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Lübeck „Von der Pike auf Seelsorgerin“ - Bischöfin Kirsten Fehrs
Lokales Lübeck „Von der Pike auf Seelsorgerin“ - Bischöfin Kirsten Fehrs
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23:42 17.06.2011
Lübeck

„Das ist ein Traum“, schwärmt Fehrs, denn

der Blick fällt auf die Kirchturmuhr als wäre es die Wohnzimmeruhr.

Dort lebt sie mit ihrem Mann Karsten, der auch Pastor ist.

Die gebürtige Dithmarscherin aus Wesselburen ist seit ihrer

Kindheit fest verwurzelt in der nordelbischen Landeskirche. Diese

Karte spielte die Pröpstin bei ihrer Vorstellung vor den Synodalen im

Hamburger Michel gleich mehrfach - und durchaus humorvoll. Bereits

als Kind sei sie gerne in die Kirche gegangen, sie erwähne dies nur,

„weil wir Dithmarscher unsere Kirche so liebten, dass wir sie

manchmal schonten“.

Programmatisch nannte sie, am Predigtpult in dunkler Hose und

beigem Blazer stehend, „sechs Blitzlichter“, die sie als Bischöfin

besonders in den Fokus nehmen will: Die Mission, den Kirchentag 2013

in Hamburg, den Ausbau der Ökumene, den innerkirchlichen Umgang, das

Thema Verkündigung und die zahlreichen Gemeinde- und

Landeskirchenfusionen in den vergangenen Jahren.

Fehrs präsentierte sich als bodenständige, in den Traditionen der

Kirche verankerte Frau des Glaubens, die große organisatorische

Qualitäten besitzt und diese in den Dienst der Kirche stellen will.

Bereits als 15-Jährige zeigte Fehrs großes Organisationstalent und

baute einen Chor mit rund 50 Jugendlichen auf. „Das ist typisch für

mich, wenn etwas entsteht, zu fragen, wie lässt sich das

organisieren?“, sagte sie vor der Wahl der dpa.

Das Studium in Hamburg hat ihr Selbstverständnis als praktische

Theologin bis heute geprägt: „Ich bin von der Pike auf in die

Seelsorge eingestiegen.“ Das Leid in Krankenhäusern, Häftlinge „mit

brüllender Angst“ in Strafanstalten, aber auch die existenziellen

Fragen von Menschen in der Urlauberseelsorge hat Fehrs in ihrer

pastoralpsychologischen Arbeit hautnah kennengelernt.

„Eine blutleere Theologie ist nun wirklich nicht mein Problem“,

sagt Fehrs. Verbunden fühlt sie sich vor allem Joachim Harfenberg

(1927-1997), dem großen Pastoraltheologen und Psychoanalytiker - „da

schlägt mein theologisches Herz“. Geprägt hat sie aber auch die

Kreuzestheologie von Jürgen Moltmann (85). Die Kombination von Kreuz

und Theologie der Hoffnung sei für sie ein Modell, weil sie eine

visionäre und den Leiden der Menschen angemessen Form sei, um etwa

über Schicksalsschläge sprechen zu können.

Nach dem Studium in der Elbmetropole und dem Vikariat in

Eckernförde arbeitete Fehrs zunächst als Gemeindepastorin in

Hohenwestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Es folgten Stationen in

Projektpfarrstellen im Kirchenkreis Rendsburg und als mehrjährige

Leiterin des dortigen Evangelischen Bildungswerkes. Parallel hatte

sie einen Lehrauftrag an der Universität Zürich in Praktischer

Theologie. 2006 wurde sie Hauptpastorin von St. Jacobi und zudem

Pröpstin im Kirchenkreis Hamburg Ost.

Wie weit darf und soll sich Kirche politisch einmischen? Fehrs

antwortete nachdenklich, nannte als Grundsatz: Wo die Menschenwürde

und die Schöpfungswürde nicht geachtet werden. „Ich bin aber weit

davon entfernt, Politikerschelte zu betreiben, das tut gar nicht not,

sich moralisch zu erheben.“ Als Aufgabe der Kirche sieht sie den

Dialog mit politisch Andersdenkenden und den verschiedenen

gesellschaftlichen Gruppen, den Anders- und Nichtglaubenden. Dabei

setzt Fehrs auf die Zusammenarbeit der Konfessionen und Religionen.

Eine „Ökumene der Religionen gegen die Gottvergessenheit“ ist für sie

die entscheidende Aufgabe in einer zunehmend säkularen Welt.

LN

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