereinsheim. Es steht seit den 1950er Jahren am Rande des Volksfestplatzes, kurz vor dem Wald. „Wir haben keine eigenen Flächen“, sagt Spehr. Aber er weiß: Der Pachtvertrag mit der Stadt läuft in ein paar Jahren aus. Doch er ist strikt gegen einen Umzug.

Denn dann müssten Vereinsheim und Schießstände neu gebaut werden. „Das ist ja unmöglich“, sagt Spehr. Man kriege an anderer Stelle kaum Schießstände genehmigt, und finanziell könne der Verein das nicht stemmen. Den Wert des Gebäudes gibt er mit 300000 Euro an. Es hat einen Gastraum für 50 Leute sowie elf Schießstände. Überdacht sind fünf, sie sind fürs Luftgewehrschießen. Und es gibt sechs Schießstände für Kleinkaliber. Die haben schon Lärmschutz. „Aber den könnten wir noch ausbauen“, bietet Spehr an. Mit großkalibrigen Waffen werde ohnehin nicht geschossen – die sind besonders laut. Das Vereinsheim werde vor allem am Wochenende genutzt, so Spehr. Der Verein hat knapp 60 Mitglieder, Tendenz steigend. „Wir haben gerade erst vier neue Mitglieder gewonnen“, freut sich Spehr.

Es würden sich wieder jüngere Leute fürs Schießen interessieren. „Das boomt.“

Der Plan für den Volksfestplatz: Auf dem 5,3 Hektar große Areal sollen 155 Häuser und Wohnungen gebaut werden. Es liegt zwischen Travemünder Allee und dem Lauerholz. In Richtung Straße sind Mehrfamilienhäuser mit Wohnungen geplant – darunter auch Sozialwohnungen. Bis zum Wald sollen dann Doppel- und Reihenhäuser entstehen. Es gibt zwei Varianten – mit und ohne freistehende Einfamilienhäuser. Außerdem gibt es eine Planung mit und ohne Tiefgarage. Eine Straße soll durch das neue Gebiet führen. An dem Areal grenzen Bahnschienen an – dort fahren im Durchschnitt zehn bis zwölf Züge der Hafenbahn pro Tag. Entwickelt und vermarktet werden soll der Volksfestplatz vom städtischen Koordinierungsbüro Wirtschaft (KWL). Allerdings: Wenn der Volksfestplatz zum Wohngebiet wird, haben auch viele große Zirkusse ein Problem. Sie können nicht mehr in Lübeck gastieren, denn es gibt keine Fläche mehr.

Die Stadt steckt in einer Zwickmühle. Sie will bis 2018 Baurecht für 4000 Wohnungen schaffen. Es fehlen billige Unterkünfte und Einfamilienhäuser. Bevorzugt will die Stadt eigene Flächen zu neuen Wohngebieten machen. Denn mit dem Verkauf kann sie Geld verdienen – und den Wohnungsmix bestimmen. Doch sie stößt immer wieder auf Widerstände mit ihrem Vorhaben. Erst jüngst gab es Ärger mit dem Kleingartenverein Mühlentor. Die Stadt wollte einen Teil der Flächen haben, um daraus Bauland zu machen. Aber die Kleingärtner wollen nicht ihre schönsten Parzellen hergeben.

Nummer 3781: Die schnellste Plastikente Lübecks

Zum bereits dritten Mal sind in Lübeck Tausende Plastikenten für den guten Zweck geschwommen. Der Erlös des diesjährigen Rennens ging an den Rotary Club Lübeck, welcher sich für benachteiligte Kinder einsetzt.

Um das Entenrennen zu verfolgen, stehen etwa 800 Zuschauer am Ufer der Kanaltrave. Um 15 Uhr werden die 4700 Plastikenten von einem Radlader über das Geländer der Rehderbrücke ins Wasser befördert.

Nun müssen die künstlichen Tiere schnellstmöglich die etwa 100 Meter lange Strecke zur Hüxtertorbrücke absolvieren.

Die Zuschauer feuern ihre Enten mit Sprechchören an. Unter ihnen ist auch die Familie Maier. Sie hat zum zweiten Mal in Lübeck eine Plastikente an den Start gebracht. „Ich finde das Entenrennen eine sehr schöne Idee“, erzählt Mutter Kathrin. „Man steht in der Sonne, hat Spaß und das alles für einen guten Zweck. Das finde ich sehr lobens- und unterstützenswert“, ergänzt Familienvater Thomas. Auch die Kinder Lene und Martin freuen sich. „Das Rahmenprogramm war zwar eher etwas für kleine Kinder, aber es war trotzdem sehr lustig“, berichtet der zwölfjährige Martin. Die große Schwester schließt sich ihm an: „Es hat mir viel Spaß gemacht, die Enten anzufeuern, auch wenn es nicht wirklich etwas bringt.“

Durch die Teilnahme unterstützt die Familie Maier die „Schulkindförderung Moisling“ des Rotary Clubs Lübeck. Mit diesem Projekt werden schwer beschulbare Kinder in dem Stadtteil gefördert. Lutz von Majewski, Präsident des Clubs Lübeck-Burgtor, freut sich: „Wir hoffen, dass wir dieses wichtige Projekt mit mindestens 15000 Euro unterstützen können.“

Auch Marc Tyler hat sich am Ufer der Kanaltrave eingefunden. Der 21-jährige Kanadier wollte eigentlich im Rahmen einer Europa-Reise Hamburg erkunden, jedoch überarbeitete er seine Pläne: „Als ich die Bilder vom G-20-Gipfel aus Hamburg sah, musste ich meine Reiseroute ändern, da es mir dort zu gefährlich ist“, erzählt der Student aus Montreal. „Ein Freund hatte mir Lübeck empfohlen, und deshalb bin ich hergekommen“, fährt er fort. Er hat seine Kamera dabei, denn er hält seine Reise als

„Vlog“ fest, die moderne Form eines Videotagebuches. „In Kanada machen wir ja schon viele verrückte Sachen, aber guckt euch das hier an“, sagt er in die Kamera. „Total abgefahren!“

In diesem Jahr war die Ente mit der Startnummer 3781 die schnellste. Die „Trainer“ freuen sich nun über eine Kreuzfahrt.

Von der Hüxtertorbrücke aus beobachtet die 27-jährige Medizinstudentin Mia Wiehlert das bunte Treiben. „Eigentlich wollte ich laufen gehen, aber jetzt mache ich kurz eine Pause und schaue mir das Rennen an“, berichtet sie. „Ich finde das eine sehr lustige Idee, für den guten Zweck auf diese Weise Geld zu sammeln“, fährt sie fort. Neben der Läuferin steht Svea Schmidt mit Sohn Tim. Der Dreijährige ist vom Rennen begeistert. „Ich hoffe, dass ich die Ente behalten kann. Dann spiele ich mit ihr in der Badewanne“, sagt Tim. Mutter Svea ergänzt: „Beim nächstem Rennen tritt Tim dann mit einer eigenen Ente an.“

Historie

Vor hundert Jahren war der Volksfestplatz Ackerland. Durch den Bau der Hafenbahn 1933 wurde die Fläche befestigt. Dort wurde dann auch erstmals das Volksfest gefeiert, das dorthin verlagert wurde. Die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg erzeugten jede Menge Kriegsschutt. Der wurde auf den Volksfestplatz gebracht und sortiert. Später entstanden dort eine Tischlerei und Wohnbaracken.

Von den 1960er Jahren bis 2015 war der Volksfestplatz das Areal für Großveranstaltungen: Volksfeste, Messen, Zirkus-Gastspiele. Das Volksfest wird seit zwei Jahren nahe der Musik- und Kongresshalle gefeiert. Von März 2015 bis Januar 2017 standen auf dem Volksfestplatz Wohncontainer – erst für Polizisten, die für den G7-Gipfel angereist waren. Anschließend wohnten dort Flüchtlinge.

Mvs Josephine von Zastrow

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