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Lübeck Vom großen Fluss in die Achterbahn
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21:13 16.11.2016
Bernd Clemens zeigt das Schleifenmodell von Bühnenbildner Till Kuhnert. FOTOS: MAXWITAT (3), WULFF

. An dem einen Ende fräst sich die Stichsäge laut brummend durch das Holz, am anderen Ende knistert es in hellen Funken, wo die Schlosser die Metallschienen zusammenschweißen. Eine Looping-Bahn ist in der Werkstatt des Theaters in Arbeit, die es in sich hat: Sechs Meter ist sie hoch, fast zehn Meter breit und zieht zwei Schleifen. Sie wird das Bühnenbild für das diesjährige Weihnachtsstück „Tom Sawyer, Huckleberry Finn und die gute Fee vom Mississippi“. „70 Quadratmeter Bretter wurden dafür verbaut und 270 Meter Rohr verschweißt“, sagt Bernd Clemens, Leiter der Tischlerei. Für Opern wie Tosca bauen die Handwerker auch noch größer, doch die Konstruktion des Loopings ist komplizierter: „Weil er noch eine Schmiege in sich hat, müssen wir die Holzkeile ganz genau anpassen“, sagt Clemens.

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Die Schlosser Christoph Dahl (l.) und Johannes Zuther verschweißen die Schienen, auf denen die Holzbretter des Loopings angebracht werden.

Neben dem großen Looping- Bauteil steht das kleine Modell, das der Berliner Bühnenbildner Till Kuhnert für die Kinder- und Jugendinszenierung entwickelt hat. „Das Stück spielt an dem großen Fluss“, sagt Kuhnert. „Ich musste die ganze Zeit an ein Band denken, das eine Leichtigkeit hat, aber auch an so etwas wie die ,Achterbahn des Lebens’ erinnert.“ Trotzdem sei der Looping aber nichts komplett Abstraktes, das nur Erwachsene verstehen würden. „Das ganze Stück lebt durch seine sehr sinnliche Spielweise; und ich denke, dass der Looping auch Kindern genug Projektionsfläche bietet“, sagt Kuhnert. „Er soll Möglichkeiten zum Weiterfantasieren geben.“ In der Inszenierung von Mark Twains Jugendbuchklassiker sind die Schleifen mal Fluss, mal Höhle, mal Klassenzimmer. Kuhnerts neunjährige Tochter war jedenfalls schon begeistert. „Sie wollte sofort darauf herumtoben“, sagt der Bühnenbildner. „Und den Schauspielern ging es ähnlich.“

Für die Fertigstellung der Holz-Metall-Konstruktion bleibt den Handwerkern nur noch etwa eine Woche Zeit. Dann soll die technische Einrichtung beginnen, denn das Stück feiert schon Anfang des kommenden Monats Premiere. Bis dahin laufen in den verschiedenen Werkstätten viele Prozesse gleichzeitig ab. In dem Malersaal wird der sogenannte Tanzteppich bemalt – also die Folien, die später auf das Holz des Loopings kommen. Eine Seite symbolisiert mit silberner Glanzoberfläche und blauen Sprenkeln das Wasser, die andere das Gras am Ufer. An letzterem arbeiten gerade die Bühnenmalerinnen Esther Labs und Julia Heinze. „Wir haben zwei verschiedene Grüntöne verwendet und sie über eine Schablone mit Rollen und Pinseln aufgetragen“, sagt Labs. „Am Ende kommen noch wie beim Wasser die Sprenkler – die machen mir persönlich schon am meisten Spaß.“

Kaum ist der bemalte Tanzteppich getrocknet, geht er wieder nach unten – in die Tapezierwerkstatt, wo er für die Looping-Konstruktion in passende Stücke zurechtgeschnitten wird. Robert Behncke hat dafür eine Geheimwaffe: eine große Rolle doppelseitiges Klebeband. „Da muss man sich erst einmal reinfuchsen“, sagt der Raumausstatter. „Aber wenn man den Bogen raus hat, kann man damit ganz schnell eine ganze Wand bekleben.“ Oder eben eine insgesamt 38 Meter lange Doppelschleife, die wahrscheinlich das Publikum schwer beeindrucken wird.

Damit das Stück aber den jüngeren Zuschauern keine Angst einjagt, wie es im vergangenen Jahr bei „Pinocchio“zum Teil geschehen ist, wird das Stück nun mit dem Zusatz „für Kinder ab sieben Jahren“ – statt ab sechs Jahren – angepriesen. „Wir werden vorher auch noch Schüler als Testpublikum einladen“, sagt Dramaturgin Katrin Aissen. „Wir sind da nun sensibilisiert.“

Das Weihnachtsstück

1876 ist Mark Twains Jugendbuchklassiker „Tom Sawyers Abenteuer und Streiche“ erstmals in Deutschland erschienen. Regisseur Michael Wallner hat das Stück für Lübeck noch um eine Fee vom Mississippi ergänzt, die als guter Geist die Kinder bei ihren Abenteuern beobachtet und beschützt. Das Stück feiert am Freitag, 2. Dezember, um 10 Uhr im Großen Haus Premiere. Die nächsten Familienvorstellungen finden am Sonntag, 4. Dezember, um 14 und 17 Uhr, sowie Sonntag, 11. Dezember, um 11, 14 und 17 Uhr statt.

Lena Modrow

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