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Lübeck Von Dresden nach Gambia: Im „Waldmeister“ durch die Wüste
Lokales Lübeck Von Dresden nach Gambia: Im „Waldmeister“ durch die Wüste
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20:36 31.10.2013
Tschüs, Lübeck! Brigitte Meents und Christoph Bichel vertauschen Lübecks Altstadt-Kulisse mit der Wüste. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

„Diesel and Dust sind für uns wie für andere Sand und Meer“, lautet das Motto von Brigitte Meents (51) und ihrem Lebensgefährten Christoph Bichel (50). Was sie sagen, meinen die Rechtsanwältin und der Bauleiter auch so. Denn wie in den vergangenen beiden Jahren verwenden sie wieder ihren Jahresurlaub dazu, unter abenteuerlichen Umständen in ein fernes Land zu fahren. Dafür haben sie eigens ein Auto angeschafft. In dem werden sie Hilfsgüter ins Land bringen und während der Tour auch schlafen. Am Ende soll es für einen guten Zweck versteigert werden. Dieses Mal fahren die Lübecker nicht vom Allgäu in den Orient, sondern von Dresden über Dakar nach Banjul, die Hauptstadt Gambias.

„Es wird Zeit, dass es endlich losgeht“, sagt Bichel, als die beiden abenteuerlustigen Lübecker ihr aktuelles Fahrzeug, einen Ssangyong Musso (südkoreanischer Geländewagen mit Mercedes-Motor) an den Media Docks vorstellen. Dieses Mal hätten sie sich besonders lange auf die 7500-Kilometer-Tour vorbereitet, erklärt Brigitte Meents die Ungeduld ihres Team- und Lebenspartners. Erneut starten sie als Team „Marzipanbande“, gemeinsam mit dem Berliner Karl Vollmann und der Hamburgerin Sigrid Kolß, die mit einem zweiten Auto fahren.

37 Teams sind gemeldet, von Dresden aus geht es ab 9. November über Frankreich und Spanien per Fähre nach Marokko, von dort aus durch Mauretanien, durch den Senegal bis nach Gambia. Voraussichtlich am 28. November, Brigitte Meents‘ Geburtstag, werden die Rallye-Teilnehmer in Banjul eintreffen, die dort „aufgehübschten“ Fahrzeuge werden am 1. Dezember zugunsten der Dresden-Banjul-Organisation und ihrer Hilfsprojekte versteigert.

Die beiden Lübecker sind gut gerüstet: Monatelang haben sie Kondome, Kinderschuhe und Zahnbürsten gesammelt, um sie in ihrem „Waldmeister“, wie sie ihr Auto getauft haben, nach Gambia zu transportieren. Auch eine alte Schultafel ist mit im Gepäck, sie wird an eine von der Hilfsorganisation betreute Schule verschenkt. Das Sammeln der Hilfsgüter gestaltete sich allerdings nicht so einfach wie gedacht: Wegen der Kondome hatten sie bei Beate Uhse angefragt. Die Firma antwortete, man würde ja gern helfen, dürfe aber für den Auslandsgebrauch keine Kondome hergeben, weil die „Bedienungsanleitung“ nur auf Deutsch geschrieben sei. Also sammelten und kauften die beiden privat. Auch Zahnbürsten erstanden sie selbst beim Discounter. „Naja, da wir die Rallye als Urlaub ansehen, gehört das halt zu unseren Reiseausgaben“, sagt Brigitte Meents.

Fit für die Herausforderung — unter anderem fünf Tage lang durch die Wüste zu fahren und in ihrem Auto zu nächtigen — sind Bichel und Meents. Im September haben sie die letzten Impfungen hinter sich gebracht. Jetzt sollen sie immun gegen Hepatitis A und B, Gelbfieber, Tollwut, Typhus, Meningitis, Cholera und sonstige Erkrankungen sein, die Malaria-Prophylaxe nehmen sie sieben Tage vor Eintreffen im kritischen Gebiet zu sich. Sie haben sich ordentlich pieksen lassen, teils mit heftigen Nebenwirkungen. Aber das ist jetzt überstanden.

Dass sie zum wiederholten Mal vergeblich versucht haben, Lübecker für das „Marzipanbande“- Team und für die Rallye zu begeistern, finden sie ein bisschen schade. Viele hätten sich sehr interessiert gezeigt, „aber selbst mitmachen wollte niemand“, sagt Bichel. Dabei seien die Gefahren gering, die Eindrücke und das Teamgefühl unvergleichlich.

Hilfe für ein armes Land
Gambia ist der flächenmäßig kleinste Staat in Afrika. Das Land besitzt keine Bodenschätze und zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Alphabetisierung beträgt um die 40 Prozent.
Die Dresden-Banjul Organisation betreut mehrere Hilfsprojekte in Gambia. Wer die Lübecker während der Rallye verfolgen will, kann das bei Facebook unter „Marzipanbande“ oder unter www.marzipanbande.de tun.

Sabine Risch

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